Kultur | 13.04.2010

„Es sollte alles spezieller werden“

Text von Swana Schlegel
Über zehn Jahre Bandgeschichte, sechs Alben, die letzten drei davon in den Top Ten und einmal vergoldet. Das ist die Bilanz der Luzerner Band Dada Ante Portas. Frontmann Pee Wirz nahm sich vor dem Konzert im Balser Volkshaus Zeit für einen kurzen Blick zurück und in die Zukunft.
Pee Wirz im Gespräch mit Tink.ch. Fotos: Rahel Waltisperger "Neu und ein bisschen ein komischer Vogel",... ... so fühlten sich Dada Ante Portas manchmal auf ihrer China-Tournee. Pee sagt voraus: "Orange Schuhe und gestreifte Socken sind der nächste Trend."

Das Cover von eurem neuen Album „The Classics“ wirkt recht düster. War das gewollt und was wollt ihr damit ausdrücken?

Pee Wirz: Das höre ich jetzt zum ersten Mal, das ist noch interessant. Wenn ich mir das Cover so anschaue, stimme ich dir schon zu. Der dunkle Wald hat eigentlich keinen speziellen Hintergrund. Es ging uns mehr um diesen Raum. Viele wissen gar nicht, dass das gar keine Fotomontage ist, die Kulisse wurde wirklich so in einem Wald aufgebaut. Wir wollten damit zeigen, dass man „Dada“ aus dem üblichen Kontext herausnimmt und diesen Raum, der eigentlich gar nicht in einen Wald passt, in so eine Gegend setzt. Das widerspiegelt ein wenig den Sound auf diesem Album. Mit den klassischen und den Akustik-Elementen wollten wir einfach mal etwas ganz anderes machen. Sozusagen: „Dada“ weggerückt vom Normalen in ein anderes Kleid. Das ist das, was wir konkret damit ausdrücken wollen. Eigentlich merkt man es nicht, aber naja. (lacht)

Auf dem neuen Album habt ihr vier ganz neue und zehn alte Hits. Wieso wurde nicht gleich das gesamte Album mit neuen Songs gefüllt? Blockade…?

(lacht) Nein. Also eigentlich ist das ja nicht ganz korrekt. Klar, es sind alte Songs, jedoch ganz anders aufgenommen. Zum Teil haben die Songs gar keine Gitarre mehr und das Umschreiben hat eigentlich mehr Zeit beansprucht, als einen neuen Song zu erarbeiten. „Someone to love“ ist so ein Beispiel, das war eine Single vom zweiten Album. Es war eine sehr rockige Nummer mit Gitarre, welche nun nur mit Geige, Cello, Waldhorn und Piano aufgenommen wurde. Wir wollten kein normales „Best Of Album“ herausbringen, aber es sollte dennoch eine Zusammenfassung der letzten fünf Alben sein. Es sollte einfach spezieller werden.

Ihr habt ja auch schon Konzerte in China gespielt. Wo liegt für euch der Unterschied zu den Konzerten in der Schweiz was zum Beispiel das Publikum oder die Anzahl Zuschauer angeht?

Es war sehr unterschiedlich. Wir spielten in verschiedenen Clubs, zum Teil war es sehr ähnlich wie in der Schweiz. Während dem Konzert sind die Leute total aus dem Häuschen und nach dem Konzert wollen sie Unterschriften und Bilder, sie sind jedoch eher zurückhaltender. Das bedeutet, sie sagen Danke und dann tschüss. Es war eigentlich recht angenehm. Es gab viele verschiedene Clubs, manchmal sehr klein, fast schon ein Loch, dann aber auch wieder sehr schöne Sachen, gross mit Galerien. Wir hatten also von 1000 bis 20-30 Nasen alles dabei. Wir spielten dort jeden Tag und samstags, wenn wir in Shanghai spielten, war das Konzert automatisch ausverkauft. Dort gibt es halt viele Chinesen und an einem Samstag kommen automatisch mehr Leute. Hingegen, wenn du an einem Montag im Norden oben spielst, hat es natürlich weniger Leute. Diese Konzerte waren aber genau so spannend. Du kommst in den Club, fragst dich noch wieso die an einem Montag kommen, dann redest du eventuell nachher noch mit diesen Leuten. Also wir werden auf jeden Fall wieder dorthin gehen.

Viele Schweizer Bands sind in Asien und China sehr beliebt. Was denkst du, woran das liegt?

Wir spielten ja an vielen Orten, auch im Norden, in Shenyang, wo bisher noch nie eine westliche Band in den Club kam. Der Besitzer meinte, es sei total toll, dass wir extra aus der Schweiz kommen. Von unserer Seite aus war das natürlich genauso cool. Es ist aber sicher auch ein wenig der „Exotenbonus“, welcher eine grosse Rolle spielt. Die denken sich: „Geil, da kommt mal ein Schweizer“, und wir sind ja auch ganz anders, allein schon vom Aussehen. Das finden Asiaten generell schon mal interessant. Wir wurden teilweise komisch angeschaut, wenn wir mit den Instrumenten aus dem Zug stiegen. Wir haben richtig gemerkt: „Du bist neu und ein bisschen ein komischer Vogel“. (lacht)

Unplugged-Konzerte scheinen momentan bei Künstler sehr im Trend zu liegen. Wo genau besteht für euch der Unterschied und was ist das Reizvolle daran?

Bei uns war es so, dass wir fünf ähnliche Alben produziert haben, immer Standard mit einer elektrischen Gitarre. Da kam bei uns die Lust auf, mal irgendetwas anderes zu machen. Ich hörte schon immer gerne Platten mit akustischen Gitarren. Für uns war es jetzt nicht ganz neu, wir hatten auch schon Songs mit Streichern, das fand ich schon immer sehr schön. Darum war es für mich eigentlich klar, dass wenn wir mal etwas Spezielles machen, es in diese Richtung gehen sollte.

Stichwort Lehrer, ihr seid allesamt Lehrer, wie kommt’s? Zufall?

Also eigentlich ist es kein Zufall. Die zwei Gitarristen und ich sind alle zusammen aufgewachsen und wussten nie so recht, was wir später machen wollen. Der Berufsberater meinte dann zu mir, ich solle doch ins Semi, also ging ich ins Semi. Die anderen zwei fanden irgendwann, das sei noch cool und gingen auch ins Semi. Dann wurden wir halt Lehrer. Die restlichen zwei Bandmitglieder lernten wir dort kennen. So kam das dann irgendwie zusammen.

Du hast vor einiger Zeit die „Crocs“ entdeckt, bevor sie in die Schweiz gekommen sind.

Ich, ich war das, ja!

…genau, was ist der nächste Trend?

Orange Schuhe, gestreifte Socken natürlich. (siehe Bild) Ich denke ja, ich bin der totale Trendsetter (lacht). Nein, keine Ahnung, wenn ich das wüsste. Ich könnte mir vorstellen, dass die Achtziger wie jedes Jahr wieder kommen werden. Enge Hosen, schöne Röhrenjeans, das wird kommen. Nächsten Frühling.

Was denkst du, wo du in zehn Jahren stehen wirst?

Zehn Jahre… dann bin ich 30… (Gelächter) Nein, im Ernst, in zehn Jahren, das ist eine gute Frage, die ich mir in letzter Zeit wirklich öfter stelle als auch schon. Ich habe keine Ahnung, ich bin ein bisschen auf der Suche, das nimmt mich echt wunder. Ich hoffe natürlich, dass ich mich weiterhin mit Musik beschäftigen kann, was immer noch mein Traum ist. Ansonsten hoffe ich natürlich, dass ich fit bin und dass die Familie gesund ist, das ist für mich das Wichtigste.

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