“We’re back because we love you”

The Phenomenal Handclap Band hat Stil, wie die Bande am vergangenen Sonntag auf der Bühne bewies. Die zusammengewürfelte Gruppe (sechs Männer, zwei Frauen) zog das Publikum mit ihrer psychedelischen Musik auf eine spirituelle Ebene, fast so als stünden acht Hippies auf der Bühne. Sehr sexy, wild und hip – kurz: “phenomenal”. Die Retro-Band ist keineswegs ruhig, ihre energiegeladene Darbietung nahm die Menge dankend und tanzend an. Ihr Name ist also absolut berechtigt. Von ihrem Song “15 to 20” konnte man sich kaum satt hören und die Power-Performance war ein genussvolles Erlebnis. Bis zum Schluss. “We’re back because we love you” meinte Daniel an seinem Synthesizer bei der Zugabe. “We love you, too”, sagte das Publikum.

 

Gegründet wurden die Händeklatscher im Jahr 2008 von Daniel Collás und Sean Marquand, zwei Underground-DJ’s aus Brooklyn, die damals endlich ihre eigene Musik produzieren wollten. Die beiden Köpfe sind auch gleich das Zentrum der Band und suchten sich die Mitglieder aus verschiedenen musikalischen Sparten. Neben den beiden DJ’s gehören Musiker von “TV on the Radio”, The Spencer Blues Explosion und der Amy Winehouse Backing Band dazu. Das gleichnamige Debütalbum erschien letzten Herbst bei “Friendly Fire Recordings”. Ihre Musik bewegt sich irgendwo zwischen Cosmic Funk und Progressive Rock, mit Einflüssen aus Disco und Elektro – das Ganze meist sehr gut tanzbar und orchestral verpackt. Das Ergebnis: Ein einzigartiger und äusserst eigener Stil.

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“Exgüsi, je ne comprends nüt!”

Deutschschweizer und Romands zwischen 8 und 20 Jahren lernen in den Sprachcamps vom 27. Juni bis 15. August kreativ und unkompliziert den alltäglichen Umgang mit Deutsch, Französisch oder Englisch. Vormittags erhalten die jungen Talente Unterricht in Kleingruppen, nachmittags können sie ihre neu erworbenen Kenntnisse anwenden – zum Beispiel beim Theaterspielen oder bei der Gestaltung einer Camp-Zeitung. Die vier Frilingue-Sommerlager finden an der deutsch-französischen Sprachgrenze statt  – in Fribourg, Schwarzsee, Enney und Cudrefin – und werden von Studenten und Uni-Absolventen betreut.

Stipendienplätze zu vergeben

14 Tage Sprach- und Erlebniscamp gibt-˜s schon für 1-˜275 bis 1-˜600 Franken. Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen erhalten die Möglichkeit einer Vergünstigung. Dazu Camp-Organisator Weber: “Dank einer Stiftung, die im Hintergrund bleiben will, können wir gegen Vorlage eines Lohnausweises 50 Stipendienplätze vergeben.”

Zudem bieten Frilingue und der Schweizer Landdienst Agriviva ein neues “Learn and Work”-Kombi an: Zwei Wochen Sprachaufenthalt und anschliessend zwei Wochen Landdienst für den Preis von 1-˜375 Franken.

Frilingue – ein Studentenprojekt

Im Sommer 2007 wurde das erste Frilingue-Sprach-Lager von Studenten geplant und durchgeführt. Und es wird weiterhin von motivierten Jugendlichen getragen: Der Frilingue-Partner Workcamp Switzerland vermittelte zur Unterstützung des Lagers bereits Volunteers aus Ländern wie Georgien, Frankreich, Korea und Russland. Auch Schweizerinnen und Schweizer, die gerne in einem vielsprachigen Umfeld in der Küche arbeiten oder Ausflüge begleiten wollen, können sich direkt bei Frilingue melden. Für 150 Franken erhalten sie zudem 20 Lektionen Sprachunterricht.

Dass spielerisches Lernen tatsächlich Spass macht, schreibt eine Teilnehmerin auf Facebook: “Frilingue ist der Hammer”.

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Mit Fussball den Rassismus wegkicken

Seit 2007 organisiert die Aktionsgruppe, bestehend aus Jugendlichen aus der Region Solothurn, den Antira-Cup in Solothurn und seit 2009 in Luzern. Beim Antira-Cup können jegliche Menschengruppen ein Team gründen. Primär geht es hierbei nicht ums Gewinnen, sondern vor allem auch um den Spass, eine Botschaft gegen den Rassismus und um ein “friedliches Beisammensein”.

 

Dies zeigte sich auch dadurch, dass nicht nur die besten Spielerinnen und Spieler, sondern auch die besten Fans und die Mannschaft mit den besten Trikots ausgezeichnet wurden. Auf diese Weise wurde klar gemacht, dass es nicht nur ums Spiel, sondern auch um den Zusammenhalt und um die Kreativität geht: Genau diese zwei Komponenten, die auch beim Umgang mit Rassismus im Alltag notwendig sind. Zudem konnten sich die Besucher neben dem Spielfeld auch mit allerlei Informationsmaterial zu Antirassismus und Antifaschismus eindecken, sowie sich beim zusätzlichen Informationsstand der Freien ArbeiterInnen Union (FAU) Bern über die Basisgewerkschaft, die Kritik der Lohnarbeit oder Arbeitsbedingungen schlau machen. Damit auch die nötige Energie für das Spiel und das Mitfiebern vorhanden war, standen Essensstände bereit: Eine Volxküche, ein Kuchenstand und Essen des Kurdischen Kulturvereins.

 

Geehrt sollten an dieser Stelle auch noch die Gewinnerinnen und Gewinner werden: Einerseits der FC St. Pauli aus dem Wallis, die Assi Crew aus Biberist als beste Spieler, die Ultras Säli aus Luzern als beste Supporter, sowie die Tussifraktion aus Solothurn als die Mannschaft mit den besten Trikots und andererseits auch die zahlreichen Helfenden, ohne die der Tag niemals realisierbar gewesen wäre. Auch nicht realisierbar wäre der Tag aber sicher auch ohne das Publikum gewesen. Denn schliesslich geht es bei dem Cup ja auch darum, ein Zeichen zu setzen, was ohne Teilnehmende und Gäste nicht möglich gewesen wäre. Der Antira-Cup in Solothurn war so auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg mit schönem Wetter, einer guten Stimmung und einem lautstarken Zeichen: Rassismus soll keinen Platz in der Gesellschaft haben! Sei dies im Alltag, im Sport oder im Berufsleben.

 

Weiter geht es mit dem Antira-Cup in Luzern am 24. Juli, sowie 2011 natürlich wieder in Solothurn und in Luzern und hoffentlich auch in Bern, Thun und im Oberwallis.

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Jugendliche mobilisieren Jugendliche

Eine steile Treppe führt hinunter ins Kulturlokal “Ono” in Bern, wo diesen Frühling an der “Flyer-Party” das Siegerprojekt des Flyerwettbewerbs von “Jugend in Aktion” gekürt wurde. Im kleinen Bühnenraum hingen die Entwurfsideen an den Wänden. Die jungen Künstler, allesamt unter 25 Jahren, präsentierten ihre Werke gleich selbst.

Jugendliche in Europa vernetzen

Die 25-jährige Ann-Sophie Müller vermochte mit ihren Entwürfen die sechsköpfige Jury am meisten zu überzeugen. Anstelle eines “0815 Flyers”, wie sie es nennt, setzt die Grafikstudentin auf ein Postkartensystem: Sie gestaltete drei Postkarten mit dem Logo der Organisation, wobei die ersten beiden zusammen verteilt werden. Der Grund: Auf der ersten Postkarte kleben Sticker, welche je nach Gefallen auf die zweite, uni-schwarze Postkarte geklebt werden können. “Die Punktestruktur auf der dritten Postkarte visualisiert das Netzwerk zwischen den einzelnen Leuten, zusammenlaufend bei der Organisation ‘Jugend in Aktion'”, erklärt die gebürtige Deutsche.

Das Ziel des Flyerwettbewerbs bestand darin, einen Flyer zu entwerfen, welcher Jugendliche auf das Programm “Jugend in Aktion” aufmerksam machen soll. Das Progamm fördert die internationale Jugendbewegung, also den ausserschulischen Kontakt zwischen Jugendlichen aus ganz Europa. In einem internationalen Umfeld können Jugendliche durch verschiedene Projekte, wie Ferienlager, Freiwilligendienste, Trainings oder Weiterbildungen, direkten Einfluss nehmen und zu gesellschaftlichen Akteuren werden. Dabei stehen “europäische Grundwerte”, wie Toleranz und Vielfalt an oberster Stelle, wie auf der Homepage von “Jugend in Aktion” zu lesen ist. Je nach Aktion übernimmt die Schweizerische Koordinationsstelle bis zu 100 Prozent der Reisekosten.

Flyer verteilen an Openairs

Ann-Sophie Müllers Grundgedanke ist, eine Auswahl der besten Flyer später an Openairfestivals zu verteilen. Vorübergehend legen finanzielle Engpässe die Umsetzung auf Eis. Jedoch würden die Flyerentwürfe der Jugendlichen an die europäische Mutterorganisation weitergeleitet, versichert Projektkoordinator Thomas Winzeler. Vielleicht sei das Verteilen an Openairs ab nächstem Jahr möglich. Dann nämlich wird die Schweiz durch neue Abkommen offiziell am Programm “Jugend in Aktion” teilnehmen und nicht mehr nur durch die vom Bund finanzierte Schweizerische Koordinationsstelle, die auch zusammen mit Infoklick.ch die Flyer-Party organisiert hat.

Ann-Sophie Müller hofft, dass es mit dem Flyerverteilen an Festivals doch noch klappt. “An Festivals hat man Zeit. Da ist es doch toll, wenn man die Möglichkeit hat, den Freunden zu Hause einen Gruss zu schicken. Kann man die Postkarte zudem selbst gestalten und auf eine tolle Aktion aufmerksam machen, erfreut dies noch mehr”, so die Gewinnerin. 

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Mit einem Bein im Grab

Neulich bei einem Glas Weiswein in der lauen Abendsonne, entfachte eine besondere Aussage eine brennende Frage: Findet der Mensch sich mit seinem Leben ab? Toleriert er den Fakt, dass die besten seiner Jahre vorüber sind und man nur noch auf den Tod wartet? Kann es sein, dass man das Feuer, das einst in der Brust loderte, ignoriert? Diese ganzen Denkanstösse wurden durch eben jene Aussage in Gang gesetzt. Verständnishalber rezitiere ich die glorreichen Worte meines Gesprächspartners: “Ich erwarte vom Leben gar nicht mehr, dass es spannend ist.” Krawumm. Und das von einer einst wundervollen Person, die seine Ideale eisern vertrat und nicht einfach alles so nahm wie es hingestellt wurde, sondern stets hinterfragte.

Glücklich aber langweilig

Kann es sein, dass ein wochenendlicher Ausflug in das Einkaufszentrum das Nonplusultra ist? Will man wirklich eine Viertelstunde über die Signifikanz von preisreduzierten Pouletschenkeln reden? Aufstehen-arbeiten-fernsehen-schlafen. Oh, da gibt es noch Silvester, da kann man sich dann ordentlich die Kante geben. Man muss immer wieder feststellen: Eben jene, deren Leben so vollkommen routiniert und langweilig scheint, sind auch glücklich. Meist sogar glücklicher als Revolutionäre und Lebenskünstler aller Art. Glücklicher als Abenteurer oder Piraten. Hat also Albert Camus, der in seinem Werk “Der Mythos des Sisyphos” genau das beschreibt, recht? Braucht der Mensch eine sich wiederholende Aufgabe, um glücklich zu sein?

Was also tun, um die ultimative Glückseligkeit zu erlangen? Sich in den Alltagstrott integrieren? Mit dem Strom schwimmen? Oder trotzdem gegen den Strom? Was erreicht man damit, ausser Erschöpfung? Und wenn man dann schliesslich an der Erschöpfung zu Grunde geht, so treibt man doch mit dem Strom. Die Richtung eines toten Fisches unterscheidet sich nicht von jener eines lebendigen Fisches. Ein Schwimmer im Fluss hinterlässt keine Spuren, hinterlassen wir also eine?

Herman Hesse sagte einst “Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.”

Es liegt an einem selbst

Folglich liegt es in unserer Hand, es gibt kein Richtig oder Falsch. Sehen wir in unserem Leben nicht mehr als ein ewiger Kreislauf aus aufstehen-arbeiten-fernsehen-schlafen, so ist da auch nicht mehr. Und so braucht es auch nicht mehr. Plagen wir Unserein jedoch mit Fragen über Fragen, so kann es auf zwei Arten enden: Entweder wir kapitulieren und finden uns mit dem Leben ab oder wir erleben die waghalsigsten Abenteuer, die eindrücklichsten Impressionen und die tiefstmöglichen Gefühle.

Dies zu erreichen ist aber höchstwahrscheinlich wahnsinnig schwer, ermüdend und es macht vielleicht einsam. Wahrscheinlich muss man die goldene Mitte finden, Energie schöpfen aus den kleinen Dingen. Wie zum Beispiel an einer Wolke, die aussieht wie Aladin auf dem fliegendem Teppich, oder an den Klängen einer Spieluhr. Oder an einem vorbeifahrenden Zug, der sich im Wasser spiegelt. Es gibt tausend schöne Dinge in der Welt zu entdecken, das mit dem Suchen nach den wirklich grossen Fragen des Lebens hat schliesslich noch Zeit.

“Dilettantische Hipster” starten durch

Wer auf myspace.com eine Band gründet, die es eigentlich gar nicht gibt, läuft Gefahr, sich plötzlich inmitten eines unerwarteten Hypes wiederzufinden, mit dem Produzenten von The Strokes im Studio zu sitzen und im Vorprogramm von These New Puritans aufzutreten. Dies war zumindest das erfreuliche Schicksal von Quentin Delafon, Dorian Dumont und Michael Szpiner, die fortan unter dem Namen The Teenagers bekannt wurden und 2008 ihr erstes Album “Reality Check” veröffentlichten.

Mit tiefen Massstäben zum Erfolg

Hört man sich die Band an, dann gewinnt man tatsächlich den Eindruck, als sei ihr Erfolg das Produkt einer Reihe glücklicher Zufälle statt jahrelanger harter Arbeit in schäbigen Proberäumen. Mit ihrem einfach gestrickten Synthesizer-Pop, den eingängigen Melodien und den als Spoken-Word vorgetragenen, possierlich-ironischen Texten setzen sie sich selbst keine allzu hohen Massstäbe und treffen genau den Nerv der Trash-Kultur. Damit werden sie aber auch zu einem Dorn im Auge all jener, die das Musikgeschäft mit einem heiligen Ernst betreiben: Die Zusammenarbeit mit dem Strokes-Produzenten war nicht wirklich fruchtbar und “laut.de” prophezeite 2008 den “dilettantischen Fieps-Hipstern” ein baldiges Ende.

Tatsache ist, dass die drei Herren aus Paris am vergangenen Samstag dem Exil in Zürich die Ehre gaben. Dabei verwandelten sie eine beschauliche Gruppe von jungen Frauen in kreischende Teenager, die bei jedem Refrain lauthals mitsangen, sich um einen Platz auf der Bühne stritten und freudig ihre Kamera herzten, mit der sie den Sänger aus nächster Nähe fotografiert hatten. Das mag anachronistisch klingen, passt aber durchaus zu einer Band, die mit ihren Songs Teenager-Träume zelebriert (Starlett Johansson) und kindliche Unbeschwertheit glorifiziert: “we’re teenagers, we don’t care.”

Selbstironie

Würden sich The Teenagers selber ernst nehmen, müssten sie sich vielleicht tatsächlich mit dem Vorwurf der Belanglosigkeit konfrontiert sehen. Durch eine gehörige Portion Selbstironie werden sie aber zur Subversion genau desjenigen jugendlichen Ungestüms, das sie verkörpern, und genau desjenigen kurzlebigen, technologisierten Zeitgeists, der ihnen so unverhofft zum Erfolg verholfen hat. Der beste Beweis hierfür ist ihr grösster Hit “Homecoming”, der in einer fast schon obszönen Wortwahl die zwei Seiten einer Urlaubsromanze erzählt und mit den Worten endet: “Don’t forget to send me a friend request”.

Vielleicht werden die Kritiker recht behalten und The Teenagers werden, genauso wie ihr dreissigminütiger Auftritt im Exil, schneller Geschichte sein, als man es erwartet hätte. Aber selbst dann werden sie, genauso wie ihr erfrischender Auftritt im Exil, für eine Menge Spass und Überschwänglichkeit verantwortlich gewesen sein und als gelungener Witz in einem manchmal etwas bierernsten Business in Erinnerung bleiben.

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Blick in den menschlichen Abgrund

Vereinigte Staaten. Der Psychologe Stanley Milgram tüftelt in seinem Labor an der Yale Universität an einem neuen Experiment. Dies war vor gut fünfzig Jahren. Was Milgram damals noch nicht wusste: Sein Experiment wird die Sozialpsychologie revolutionieren. Und es warf eine Frage auf, die sich nur wenige zu stellen wagen: Kann fast jeder Mensch dazu gebracht werden, einer Autorität zu gehorchen, anstatt seinem Gewissen und der eigenen Vernunft zu folgen?

 

Experiment des Jahrhunderts

In Milgrams Experiment wurden Versuchspersonen von “Wissenschaftlern” dazu aufgefordert, einer Person, wenn sie auf eine Frage falsch antwortete, Stromstösse zu verabreichen. Was die Probanden jedoch nicht wussten: Sowohl bei den Wissenschaftlern als auch beim Befragten handelte es sich in Wahrheit um Schauspieler. Der Befragte wusste den Probanden die starken Schmerzen lediglich überzeugend vorzuspielen. Milgram wollte die männlichen Testpersonen so auf Autoritätsgehörigkeit und Gewaltbereitschaft testen. Das Resultat: 65 Prozent der Versuchspersonen waren bereit, den “Schüler” mit den maximalen 450 Volt zu “bestrafen”. Diese Stromstärke verläuft für einen Menschen normalerweise tödlich. Das Ergebnis sorgte für Aufruhr und galt als Bestätigung dafür, dass theoretisch fast jeder Mensch zum Folterknecht werden kann.

 

Jedoch spielten viele verschiedene Faktoren eine Rolle, wann der Proband die Befragung beendete. Die Bereitschaft für starke Stromstösse sank beispielsweise deutlich, sobald eine andere im Raum anwesende Person ihr Bedenken äusserte. Kritiker der Studie warfen Milgram vor, ein “traumatisierendes” Experiment durchgeführt zu haben, das “potenziell schädlich” für die Versuchspersonen sei. Ethisch sei es nicht vertretbar, jemanden einer derartigen Stresssituation auszusetzen. Sogar Milgram selbst stellte in seinem Tagebuch die Überlegung an, dass es eigentlich ethisch fragwürdig sei, Menschen absichtlich in eine belastende Lage zu bringen.

 

 

Fernsehen als Autoritätsinstanz

Dieses Jahr, knapp 50 Jahre später, ging das “Milgram-Experiment” in die zweite Runde. Der französische Staatssender France 2 strahlte die Sendung “Jeu de Mort” (“Todesspiel”) am 17. März aus. In der vermeintlichen Quizshow wurden 80 ahnungslose Kandidaten von einer Autoritätsperson, in diesem Fall einer bekannten Moderatorin, dazu aufgefordert, einem Mann, wiederum einem Schauspieler, schmerzhafte Stromstösse zu verabreichen, wenn dieser die gestellten Fragen falsch beantwortete. Diesmal waren sogar mehr als zwei Drittel der Testpersonen zur tödlichen Voltzahl bereit. Nur 16 von ihnen widersetzten sich den Befehlen der Moderatorin und dem Beifall klatschenden Publikum und brachen das Quiz ab.

 

Die Drahtzieher des Experiments, die französischen Journalisten und Filmemacher Christophe Nick und Michel Eltchaninoff, wollten mit ihrem TV-Experiment auf die beunruhigende Macht der Medien über unser Bewusstsein hinweisen. Sie haben auch einen Dokumentarfilm gedreht, in dem die Perversionen des Reality-Fernsehens im Vordergrund stehen (siehe unten). Das Fernsehen schlüpft bei Nick und Eltchaninoff, genau wie der “Wissenschaftler” bei Milgram, in die Rolle der Autoritätsinstanz.

 

Nach der Veröffentlichung des Experiments wurde weltweit wieder heftig debattiert. Was das “Todesspiel” in Tat und Wahrheit über das Fernsehen und die menschliche Psyche aussagt, lässt so manchem die Haare zu Berge stehen. Die Annahme, dass Menschen so leicht manipulierbar sein können, ist erschreckend. Was ein Professor vor 50 Jahren in seinem Labor herausgefunden hat, ist nach wie vor aktuell.

 

 

 

“Todesspiel”


 

Der Film “Le jeu de la mort” zum TV-Experiment gibt es auf DVD. Christophe Nick und Michel Eltchaninoff haben ausserdem ein Buch zum Thema veröffentlicht mit dem Titel “Die Erfahrung des Extremen”.

Eine Frage des Vertrauens

Die Zentralbanken sind relativ unabhängig von den Weisungen ihrer Regierungen. In der Schweiz ist die Tätigkeit der SNB vor allem durch das Nationalbankgesetz geregelt. Dieses besagt: Die Bank soll eine Geld- und Währungspolitik “im Gesamtinteresse des Landes” führen und die Preisstabilität sichern. Die Bankleitung wird dabei nicht vom Volk gewählt, da dies vermutlich zu einer kurzfristig orientierten Geldpolitik führen würde, die wiederum langfristig die Preisstabilität gefährdet.
 
Verkauf und Rückkauf
Die Hauptaufgabe der Zentralbank ist es also, ihre Währung zu kontrollieren. Weil sie das Monopol auf den Notendruck hat, bestimmt sie, welche Geldmenge im gesamten Währungsraum vorhanden ist. Will sie die Geldmenge vergrössern, kauft sie einfach andere Währungen, Wertpapiere oder auch Gold, und bezahlt diese mit ihrer eigenen Währung. Dies nennt man eine expansive Geldpolitik. Umgekehrt kann sie zum Beispiel durch den Verkauf von Gold ihre Franken wieder “zurückholen” und aus dem Markt nehmen.

Eine expansive Geldpolitik führt zunächst einmal zu einem kurzfristigen Wirtschaftswachstum. Das Geld ist dann nämlich zu günstigeren Konditionen zu haben ist und die Leute investieren mehr. Dies kurbelt die ganze Wirtschaft an. Insbesondere während Rezessionen wie der letzten Finanzkrise ist das wichtig, um somit der allgemeinen Abwärtsspirale entgegenzuwirken. Andererseits führt eine gestiegene Geldmenge auch dazu, dass die Preise und Löhne stärker ansteigen. Mehr Geld ruft also eine Inflation hervor.

Das wichtigste Kapital der Zentralbank ist jedoch das Vertrauen der Menschen in ihre Politik. Wenn sie die Geldmenge dauernd erhöht, will niemand mehr in einen Wirtschaftsraum investieren. Schliesslich weiss man da nicht, wieviel dieses Geld in Zukunft noch wert sein wird. Gleichzeitig deutet eine solche Politik oftmals darauf hin, dass die Zentralbank eben doch nicht so unabhängig vom Staat ist, wie sie es eigentlich sein will.

Die EZB und Griechenland
Genau diese Diskussion entstand auch im Zusammenhang mit dem Rettungsschirm für überschuldete Euroländer. Jean Claude Trichet, der Chef der EZB, kündigte am 8. Mai an, die Bank wolle ihre unabhängige Linie weiterfahren und werde keine griechischen Staatsanleihen aufkaufen.

Weil sich die Lage in Griechenland aber just in diesen Tagen dramatisch zuspitzte, beteiligte sich die EZB doch am Rettungspaket und gab an, bis zu 150 Milliarden Euro in griechische Obligationen zu investieren. Auf der einen Seite beruhigt dies die Anleger. Sie wissen nun: Griechenland wird nicht einfach fallen gelassen und geht nicht pleite. Auf der anderen Seite hat die EZB innert weniger Tage eine Kehrtwende vollführt und sich von der Geldpolitik abgewandt, die sie jahrelang hochgehalten hat.

Unklare Zukunftsaussichten
Solche Kehrtwenden nagen am Vertrauen der Märkte, was sich in einem höheren Zinsniveau für alle Eurostaaten zeigen könnte. Denn wenn ich fürchten muss, dass meine 10’000 Euro in zehn Jahren nur noch 5000 Euro wert sind, will ich eine höhere Risikoprämie für meine Investition. Doch die Schuld trägt nicht unbedingt die EZB. Auch den Investoren kann in diesem konkreten Fall nichts vorgeworfen werden. Sie orientieren sich lediglich an den Marktregeln, welche die Politik festgelegt hat. Die Politiker mögen sich noch so sehr über Spekulanten aufregen, welche der Welt die ganze Krise eingebrockt haben – solange sie sich derart überschulden, sobald ihnen günstige Kredite angeboten werden, bleiben sie von der Gunst der Kreditgeber abhängig. Um das Problem mit der Spekulation auf fallende Kurse in den Griff zu kriegen, sind grundlegendere Massnahmen nötig. Über diese sind sich die EU-Statten jedoch noch nicht einig.

Wenige Leute bestreiten, dass die EZB in diesem Fall richtig gehandelt hat. Doch das ungute Gefühl bleibt: Die Bank ist stärker von der europäischen Politik abhängig, als sie dies zugeben will. Die Zukunft wird zeigen, ob und wie sehr der Ruf der EZB davon betroffen sein wird.

Ein Schmetterling ohne Flügel

Die Geschichte der vom Schicksal geplagten Cio-Cio-San, genannt Madama Butterfly, scheint von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ein amerikanischer Leutnant, B.F. Pinkerton, ehelicht die junge Japanerin, welche in ihrer Liebe gar seine Konfession annimmt. Gefeiert wird in grossem Stil, Verwandte und Freunde beglückwünschen das frisch getraute Paar, jedoch wird das Fest durch den zornigen Onkel Bonze gestört, welcher die Braut verflucht, da diese ihren Glauben verraten hat. Doch Butterfly will davon nichts hören und geniesst ihre erste Nacht mit ihrem Ehemann. Dieser denkt aber nicht daran, bei seiner japanischen Frau zu bleiben und verschwindet darauf hin für drei Jahre.

Warten auf Pinkerton
In dieser Zeit kümmert sich Butterfly um ihren gemeinsamen Sohn, von dem Pinkerton jedoch nichts ahnt. Sie verbringt jeden Tag in der Hoffnung, dass ihr Mann zurückkehrt. Auch als Sharpless, der befreundete Konsul, die trauernde Ehefrau darüber informieren will, dass Pinkerton in seiner Heimat erneut geheiratet hat, lässt sie sich nicht beirren und zeigt ihm ihren Sohn. Sharpless zögert nicht lange und verspricht, Pinkerton von seinem Kind zu erzählen. Daraufhin kehrt Pinkerton mit seiner amerikanischen Ehefrau nach Nagasaki zurück und versucht dort, Butterfly dazu zu bringen, ihren Sohn mit ihm gehen zu lassen. In ihrer Verzweiflung über die neue Frau an Pinkertons Seite ersticht sich Butterfly mit dem Dolch, mit dem auch ihr Vater sich das Leben nahm.

St.Galler Inszenierung ohne Tiefgang
Es wird viel Fantasie vom Publikum gefordert, wenn es darum geht, sich das ganze Drama im japanischen Nagasaki vorzustellen. Denn weder die Darstellerinnen noch die Darsteller vermögen ein fernöstliches Flair zu versprühen. Das Bühnenbild (Jürgen Kirner) hingegen spielt mit gängigen Klischees, und entführt den Zuschauer in eine Welt, die ihm nur durch Ferienprospekte bekannt ist. Daneben vermag die stimmungsvolle Beleuchtung (Guido Petzold) genau die jeweilige Gefühlslage gekonnt aufzufangen und wiederzugeben.

Nichts desto trotz wirkt die Inszenierung (Aron Stiehl) stellenweise recht plump und von der schauspielerischen Leistung her recht laienhaft. Besonders Pinkerton (Derek Taylor), der weit gereiste Amerikaner, überzeugt weder Butterfly noch das Publikum von seiner Hingabe und auch Suzuki (Katja Starke) mangelt es stellenweise an echtem Mitgefühl. Leider ist dies auch durch die meist gut gelungenen Gesangseinlagen nicht wettzumachen, auch dann nicht, wenn die stimmbegabte Cio-Cio-San (Angela Fout) während (!) der Inszenierung Applaus für ihre tolle Leistung erhält. Denn spätestens, wenn ihr Gegenpart Pinkerton zum Zug kommt, erlischt wieder jegliches Feuer. Als kleiner Hoffnungsschimmer erscheinen einzig Sharpless (David Maze), der sowohl den schauspielerischen, als auch den gesanglichen Part ausgezeichnet übernimmt, sowie Goro, der Heiratsvermittler (Riccardo Botta), dem die Rolle als geldgeiler Macho hervorragend bekommt.

Verloren zwischen Moderne und Tradition

Die Inszenierung von Aron Stiehl lässt den Besucher stellenweise im Unklaren, in welcher Zeit das Stück eigentlich spielt. Denn einerseits sind das Handy, welches beispielsweise Goro nutzt, um Pinkerton seine zukünftige Frau mitsamt Haus zu vermitteln, und die Spielkonsole mit welcher Butterflys Sohn spielt, als seine Mutter sich gerade umbringen will, zeitgenössische Gegenstände. Die Outfits (Dietlind Konold) der Darsteller und Darstellerinnen hingegen stammen nicht aus der heutigen Zeit oder werden nur von sehr traditionsbewussten Menschen getragen. Schön sind sie aber allemal, die japanischen Gewänder, mit ihren Verzierungen und kleinen Details, einzig das Marine-Outfit von Pinkerton hätte man nochmals überdenken sollen.

Insgesamt ist diese Oper ein ziemlich plattes Stück, wenig Tiefgang, wenig Spannung und noch weniger Emotionen. Einzig das Sinfonieorchester St.Gallen (Leitung David Stern und Stéphane Fromageot) vermag den Zuschauer mitzureissen. Jedoch nur dann, wenn man die Augen schliesst, und für einen Moment das Stück auf der Bühne vergisst.

“Wir haben einen Traum”

“Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Es ist ein Traum, der tief verwurzelt ist im amerikanischen Traum. Ich habe einen Traum, dass eines Tages diese Nation sich erheben wird und der wahren Bedeutung ihres Glaubensbekenntnisses gemäß leben wird: Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind.”

Mit diesen Worten wandte sich der Freiheitskämpfer Martin Luther King im August 1963 in Washington an das amerikanische Volk. Das Internationale Menschenrechtsforum Luzern IHRF verfolgt mit dem Verleih des Förderpreises “Wir haben einen Traum” das Ziel, Martin Luther Kings Traum von einer Welt, in der für alle die gleichen Rechte gelten, in der Menschenrechte nicht länger verletzt werden, weiterleben zu lassen. Am ersten Forumstag des IHRF hatten die Gründer der drei Projekte die Möglichkeit ihre Ideen in einem Workshop der Jury und den Besuchern vorzustellen.

Bal Krriti – Bildung für mehr Lebensqualität

Den Anfang der Präsentationen machte Bal Krriti – Education for the poor, ein Bildungsprojekt, das sich in Nordindien für sozial benachteiligte Kinder einsetzt. Regula Willi hat Bal Krriti im Jahre 2007 gegründet und engagiert sich zusammen mit ihrem Team dafür, die Lebensqualität der Kinder in Jaipur zu verbessern und ihnen insbesondere einen besseren Zugang zu Bildungsangeboten zu ermöglichen. Das Bildungsteam von Bal Krriti bereichert mit seinem vielfältigen Schulungsangebot den Alltag der Kinder. So werden sie auf spielerische Weise in Hindi, Englisch, Mathematik und Allgemeinbildung unterrichtet. Ihre kreativen Talente werden im Musik- und Kunstunterricht gefördert. Bal Krriti bietet den Kindern zudem Nahrungsmittel und ärztliche Versorgung an. Die Hausaufgabenhilfe und die Begleitung auf späteren Bildungswegen, ebenfalls Teil des Projektes von Bal Krriti, sollen einen frühzeitigen Schulabbruch der Kinder verhindern. Regula Willi und ihr Team in Jaipur stehen in engem Kontakt mit den Familien der Kinder und wollen diese so auf die Wichtigkeit der Bildung als Basis für eine bessere Zukunft ihrer Kinder aufmerksam machen.

Fashion Toaster – Aus Kleidern wird Schulmaterial

Fashion Toaster – Vintage goes Charity. Das vielversprechende Projekt, das “etwas verkauft, das nicht mehr gebraucht wird und den Ertrag daraus in etwas investiert, das dringend gebraucht wird”, wurde von Thomas und Carmen Tobler-Ghofli im Jahre 2009 realisiert. Dabei verkaufen die beiden auf dem Web-Portal Ricardo gebrauchte Kleider, um mit dem Erlös die Bildungssituation im Iran, besonders in abgelegenen Bergdörfern, zu verbessern. Für die Kinder in diesen Bergdörfern sind mangelhaftes Schulmaterial sowie zu kleine und renovationsbedürftige Schulgebäude Alltag. Carmen und Thomas Tobler-Ghofli leisten mit ihrem Projekt einen grossen Beitrag, den Zustand der Schule in Sirzar, einem Bergdorf im Nordosten von Iran, zu verbessern. So konnte den Kindern mit dem Erlös aus dem Verkauf der gebrauchten Kleider Schulmaterial besorgt werden. Des weiteren sollen die Renovationen der sanitären Anlagen, des Schulgebäudes und des Pausenhofes ermöglicht werden. Carmen und Thomas Tobler-Ghofli waren bei ihrem Besuch in Sizar berührt von der Freude der Kinder über die ihnen zukommende Hilfe.

Zwangsheirat – Sensibilisierung der Bevölkerung

“Eine Ehe darf nur im freien und vollen Einverständnis der künftigen Ehegatten geschlossen werden.” Dies beschreibt Artikel 16 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Das Menschenrechtsprojekt Zwangsheirat.ch setzt sich für die Durchsetzung dieses Rechtes der freien Partnerwahl ein, das auch in der Schweiz verletzt wird. Das multikulturelle Team von Zwangsheirat.ch sensibilisiert die Bevölkerung mit viel Fachkompetenz für das Thema der Zwangsheirat und betreibt Aufklärungs-und Präventionsarbeit. Um Zwangsheiraten präventiv entgegenzuwirken brauche es fundiertes Wissen, erklärt das Team auf ihrer aufschlussreichen Homepage. So widmet sich das Projektteam auch der Forschung rund um das Thema der Zwangsheirat und setzt die gewonnen Ergebnisse in Projektaktivitäten und in Öffentlichkeitsarbeit um. Zudem bietet Zwangsheirat.ch eine Beratung für Betroffene an, die sich per Mail anonym und kostenlos an das Team wenden können.

An der Preisverleihung, die am zweiten Forumstag stattfand, wurden die drei Projekte mit einem Preisgeld honoriert. Zwangsheirat.ch erhielt 5000, bal kritti 3000 und Fashion Toaster 2000 Franken. Das Preisgeld wurde von Betten Thaler zur Verfügung gestellt und wird nun den Projekten helfen den Traum von Gerechtigkeit und der Einhaltung der Menschenrechte zu verwirklichen.

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