Kultur | 13.04.2010

Von der männlichen Muse geküsst

Text von Martin Sigrist
Mit "I'll Kill Her" landete die Sängerin Soko im Jahr 2007 einen Welthit. Ihr englischer Gesang mit französischem Akzent ist noch in allen Ohren präsent.
Das Motto von Soko: "Born to be wild, not to be Dead". Fotos: Martin Sigrist. Künstlerische Konsequenz: Soko hat ein Album verworfen, für das sie ihr ganzes Geld ausgegeben hatte.

Das neue Album von Soko steht in der Pipeline: Am SXSW-Festival in Austin (Texas) traf Tink.ch auf die 24-jährige Sängerin.

Du spielst hier gleich drei Konzerte und repräsentierst die französische Musik. Passt das für dich?

Soko: Für mich fühlt es sich nicht so an, als würde ich Musik machen. Ich erzähle eher Geschichten. Ich mich auch nicht unbedingt französisch. Ich habe an so vielen Orten überall auf der Welt gelebt, dass ich mich gleichsam als Französin, Amerikanerin oder Deutsche sehe. Ich mag Grenzen nicht, ich verstehe das Konzept von Grenzen zwischen Ländern nicht. Ich möchte nicht sagen: Ja, ich bin aus Frankreich und heute repräsentiere ich Frankreich. Ich sehe uns alle einfach als Menschen der Erde.

Du scheinst heute glücklich. Auf der Bühne hast du früher einen traurigen und zerbrechlichen Eindruck gemacht.

Ich hatte Probleme, mit allem umzugehen. Ich bin viel und gerne alleine. Dann waren da plötzlich so viele Leute und es kam der Druck. Alle wollten etwas von mir. Ich wollte und sollte ein Album machen, durfte aber dies nicht tun, sollte jenes lassen. So habe ich ein Album aufgenommen, das ich nicht mochte. Das Album war mir zu überproduziert, ich hätte es mir jedoch roh und intim gewünscht – eben so wie ich auch auf der Bühne bin. Auf dem Album klang ich wie jede andere Band, nicht wie ich selbst. So habe ich das Album geschmissen, obwohl ich mein ganzes Geld dafür ausgegeben habe. Und als ich wieder aufnehmen wollte, hatte ich kein Geld mehr und niemand wollte mir helfen. Da sagte ich mir einfach: Scheiss drauf.

Was brachte dich denn dazu, es doch nochmals zu versuchen?

Ich hatte damals einen Freund, den ich sehr liebte und der mich sehr inspirierte. Er wurde zu meiner Muse und ich habe ihm so viele Songs geschrieben. Ich konnte einfach nicht anders, eigentlich wollte ich gar nichts mehr schreiben, doch er hat mich immer wieder ermutigt. Er war ein Musiker und ich liebe seine Musik. Ich habe seine Meinung sehr respektiert. Er wollte immer, dass ich ihm etwas vorsinge, aber ich wollte ja eigentlich damit aufhören. Aber durch ihn habe ich wieder zur Musik gefunden. Er hat mich quasi gezwungen, nochmals zurück ins Studio zu gehen und wieder Songs aufzunehmen. Soko geht also weiter.

In Zürich hast du die Leute gebeten, sich für dein Konzert zu setzen. Machst du das nicht mehr?

Ich habe nie eine Setlist, ich weiss nie, was ich auf der Bühne tun werde. Ich mag es nicht, dasselbe nochmals zu machen, das ist mir zu langweilig. Ich sehe viele Bands, die während so vieler Jahre touren, sich auf der Bühne nicht mal mehr anschauen, weil alles so geplant und eingespielt ist, so was kann ich mir nicht vorstellen. Ich mache es lieber unerwartet – auch für mich. Wenn ich nicht weiss, was passiert, macht es für mich viel mehr Spass. Ich liebe es so sehr, mit meiner Band zu spielen, denn wir wissen nie, was als nächstes geschieht.

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