Gesellschaft | 17.05.2010

Grosse Jungs, kleine Autos

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser
Den lieben langen Tag im Hörsaal zu hocken oder in der Bibliothek über Büchern zu brüten, ist den meisten HSG-Studenten zu öde. Lieber veranstalten sie ein halsbrecherisches "Battle of the Bobby-Cars".
Hier treiben sich diese Studenten also wieder herum! Auch wenn man nicht schneller wird: Gut aussehen ist alles! Ein flotter Start ist das A und O im Rennen.
Bild: Seraina Manser

Früher hiessen solche Veranstaltungen Seifenkistenrennen, man setzte sich in selbstgezimmerte Holzgefährte und kurvte eine steile Strecke hinunter. Heutzutage weichen die Studenten auf fixfertige, knallrote Plastikautis aus, die sogenannten Bobby-Cars.

Die Bobby-Cars sind eigentlich als Laufhilfe für Kinder ab zwei Jahren gedacht, in der ergonomisch geformten Sitzschale hocken die Kinder bequem und können sich mit Paddelbewegungen zügig fortbewegen. Die Autos bewiesen letzten Dienstag auf dem Rosenberg, dass sie robust genug sind, um ausgewachsene BWL-Studenten tragen zu können. Es galt, auf dem Bobby-Car sitzend möglichst rasch eine etwa 50 Meter lange Abfahrt hinunterzudüsen, ohne dabei in die grosse Zuschauermenge zu prallen.

Die Idee

Nathalie Bosshard, Studentin an der HSG und Organisatorin des Anlasses, lief mal zusammen mit ihren Freunden durch die Stadt, dabei sahen sie einen süssen Knirps, der wie ein Weltmeister mit seinem Bobby-Car herumdüste. Er hatte so viel Spass dabei, dass sie am liebsten selbst auch auf ein Autöli gesprungen wären, um ihm hinterher zu rasen. Die Idee für ein Bobby-Car Rennen in St. Gallen war geboren. Die Studentenschaft war begeistert von der Vorstellung, auf vier kleinen Rädern die Gatterstrasse hinunterzustürzen.

Super Mario und silbriger Futureman 

Nach Lust und Laune durfte das Bobby-Car dekoriert werden. Gewann doch nicht nur der Schnellste, sondern auch der Kreativste. Einige erhofften sich schnelleres Fahrtempo durch angeklebte Auspuffe, andere warfen sich in komplette Motorradlederkluft inklusive Helm, und das trotz sommerlichen Temperaturen. Ein silbriger Futureman hatte sein Bobby-Car farblich passend angesprayt und setzte auf die Kopfvorausstrategie.

Mein Lieblingsfahrer aber war Super Mario. Ein Student in blauen Latzhosen und rotem Shirt warf während der Abfahrt mit Bananenschalen um sich, genau so wie sein Vorbild im Nintendospiel. Er verlor dafür wertvolle Sekunden, hatte aber die Lacher der Schaulustigen auf seiner Seite.

Von Anschiebern und zerrissenen Jeans
Das wichtigste, um das Rennen zu gewinnen, sei ein tüchtiger Anschieber, vernehme ich nach der ersten Ausscheidung von einem Studenten. Am besten engagiere man ein richtiges Tier, das einem auf der Startgerade kräftig Schwung mitgebe. Die Taktik eines schwächlichen Anschiebers hat sich aber auch bewährt: er stellte sich beim Anschieben so in den Weg der Konkurrenten, dass diese wertvolle Sekunden verloren, da sie gezwungenermassen um ihn herumkurven mussten.

Ein ausgeschiedener Fahrer mit zerrissener Hose gibt mir gerne Auskunft über sein Rennen:
„Es ist gar nicht so schnell, wie es aussieht. Das Wichtigste ist einfach, dass man das Lenkrad unter Kontrolle hat. Das Gleichgewicht ist kein Problem, solange man genug schnell fährt und nicht von Konkurrenten gerammt wird.“ So wie es ihm in der Ausscheidungsrunde passiert ist. „Beim nächsten Mal“, sagt er, „werde ich es bestimmt ins Finale schaffen.“ Reich wird man dabei zwar nicht, aber ein wenig Ruhm unter den Studenten im Hörsaal oder in der Bibliothek ist einem sicher.