Kultur | 26.04.2010

Von der Kanti auf den jüdischen Friedhof

Text von Seraina Manser | Bilder von Die Spielbaren.
Die Werke von George Tabori gehören zum Schwärzesten, was das Theater zu bieten hat. Nun versucht sich eine junge Theatergruppe von Kantonsschülern an einem seiner monumentalen Werke gegen das Vergessen, ohne Lehrer im Hintergrund.
Taboris "Jubiläum": Ein Schauspiel zwischen Gräbern, Toten und einem Nazi.
Bild: Die Spielbaren.

Jubiläum
Jüdischer Friedhof irgendwo am Rhein. Tote Juden erzählen von ihrem Leben und wie es zu ihrem Tod gekommen ist. Beispielsweise Lotte, die Frau eines Musikers: während sie in der Telefonkabine ein Gespräch führt, verklemmt sich die Türe, es dringt Wasser hinein und sie stirbt an einem bizarren Ertrinkungstod.  Unter den toten Juden, gibt es auch noch Otto, einen homosexuellen Coiffeur, die körperbehinderte Nichte und den Vater des Musikers. Die einzigen untoten Geschöpfe des Stückes sind ein Nazi und ein Totengräber, die ab und zu den Gottesacker aufsuchen.
George Tabori, selber ein Jude, schrieb das Stück zum 50-jährigen Jubiläum der Machtergreifung Hitlers. Es erschien 1983 und soll gegen das Vergessen der getöteten Juden wirken.

Die Spielbaren

Die Theatergruppe die Spielbaren besteht aus acht Kantonsschülerinnen und -schüler, alle jünger als 21 Jahre. Sie besuchten gemeinsam das Freifach Theater an der Schule, als dieser Kurs nach einem Jahr beendet wurde, gründeten sie schnurstracks ihre eigene Theaterkompanie. Seit einem halben Jahr proben sie regelmässig, so gut es neben der Schule geht, an ihrer Inszenierung. Fürs „Jubiläum“ haben sie sich vor allem deshalb entschieden, weil das Drehbuch genügend Rollen vorsieht und es in einer witzigen, skurrilen Sprache gehalten ist.

Während der Probezeit mussten sie feststellen, dass sie ein heikles Stück gewählt hatten. „Oft stellten wir uns die Frage, wo die Grenze zum Geschmacklosen liege?“, so Sebastian Ryser, ein Mitglied der Kompanie. „Manche Szenen waren in unserer Ansicht zu heikel und krass, so kürzten wir ein paar Stellen.“ Aufgrund zahlreicher gespielter Rückblenden im Stück, ist es eine wahre Herausforderung den Zuschauer nicht zu verwirren, sondern in im Labyrinth der Erinnerungen der Protagonisten zu leiten.

Auf eigene Faust
Die Schauspielerinnen und Schauspieler erarbeiteten die Interpretation und die Inszenierung des Stückes ohne jegliche Hilfe von aussen – eine anspruchsvolle Aufgabe. Jeder einzelne trägt eine Verantwortung, nun gibt es keinen Lehrer oder Regisseur mehr, der genau sagt, was zu tun sei. Vor allem dank einer intensiven  Probewoche während den Frühlingsferien kamen sie mit der Entwicklung des Stückes in grossen Schritten voran, bis zur Premiere wird jetzt noch an den letzen Details geschliffen. Als Aufführungsstätte dient das Figurentheater in St.Gallen. Soviel sei verraten: Für das Bühnenbild, den jüdischen Friedhof, haben sie sich auch so einiges Anspruchsvolles einfallen lassen, natürlich auf eigene Faust.

Aufführungen:
1., 3., 5. Mai
Figurentheater St.Gallen
Eintritt frei (Kollekte)

Kompanie die Spielbaren:
Sophia Bischofberger
Dominique Enz
Corina Haag
Florentin Heuberger
Maurus Leuthold
Franziska Ryser
Sebastian Ryser
Lisa Walder