Gesellschaft | 27.04.2010

Begegnung beim Kampf um den Ball

So bunt wie am Samstag auf dem Berner Bundesplatz war Fussball wohl noch nie: Behinderte und nicht Nicht-Behinderte, Frauen und Männer, Erwachsene und Jugendliche, Migranten und Schweizer: Alle spielten auf ein und demselben Feld. Es war der Auftakt zum 50-Jahre Jubiläum von Insieme Schweiz, der Elternvereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung.
Ob mit oder ohne Behinderung: Auf dem Platz zählen Spass und Fairplay.
Bild: Janosch Szabo Gilbert Gress gab den Anpfiff. Mannschaften von Insieme-Vereinen spielten gegen Teams der Strassenfussballiga Bunt kickt gut. Lanciert wurde am gleichen Tag auch die neue Kampagne von Insieme. Hier auf Ballonen... ...und hier auf Plakaten an der Bande. Das bringt einander näher: Zweikämpfe auf dem Bundesplatz. Integration auf ganz unkomplizierte Art.

Den Anpfiff macht Gilbert Gress, Fussballexperte und Botschafter von Insieme. Dann rollt der Ball. Auf dem Feld: vier gegen vier. Darüber ein Netz und rundherum Banden, an denen sich Zuschauer drücken. Spektakel auf dem Bundesplatz. Es spielt der FC Insieme Zürich gegen ein Team von vier Jugendlichen der transkulturellen Strassenfussballliga Bunt kickt gut. Damit ist Infoklick.ch als Partner von Insieme im Jubiläumsjahr von Beginn weg ganz vorne mit dabei.

Manche der Spieler, die da rennen, haben eine geistige Behinderung, andere einen Migrationshintergrund. Nur spielt das im Grunde gar keine Rolle. Nicht hier. Nicht jetzt. Denn sowieso wollen alle das gleiche: Spass haben und Tore schiessen. Das verbindet. Und auch für jene, die aussen herumstehen, verwischen je länger je mehr die Grenzen, die sie sonst ziehen. Was heisst schon normal? Und wer ist normal?


Schraube locker? – macht nichts

Provozierende Fragen stellen auch die Protagonistinnen und Protagonisten auf den Plakaten von Insieme, die ab Anfang dieser Woche in 28 grossen Schweizer Städten zu sehen sind. „Sprung in der Schüssel?“ steht da zum Beispiel. Oder: „Schraube locker?“ Und als Antwort: „Für mich keine Behinderung.“ Realisiert wurde die Sensibilisierungs-Kampagne von der Zürcher Werbeagentur Sulzer, Sutter zusammen mit dem Porträtfotografen Jos Schmid und Mitgliedern des Theater Hora. Wirken soll sie, so Insieme, als Einladung, sich über vorgefasste Meinungen hinweg auch auf Menschen mit einer geistigen Behinderung einzulassen.

Doch zurück auf den Bundesplatz, wo noch immer hart aber fair um den Ball gekämpft wird. Jeweils nach zwei Toren wechseln die Teams. Der Verlierer geht, eine neue Mannschaft kommt. Am Spielfeldrand steht Rebecca Müller, Projektleiterin von bunt kickt gut, und sagt: „Das ist der Beginn. So bringen wir normale Kids den Behinderten näher. Sie spielen zusammen Fussball und merken dabei, dass sie so verschieden eigentlich gar nicht sind.“ Integration sei es aber erst, bemerkt sie kritisch, wenn langfristige Beziehungen gepflegt würden.

Grosses Fest im Stade de Suisse
Raum dafür soll das Jubiläumsjahr von Insieme geben, insbesondere ein grosses Fest am 11. September im Stade de Suisse in Bern. Die Vorbereitungen für diesen Event sind längst angerollt, wie die Projektleiterin Nina Studer sagt: „Der Weg ist das Ziel. Begegnung findet jetzt schon statt. Behinderte sitzen mit am runden Tisch und reden aktiv mit.“ So habe beispielsweise einer darauf hingewiesen, wegen epileptischen Anfällen auf keinen Fall Cyberlicht einzusetzen.

Am meisten freut sich Nina Studer aber auf die einzelnen Programmpunkte: Unter anderem eine Disco mit Sir Colin und einem Team von Insieme Aargau, ein Chorauftritt des Zürcher Vereins Rührwerk, der singend Wünsche, Bedürfnisse und Beschwerden von Menschen mit geistiger Behinderung ausdrücken will, ein Hiphop-Projekt des Rappers Greis in Zusammenarbeit mit Behinderten, und ein Fussballcup mit 32 Teams, bestehend aus Jugendlichen und Erwachsenen mit und ohne Behinderung. Die Anmeldung läuft auf www.insieme50.ch. Nochmals Nina Studer: „Mit Freizeitangeboten ist Integration am einfachsten. Da könnte man noch sehr viel erreichen.“

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