Kultur | 12.04.2010

Übergang von Winter zu Frühling

Die Basler Band Sheila She Loves You brachte im März ihr Debütalbum "Esztergom" unter dem Label "Anker Platten" heraus. Eine Tink.ch-Reporterin hörte sich das Album an und bildete sich eine Meinung.
Bild: PD "Esztergom" ist das Debütalbum von Sheila She Loves You.

In der Schweizer und besonders in der Basler Musikszene, kommt man schon seit einiger Zeit nicht umhin, von der Basler Band Sheila She Loves You (SSLY) zu hören. Die omnipräsente Band, die sich aus Joachim Setlik (Gesang/Gitarre), David Blum (Bass), Tobija Stuker (Schlagzeug) und Alain Meyer (Gitarre) zusammensetzt, hat sich in kurzer Zeit zu einem Geheimtipp gemausert. Nun erschien ihr lang ersehntes Debütalbum „Esztergom“, welches mithilfe von Thomas Rechberger und Philippe Laffner live und direkt aufgenommen wurde.

 

Fast überall und zu jeder Zeit

Schon beim ersten Hören wird klar: diese Songs haben Ohrwurmpotential. Ich weiss nicht wieso, aber jedes Lied, obwohl es ähnlich klingt wie die anderen, zieht mich in seinen Bann und verfolgt mich unbewusst. Was mich am meisten beeindruckt, ist das Album als Gesamtwerk: Wenn man das ganze Album an einem Stück hört, merkt man, dass sich die Jungs über die Reihenfolge der Lieder Gedanken gemacht haben. Die Überleitungen von einem Song zum nächsten nimmt man manchmal kaum wahr, denn das Ende beziehungsweise der Anfang der einzelnen Songs sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Die Tatsache, dass jedes Lied zwar ein unabhängiges Stück guter Arbeit aber gleichermassen ein Teil des Ganzen ist, machen das Album zu einem Longplayer, den man sich im Auto, auf dem Weg in die Ferien wie auch zu Hause an einem regnerischen Tag anhören kann.

 

Zwischen eisernem Willen und Individualität

Was erst bei weiterem Hören des Albums bemerkbar wird, ist der eiserne Wille mit dem SSLY dieses Album aufgenommen haben. Das Arbeiten nach dem Motto „Blood, Sweat and Tears“ ist unüberhörbar. SSLY wollen hoch hinaus und das Potential dafür haben sie sicherlich. Doch genau dieser Wille lässt das Album wie auch die einzelnen Songs in einem anderen Licht erscheinen. Sehr oft drängt sich mir beim Hören der Gedanke auf, dass sie etwas zu sehr wollen: Aussergewöhnliche Songtitel, ein etwas anderes Albumcover sowie ein spezieller Albumtitel und der Bandname rufen den oft gehörten und gefürchteten Ausdruck „You’re trying too hard“ hervor. Versteht mich nicht falsch, ich bin für Individualität und der Ausschöpfung dessen. Nur ist Individualität angeboren und nicht etwas, das man erzwingen kann. Man kann sich auf diesem Pfad weiterentwickeln, aber man kann es nicht durch aussergewöhnliche Kleidung oder Songs erreichen, wenn man es nicht in sich hat. Ich bin überzeugt, dass SSLY dieses Etwas in sich haben, vielleicht sollten sie es einfach weiterentwickeln, ohne es zu sehr zu wollen.

 

Das klingt wie…

Das Bemerkenswerte an „Esztergom“ ist die Unvergleichbarkeit: die Songs erinnern einen zwar an verschiedene andere Bands wie Interpol oder The Kooks. Man kann jedoch nicht sagen, an welche genau, denn die Songs haben genug Eigenes, um als unabhängiges Werk zu gelten. Mit „Esztergom“ haben SSLY ein beachtliches Werk geliefert, das den Übergang zwischen Winter und Frühling nur zu gut darstellt und einen Frühlingsspaziergang noch angenehmer macht. Auf jeden Fall ist es das Album wert, gehört zu werden. „Esztergom“ ist der Anfang einer hoffnungsvollen Popband, die später in ihrer Karriere auf den Beginn zurückschauen und die eigene Jugend belächeln wird.

 

Je öfter ich „Esztergom“ höre, desto besser gefällt es mir. Insbesondere „How About“ hat es mir angetan, während „Hippo Pop“ und „Hallo Anna“ mir eher wie Raumfüller vorkommen. Und plötzlich geht mir ein Licht auf: „Esztergom“ ist genau das, was man Powerpop nennt.