Kultur | 19.04.2010

„Freundinnen zerstören viele Bands“

Text von Audrey Djouadi
Am M4-Music-Festival begeisterten Metronomy durch Indiemusik mit viel Elektro. Tink.ch verraten sie, weshalb sich durch die Musik ihre Geschmacksnerven verbessern.
Mögen es schummrig: Metronomy. Fotos: Audrey Djouadi Oscar Cash (links) und Joseph Mount.

Bei schummrigem Licht und einem Bier sprachen die Briten Metronomy übers Kochen und davon, wie Frauen die Musik zerstören.

Als ihr mit Metronomy angefangen habt, spielte Joseph Mount noch in mehreren anderen Bands. Von denen sagte er, dass die meisten von Freundinnen zerstört wurden. Wie kann das passieren?

Oscar Cash: Oh, das ist einfach ein historischer Fakt.

So wie bei John Lennon und Yoko Ono?

Oscar: Genau. Das ist ein Running Gag bei vielen Bands: Sobald ein Bandmitglied eine Freundin hat, fängt man an, sie Yoko zu nennen.

Joseph Mount: Das erste Mal, als ich in einer Band war, so mit 15, war alles so aufregend und spannend. Und das war für uns alle so. Und dann hat sich einer der älteren Bandmitglieder dazu entschieden, weit wegzuziehen. Ich meine wirklich weeeeeeeeit weg. Und das wegen seiner ersten Freundin. Da hab ich verstanden, dass das eine heikle Sache ist.

Wann habt ihr gemerkt, dass ihr Musiker werden wollt?

Joseph: Wahrscheinlich nachdem wir das erste Mal den Film „Help“ mit den Beatles gesehen haben (lacht). Und als ich angefangen habe, die Drums zu spielen, da hab ich einfach gedacht „Ja, ich will in eine Band“. Ich glaube, in diesem Alter denkst du nicht mal wirklich nach, warum du in einer Band sein willst. Und jeder den du kennst, hat eine Gitarre, also fängt man einfach mal an. Und am Ende der Schule bist du plötzlich in zwölf Bands (lacht).

Ihr habt ja massig Remixes gemacht. Glaubt ihr, dass eure Musik dadurch auch beeinflusst wird?

Joseph: Ja, ich glaube, dass wir uns so weiterentwickelt haben. Ich meine während des ganzen Prozesses ist man eigentlich am Experimentieren.

Oscar: Auch weil man ja mit anderen Leuten Songs macht.

Und ansonsten, was beeinflusst euch sonst noch? Habt ihr ein grosses Vorbild?

Joseph: Früher wollten wir wie Timbaland sein, aber heute nicht mehr (beide lachen). Also die Leute, die mich wirklich beeindrucken, sind eher die ältere Generation. So wie Prince und David Bowie. Die haben sich einfach so ein Imagekonzept ausgearbeitet und es wirklich erreicht, dass die Leute sie so sehen. Aber Timbaland war zugegebenermassen auch beeindruckend.

Oscar: Ja, als er noch intressante Musik gemacht hat.

Joseph: Wir fanden sogar Kanye West gut. Wir waren beeindruckt davon, wie er einfach alles durchgezogen hat. Und dann wurde er irgendwie verrückt.

Vor zwei jahren sind zwei neue Bandmitglieder dazugekommen, von denen eines vorher mit Lightspeed Champion spielte. Brachte das auch noch mal neue Einflüsse?

Joseph: Ja ich glaube schon. Annie spielte mit Lightspeed Champion. Aber auch Gbenga hat Einflüsse mitgebracht. Vorher waren wir viel elektronischer, aber jetzt sind wir viel mehr eine Band. Die, die Musik selbst gestaltet, aber wir benutzen trotzdem noch viele elektronische Klänge. Das ist wirklich toll.

Und was ist das tollste daran, in einer Band zu sein?

Joseph: Letztens haben wir uns darüber unterhalten, wie gut wir inzwischen kochen können. Weil, wenn du in einer Band bist, kommt es häufig vor, dass man zum Essen eingeladen wird. Und dadurch verbessert sich der Gaumen, weisst du? Und dadurch macht es dich zum besseren Koch…

Oscar: Aber nur, wenn man sich bemüht.

Joseph : Wenn du gerne kochst, wird das schon. Mir fällt jetzt nur etwas Negatives zum Dasein in einer Band ein: Manchmal muss man wirklich wirklich früh aufstehen. Heute mussten wir London um fünf Uhr morgens verlassen. Und gestern Nacht war erst noch Freitag.

Oscar: Aber das ist ein kleiner Preis, den man zahlen muss.

Wo spielt ihr lieber: Festivals oder Clubkonzerte?

Oscar: Ich würde sagen Festivals. Man hat die Chance, neue Leute zu erreichen. Man kann neue Fans finden. Aber es ist auch schön, wenn die Leute speziell nur für dich kommen. Diese haben aber eine genaue Vorstellung davon, wie die Performance aussehen muss.

Spielt ihr an Festivals in diesem Sommer?

Joseph: Ja einige sogar. Zum Beispiel in Polen und Russland.

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