Kultur | 19.04.2010

Schrill, schriller am schrillsten

Sie betreiben Selbstinszenierung bis zur Schmerzgrenze: Die amerikanischen Bands Brokencyde und Jeffree Star. Dabei provozieren sie stets mit einem Augenzwinkern.
Buntes Doppelpack im Abart: Jeffreestar (links) und Brokencyde. Fotos: PD Treten gegen Schweine: Die Aktionen von Brokencyde sind meistens nicht ganz ernst gemeint. Ist die Tochter..äh der Sohn eines Models und modelt auch selber: Jeffreestar.

Die USA beglückt Zürich mit einem Aufgebot von schrägen Vögeln: Brokencyde ist eine in New Mexico ansässige Band, die von Kritikern mit einem Kopfschütteln abgetan wird. Mit ihrem Musikstil, welche sie als “crunkcore” definieren, eine Mischung aus screamo, crunk-lastigem hip hop und electro, überfordern sie gern die zarten Gehörgänge des Publikums. Alles mit Absicht, versteht sich. Brokencyde ist keineswegs eine Band, die sich ernst nimmt. Ihr Emo-angehauchter Look und die unpassend knalligen Outfits dazu bestätigen die nicht bestehende Ernsthaftigkeit, jede Handlung wirkt willkürlich und zynisch. Mit ihren Songtexten wie: “You make my peepee hard” und “girl, just look at me, I look so pretty with these hoes all over me”, treffen die vier Jungs den Zeitgeist der Postmoderne, nämlich die Ironisierung der Musik. Bei den amerikanischen “scene-kids” kommt ihre Musik auf jeden Fall an, mal schauen ob sie das Zürcher Publikum ebenso begeistern können.

Androgyner Sohn eines Models

Mit an Bord ist Jeffree Star, das i-tüpfchen der fast schon zirkusartigen Veranstaltung. Jefree ist ein Mythos für sich. Und in einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten verdient der 23-jährige Sohn eines Models sein Geld ebenfalls mit Modeln, als Designer, Visagist und seit neustem eben als Liedermacher. Dank den Internetplattformen Myspace und Buzznet ist er nun eine Internetsensation und hat sich eigenständig zum Kultstatus befördert. Seine opulente Gestalt erinnert an einen schwulen in einen pinken Farbtopf gefallenen Marilyn Manson. Seine Musik ist jedoch alles andere als düster, es wird feuchtfröhlich über Wimpernzangen und Schminke geträllert und der androgyne, mit einzigartigen Tattoos überdeckte Körper lasziv, provokant und in hohen Hacken dazu bewegt.

An jenem Abend wird die Musik nicht im Vordergrund stehen. Der Besucher darf sich aber auch so auf einen interessanten Event freuen. Den Künstlern Brokencyde und Jeffree Star geht es lediglich um die Selbstinszenierung. Sie stellen die Entwicklung des Musikgeschäfts im 21ten Jahrhundert dar und stillen den Hunger der Gesellschaft nach Sensation, Empörung, dem Ausgeflippten und völlig aus dem Rahmen Fallenden. Es wird ein verschwitzer Abend voller Schminke, aufgesetzter Rockstarattitüde und einer gesunden Dosis Selbstironie.


Montag, 26. April: Brokencyde und Jeffree Star (USA) im Zürcher Abart. Tür: 19:30 Uhr.

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