Gesellschaft | 17.05.2010

Fahrt ins Grüne

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser
Ich beschliesse einen Tag im Grünen zu verbringen und hole, grün wie ich bin, mein Velo aus dem Garten. Meine Mutter mit grünem Daumen ruft mir zum Abschied hinterher: "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.»
Auch im Sprichwortdickicht findet sich meist ein logischer Weg.
Bild: Seraina Manser

Will sie mich etwa veräppeln?  Meine Fahrt ins Grüne kann beginnen. „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ singend, sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Da trägt doch tatsächlich einer Holz in den Wald hinein. Wo bin ich? Ich Grünschnabel. Das Lichtsignal gibt mir grünes Licht. „Ach du grüne Neune!“, schnell losgeradelt.

Bald schon erblicke ich ein paar Apfelbäume. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, ein Apfel am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen,  und sowieso: Verbotene Äpfel sind süss! Ich pflücke einen Apfel und koste davon. Ich habe zwar nicht in den sauren Apfel gebissen, doch ein Bauer, wohl wissend, dass da etwas im Busch ist, kommt über die Wiese gerannt. „Dir blüht was!“, schreit er mir mit der Mistgabel in der Hand hinterher. Zum Glück sagte er mir das nicht durch die Blume.

Apropos Blumen, ich pflücke einen wunderbaren Strauss, alle Floristinnen wären grün vor Neid, wenn sie ihn sähen. Welch blühende Fantasie! Das Pflücken allerdings war eine sehr gefährliche Angelegenheit, ich biss beinahe ins Gras dabei.

Soll ich bei Mutter Grün schlafen? Der nette Bauer würde mich sicherlich unter seinen Bäumen übernachten lassen. Über die Sache mit dem Apfel ist bestimmt schon längst Gras gewachsen oder ist mit ihm nicht gut Kirschen essen? Nun, die Kirschen aus Nachbars Garten schmecken immer besser. Nein, das ist nicht die Bohne wert. Ich bin ihm wahrscheinlich ein Dorn im Auge. Drum rasch heimwärts, wo ich verwurzelt bin.