Kultur | 25.05.2010

Helle Stimmen trotzten dem Regen

Text von Laura Kissling | Bilder von Laura Kissling
Über die Auffahrtstage fand bereits zum siebten Mal das viertägige Europäische Jugendchor Festival Basel statt.
Der Jugendchor Zürich beim Lunchkonzert in der Clarakirche.
Bild: Laura Kissling

Am Mittwoch startete das Festival mit zwei Eröffnungskonzerten in der Stadtkirche Liestal und im Stadtcasino Basel. Das Publikum hatte somit die Möglichkeit, alle 18 Chöre (aufgeteilt auf zwei Konzerte) an einem Abend zu erleben. In der Liestaler Stadtkirche konnte man sich auf ein kunterbuntes Programm mit Kinder- und Jugendchören aus der Schweiz, Italien, Georgien, Litauen, Österreich und Ungarn freuen. Die Knabenkantorei Basel startete den Abend traditionell mit kirchlichem Gesang. Am hiesigen Festival bildet die Knabenkantorei mit ihrem klassischen Erscheinungsbild und Auftritten ohne Showeinlagen eher die Ausnahme. Es wird schnell klar: Chormusik ist schon lange keine reine Gesangsdarbietung mehr, sondern vermehrt eine mit Tanzeinlagen und Komik ergänzte Show.

Neben dem Vortragen ihrer eigenen Lieder kam jeder Chor zusätzlich in den Genuss, mit einem Partnerchor gemeinsam landestypische Stücke vorzutragen. So sang die Knabenkantorei nach ihrem Auftritt gemeinsam mit dem Knabenchor Martve aus Georgien jeweils ein schweizerdeutsches, wie auch ein georgisches Lied. Ein amüsanter Hochgenuss für die Zuschauer. Der Knabenchor Martve war dann auch der aussergewöhnlichste Chor des Abends. Georgische Musik wurde erst vor Kurzem in die Liste des Unesco Weltkulturerbes aufgenommen, weshalb sich der Chor als Aufgabe gesetzt hat, diese Musik weiterzuführen und zu erhalten. Mit ihren Uniformen, besetzt mit Dolchen und Munitionshülsen, wirkte nicht nur ihr Gesang äusserst imposant und mächtig. 

Hohe Klänge und verschiedene Showeinlagen boten dann der Waadtländer Jugendchor, das Genova Vocal Ensemble aus Italen, der Bündner Jugendchor sowie der Jugendchor Zürich. Rund 15 junge Frauen bilden den Jugendchor Zürich, doch gesanglich standen sie grösseren Formationen in nichts nach. Ob züridütsch, französisch, afrikanisch oder deutsch, ihr Repertoire liess kaum Wünsche offen. Der Knabenchor Dagilelis hat sich schon im Voraus bei der Festivalleitung einen besonderen Platz erspielt. Normalerweise werden die Chöre von der Leitung ausgesucht und eingeladen, doch der Knabenchor Dagilelis aus Litauen bewarb sich gleich selber mit einer DVD für das Festival, und vermochte damit zu überzeugen. Auch das Publikum war dieser Meinung und feierte den Chor mit lang anhaltendem Applaus. Besonders überraschend war ihre Darbietung des Liedes “The lion sleeps tonight”, worin sie die Lokalität mit Gesang und Bewegung in einen Urwald voller Vögel, Affen und Platzregen verwandelten. Abgeschlossen wurde der Abend mit dem Auftritt des Mädchenchors Pro Musica aus Ungarn. In ihren traditionellen Trachten boten die jungen Frauen nicht nur gesanglich ein wundervolles Bild. Das Eröffnungskonzert in Liestal war eine Reise in die Weiten europäischer Chormusik und gab dem Publikum einen vielversprechenden Vorgeschmack auf die kommenden vier Tage.

Das Programm des Festivals kam in unterschiedlichen Gewändern daher. Ob nun Kinderchormatinées, Themenabende, Lunchkonzerte oder Länderfokus-Konzerte, es war für jeden Geschmack etwas dabei. Aus Wettergründen wurde das offene Singen in die Martinskirche verschoben – mit jeweils sehr grossem Erfolg und stimmgewaltiger Beteiligung der Bevölkerung. Besonders die Matinées stellten das Organisationskomitee vor organisatorische Herausforderungen, denn die Kirchen platzten jeweils aus allen Nähten. “Dank der Unterstützung des Publikums und den über 300 freiwilligen Helfern sind wir mit dem Festival in neue Dimensionen vorgestossen. Die ganze Region wurde von einer Welle von Chorgesang und Musik überflutet”, berichtet die Festivalleiterin Kathrin Renggli erfreut.

Am Samstagnachmittag trotzten die 1250 Kinder- und Jugendlichen dann den kühlen Temperaturen und besangen während rund drei Stunden die Basler Innenstadt. An sechs provisorisch eingerichteten Spielplätzen hörte das Publikum Musik aus den unterschiedlichen Kulturkreisen. Rund um die Bühnen versammelten sich Hundertscharen von Musikliebhabern und Schaulustigen und machten es manch einem Spätankömmling schwer, noch einen Blick auf die jungen Sänger zu ergattern.

Mit dem Schlusskonzert am Sonntagnachmittag im Theater Basel verabschiedeten sich die Chöre mit einem tollen Programm beim Publikum. Jeder Chor präsentierte sich dabei mit einem oder zwei Lieblingsliedern und ermöglichte der Menge so noch einmal eine Reise durch die verschiedenen Gesangsdarbietungen. Gemeinsam mit dem Publikum sangen die Chöre dann den Festivalsong “This Song” und die jungen Sängerinnen und Sänger wurden mit lang anhaltendem Applaus gefeiert und verabschiedet.

Die Festivalleitung darf auf einen äusserst erfolgreichen Jahrgang zurückblicken, denn mit einer Auslastung von 98% waren fast alle Konzerte restlos ausverkauft. Rund 22’000 begeisterte Zuschauerinnen- und Zuschauer genossen das Festival und machten spürbar, dass ein grosses Bedürfnis nach hochstehendem Chorgesang besteht. Umso erfreulicher dürfte somit die Nachricht sein, dass das Festival voraussichtlich ab sofort nicht mehr alle drei, sondern alle zwei Jahre durchgeführt werden soll.

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