Kultur | 20.04.2010

Rock’n’roll für deine Augen

Text von Uwe Bieri
Audrey Hepburn tat es. Bob Dylan und James Dean ebenfalls. Selbst John F. Kennedy tat es: Sie alle trugen die Sonnenbrille mit Kultstatus. Die Rede ist von der Wayfarer.
James Dean... Bob Dylan... John F. Kennedy beim visionären Blick in die Zukunft... ... und Audrey Hepburn in "Breakfast at Tiffanys": Sie alle trugen eine Wayfarer. Illustrationen: Xenia Artho

Es ist Frühling und die Sonnenstrahlen dringen wieder etwas steiler in unsere Hemisphäre ein. Endlich gibt es wieder einen plausiblen Grund, eine Sonnenbrille zu tragen. Doch das ist eigentlich völlig egal. Hauptsache, man kann sich wieder die getönten Scheiben Rock’n’Roll auf die Nasenflügel setzen und dabei stilsicher seine geschwollenen Hangover-Augen der letzten Nacht verstecken.

 

Die Enzyklopädie denkt dabei an eine ganz bestimme Brille. Sie hat schon längst ihren Platz in der “Hall of Fame” der Kultobjekte des Rock’n’Roll eingenommen. Zwischen der brennenden Gitarre von Jimi Hendrix, der Zigarettenspitze von Hunter S. Thomson und neben dem Tamburin von Joel Gion. Die Rede ist von der “Wayfarer” von Ray Ban, der lautesten Sonnenbrille unseres Sonnensystems.

 

Entworfen wurde sie 1952 von Robert Stegmann. Ursprünglich für Piloten konzipiert, wurde sie aber schon sehr bald zu “dem Modeartikel schlechthin”. Denn zu diesem Zeitpunkt stellte sie als einzige ihrer Art eine Innovation in Sachen Brillendesign dar. Das trapezförmige Gestell war nicht nur revolutionär, sondern auch aus Plastik gefertigt, was bisher nicht möglich war. Egal ob James Dean in “Rebel Without a Cause”, Audrey Hepburn in “Breakfast at Tiffanys”, John Lennon, Bob Dylan, Marylin Monroe und sogar John F. Kennedy – alle trugen sie eine Ray Ban Wayfarer, und prägten sich damit in unser kollektives Pop(kultur)-Bewusstsein ein.

 

Es passiert nicht oft, dass das Sinnbild von Rebellion, Rock’n’Roll und absoluter Coolness so kompromisslos reduziert werden kann, dass es hinter zwei Ohren und auf einer Nase Platz findet. Die Wayfarer hat es fertig gebracht.