Kultur | 27.04.2010

Das pralle Leben und der süsse Tod

Text von Ruzica Lazic
Stampfende Füsse und schmetternde Bleche - das letzte Tourkonzert von Goran Bregovic und seiner Wedding and Funeral Band wurde im Zürcher Volkshaus würdevoll zelebriert.
War die schwerliche Reise kaum anzumerken: Goran Bregovic . Fotos: http://druzi.se Ein hoch auf den Alkohol. Und Prost!

Sowieso, die fetzige Mischung Gypsy-Balkan-Brass-Folklore kennt das Publikum vor allem durch die Interpretation von Goran; ihm und seiner Band ist zu verdanken, dass die Lieder zeitgenössisch aufgeführt werden, Herzen berühren und teils auch an die Herkunft des Liedes erinnern . So ist “Ederlezi”;, eine wunderschöne Ballade, vor allem durch Goran B. bekannt. (Zurechnen muss man ihm auch die serbischsprachige Version “Djurdjevdan”, welche noch zu Zeiten seiner Rockband Bijeo Dugme komponiert wurde!)

Neues aus Bekanntem

Gypsymusik ist deshalb so innovativ, weil sie sich aus dem Fundus des Bekannten bedient und damit etwas Neues kreiert. Gerade dies begeistert die schon längst Angefressenen ebenso wie die werdenden Balkanesen. Aus all diesen Gründen tummelt sich das Publikum ins “Tollhaus” Volkshaus, um die Legendenbildung anzukurbeln. Den Auftakt macht die Band überraschenderweise nicht auf der Bühne, sondern mitten im Gewühl der Menge mit einem Bläser Instrumental. Nach und nach erklimmen die Bandmitglieder die Bühne. Das nächste Stück “Maki, Maki” ist etwas ruhiger, aber allen bekannt. Das Publikum quittiert jedes Stück mit Beifall und Pfiffen, singt ganze Strophen mit und zollt Tribut, wo es nur kann. Derweil pumpt die Band mit Bässen frisch aus dem Blech und die zwei in Troddeln und Spitzen gewandten Chanteusen zeigen ihr Talent. Neben Goran als Vokalisten trällert Goldkehle Alen Ademovic ein superbes “Yeremija”.

Ein Muss für jede Hochzeit

Auch Goran und seine Band sind nur Menschen und punktuell merkt man ihnen die lange Hinreise von Madrid an, welche sie in zwei Minibussen absolviert haben (Eyjafjallajökull sei Dank). Neu im Repertoire sind neben den Liedern des neuen Albums “Alkohol” auch die drei Lieder, welche Goran für die Vorauswahl des serbischen Beitrags für die Eurovision komponiert hat: Leider etwas seichter und weniger kompakt – toll für die Eurovision, aber doch zu schade fürs Volkshaus. Das Publikum liebt es trotzdem. Ein absolutes Highlight ist “Na zadnjem Sjedistu moga Auta”, und es wird uns nun mit fetziger Untermalung erklärt, was denn nun genau so Spannendes auf dem Rücksitz eines Autos passieren kann. “Kalashnikov” darf auch nicht fehlen – seit dem Soundtrack zum Film “Underground” ein Klassiker, der an keiner serbischen Hochzeit fehlen darf (und vielleicht auch der ein oder anderen Beerdigung).

Insgesamt ist die ganze Combo “the living and breathing proof”, dass man einen ganzen Saal ganz ohne Verstärker und Subwoofer zum Kochen bringen kann. Es geht um die kunstvolle Hypnose der Massen; um die Beschwörung des Schönen, Bittersüssen und Traurigen im Mensch. Das gelingt.

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