Kultur | 31.05.2010

“Dilettantische Hipster” starten durch

Text von David Weber
Die Band The Teenagers ist als Witz entstanden. Auch selbst nehmen sich die drei Pariser nicht allzu ernst. Vielleicht macht sie gerade das so sympathisch.

Wer auf myspace.com eine Band gründet, die es eigentlich gar nicht gibt, läuft Gefahr, sich plötzlich inmitten eines unerwarteten Hypes wiederzufinden, mit dem Produzenten von The Strokes im Studio zu sitzen und im Vorprogramm von These New Puritans aufzutreten. Dies war zumindest das erfreuliche Schicksal von Quentin Delafon, Dorian Dumont und Michael Szpiner, die fortan unter dem Namen The Teenagers bekannt wurden und 2008 ihr erstes Album “Reality Check” veröffentlichten.

Mit tiefen Massstäben zum Erfolg

Hört man sich die Band an, dann gewinnt man tatsächlich den Eindruck, als sei ihr Erfolg das Produkt einer Reihe glücklicher Zufälle statt jahrelanger harter Arbeit in schäbigen Proberäumen. Mit ihrem einfach gestrickten Synthesizer-Pop, den eingängigen Melodien und den als Spoken-Word vorgetragenen, possierlich-ironischen Texten setzen sie sich selbst keine allzu hohen Massstäbe und treffen genau den Nerv der Trash-Kultur. Damit werden sie aber auch zu einem Dorn im Auge all jener, die das Musikgeschäft mit einem heiligen Ernst betreiben: Die Zusammenarbeit mit dem Strokes-Produzenten war nicht wirklich fruchtbar und “laut.de” prophezeite 2008 den “dilettantischen Fieps-Hipstern” ein baldiges Ende.

Tatsache ist, dass die drei Herren aus Paris am vergangenen Samstag dem Exil in Zürich die Ehre gaben. Dabei verwandelten sie eine beschauliche Gruppe von jungen Frauen in kreischende Teenager, die bei jedem Refrain lauthals mitsangen, sich um einen Platz auf der Bühne stritten und freudig ihre Kamera herzten, mit der sie den Sänger aus nächster Nähe fotografiert hatten. Das mag anachronistisch klingen, passt aber durchaus zu einer Band, die mit ihren Songs Teenager-Träume zelebriert (Starlett Johansson) und kindliche Unbeschwertheit glorifiziert: “we’re teenagers, we don’t care.”

Selbstironie

Würden sich The Teenagers selber ernst nehmen, müssten sie sich vielleicht tatsächlich mit dem Vorwurf der Belanglosigkeit konfrontiert sehen. Durch eine gehörige Portion Selbstironie werden sie aber zur Subversion genau desjenigen jugendlichen Ungestüms, das sie verkörpern, und genau desjenigen kurzlebigen, technologisierten Zeitgeists, der ihnen so unverhofft zum Erfolg verholfen hat. Der beste Beweis hierfür ist ihr grösster Hit “Homecoming”, der in einer fast schon obszönen Wortwahl die zwei Seiten einer Urlaubsromanze erzählt und mit den Worten endet: “Don’t forget to send me a friend request”.

Vielleicht werden die Kritiker recht behalten und The Teenagers werden, genauso wie ihr dreissigminütiger Auftritt im Exil, schneller Geschichte sein, als man es erwartet hätte. Aber selbst dann werden sie, genauso wie ihr erfrischender Auftritt im Exil, für eine Menge Spass und Überschwänglichkeit verantwortlich gewesen sein und als gelungener Witz in einem manchmal etwas bierernsten Business in Erinnerung bleiben.

Links