Gesellschaft | 26.04.2010

Rrrrrratsch!

Die Tür geht auf. Der Vorhang wird gezogen. "Frau Ly, ihr Bett steht schon bereit. Legen Sie alle Kleider ab und ziehen sie dieses Nachthemd an. In zwei, drei Stunden geht's los." Steffi liegt bereits seit zwei Stunden im Spitalbett neben dem Fenster in der Frauenklinik.
In diesen Betten werden Leben verändert. Zum Glück ist man nicht allein.
Bild: Allan Toft Pedersen/stockvault.net

Die Tür fällt ins Schloss. Stille.
Zzzzrrr, zzzzrrr.
Steffi: Ihr Handy surrt.
Frau Ly: Danke. Ich hab es gehört.
Steffi: Ihre Eltern?
Frau Ly: Nein, mein Freund macht sich Sorgen. Dabei weiss er eigentlich, dass die Operation erst am Nachmittag ist.
Steffi: Immerhin. Der, den ich so liebe, hat sich noch gar nicht gemeldet.
Frau Ly: Ist es denn so ernst bei Ihnen?
Steffi: Ich weiss es nicht so genau. Bin notfallmässig hier und werde am Abend operiert.
Frau Ly: Aber Sie hatten bestimmt ein Aufklärungsgespräch?
Steffi: Ja doch. Es sind so viele Informationen. Im schlimmsten Fall werden sie mir die Eierstöcke samt Gebärmutter herausnehmen.
Frau Ly: Wie alt sind Sie?
Steffi: Achtzehn. Sie?
Frau Ly: Siebzehn. Möchtest du einmal Kinder?
Steffi: Ich weiss es nicht. Vielleicht. Später einmal. Ich möchte auf jeden Fall noch die Chance haben.
Kim: Ich werde nach der OP meine Kinder vielleicht nicht stillen können.
Steffi: Glaubst du, es könnte sein, dass du nach der Narkose nicht mehr aufwachst?
Kim: Nein. Ich bin überzeugt, dass alles gut gehen wird. Das Risiko ist winzig.
Steffi: Ich konnte meinen Freunden nicht einmal sagen, dass ich hier bin.
Kim: Sie werden in Gedanken bei dir sein und dich besuchen. Wenn du fest an eure Freundschaft denkst, kannst du ganz viel Kraft daraus schöpfen.
Steffi: Wie machst du das jeweils?
Kim: Ich telefoniere sehr viel.
Steffi: Mit wem denn?
Kim: Vor allem mit meinem Freund. Aber natürlich auch mit meinen Mitschülern und ganz wichtig, meine Freundinnen.
Steffi: Wann darfst du wieder nach Hause?
Kim: Ich bleibe nicht so lange. Noch heute gehe ich nach Hause, wenn alles gut geht. Ich konnte mich auch schon etwas länger auf den Eingriff vorbereiten.
Die Tür geht auf. Steffi sieht nicht, wer herein kommt.
“Frau Ly, wir sind nun bereit. Wir bringen Sie in d…”
rrrratsch. Der Vorhang wird aufgerissen und Steffi sieht noch eine Pflegefachfrau den Eingang zumachen. Kurz darauf wird die Tür wieder vorsichtig aufgeschoben. Zwei Männer treten ein. Zwei bekannte Gesichter. Steffi’s Herz schlägt schneller. “Hallo. Wir haben gehört, was passiert ist und wollten dir etwas Kleines vorbei bringen. Der Spitalfood soll ja umstritten sein.” Steffi kommen die Tränen.
Steffi: Sie hat es gewusst. Nur er hat sich immer noch nicht gemeldet.
Das Telefon klingelt. “Hier Tobias, der Sekretär von der zuversichtlichen Steffi im Spital, wer ist am Apparat?” Steffi muss lachen. Stille. “Es ist deine Schwester, sie wünscht dir alles Gute und denkt an dich!”
“Frau Baumann, wir sind nun bereit. Wir bringen Sie in d…”