Gesellschaft | 19.04.2010

Prag – Ein Pflaster für junge Seelen

Text von Alice Grosjean | Bilder von Alice Grosjean
In Prag gibt es sehr viele Pflaster, Pflastersteine, um genau zu sein. Praha, wie die tschechische Hauptstadt bei den Einheimischen heisst, stellt sich als perfektes Reiseziel für junge Leute heraus und sogar Barack Obama hat sich hier kürzlich blicken lassen.
Unzählige Kirchtürme machen Prag zur Märchenburg. Nicht nur Bill Clinton lässt sich hier zu einer musikalischen Darbietung hinreissen. Osterstimmung in den Bäumen. rdlo: Brot über Feuer gebacken und in Zucker gewälzt - eine Spezialität.
Bild: Alice Grosjean

Läuft man durch die wirklich wunderschöne Altstadt von Prag, so fühlt man sich in einem guten Moment zurückversetzt in irgendeine andere Zeit, als es Hunderte von Türmchen, schön verzierten Häusern und Kirchen gab. Ein genauerer Blick deckt aber sofort den Schwindel auf: In den Pferdekutschen sitzen dicke Amerikaner, die sich in bequemer Manier die Stadt zeigen lassen. Unter den Türmchen strömen Scharen von Touristen Richtung Karlsbrücke und die bunten Oldtimer dienen auch nur für touristische Stadtrundfahrten.

 

Wer sich dennoch nicht entzaubern lassen möchte, dem sei ein kleiner Spaziergang bei Nacht empfohlen. Wer zwischen 3 und 5 Uhr morgens auf ein Taxi verzichtet und sich in den schmerzenden High Heels den Prager Pflastersteinen stellt, wird dafür auf ganz andere Weise entschädigt. Die Strassen der Innenstadt sind menschenleer, die Häuser in ein schönes, nahezu goldenes Licht getaucht und die Spitzen der hundert Kirchtürme leuchten fast wie in Disneyfilmen.

 

Günstiges Essen, teure Kleider

Sich in dieser Stadt eine schöne Zeit zu machen, fällt nicht schwer. Die Preise für Essen und Trinken sind so tief, dass auch jüngere, meistens nicht so wohlhabende Leute, es sich durchaus leisten können, mehrere Abende in Restaurants zu logieren.

 

Selbst wenn man das gesparte Kleingeld anders einsetzten sollte und am Morgen danach, ohne jegliche Erinnerungen an den Abend davor, in einem Prager Krankenhausbett aufwachen würde, braucht man sich hier keine finanzielle Sorgen zu machen: Der Notfallaufenthalt kostet umgerechnet gerade einmal 5 Franken, ohne jegliche Verpflichtungen oder Angaben von Krankenversicherung oder Ähnlichem – diese Information stammt übrigens nicht aus eigener Erfahrung. Das jugendliche Portemonnaie wird also geschont, solange nicht zu viele Kleider eingekauft werden, denn diese haben in Tschechien den gleichen Preis, sind manchmal sogar teurer als in den Euroländern.

 

Durch die Nacht mit Bill Clinton

Mit dem Nachtleben tun sich die Prager unter der Woche eher schwer, dafür wird am Wochenende richtig aufgedreht. Im Karlovy LáznÄ› (übersetzt Karls Bäder) läuft immer etwas, der Club ist zwar etwas schmuddelig und anscheinend nur von Touristen besucht. Man ist also unter seinesgleichen und auf 6 Floors mit verschiedener Musik ist für die meisten etwas dabei. Bei Touristen auch sehr beliebt ist das „Duplex“, der Club wirbt mit Mick Jagger, der dort seinen 60. Geburtstag feierte. Die Location ist top, die Preise aber ziemlich hoch und was Mick Jagger erfreute, muss auch nicht jedem gefallen. Der Club ist Mainstream, ein Touristenmagnet, zieht überdurchschnittlich viele Italiener an und schreckt die Einheimischen offenbar ab. Dafür gibt es in Prag zahlreiche Jazzclubs, von verrucht bis glamourös, die sicher alle einen Besuch wert wären. In einem davon soll Bill Clinton einst ein Saxophon-Solo gegeben haben.

 

Schön trotz Polizei

Prag ist eine wunderschöne alte Stadt, die sich aber dem Rad der Zeit und den Touristen angepasst hat, um jung und lebendig zu bleiben. Sogar Barack Obama stattete der Stadt an der Moldau neulich einen Besuch ab, zwar um einen Atomwaffen-Abrüstungsvertrag zu unterzeichnen, aber noch nicht einmal die tausend Polizisten und Sicherheitsleute konnten der Stadt ihren wunderbaren, altertümlichen Charme nehmen.