Indie- und Electrosounds der Extraklasse

Das klischeehafte Zürcher Cüpli-Publikum dürfte am Zürich Openair also ausbleiben. Denn das bisher bekannte Line-up rockt zu sehr: Mit Placebo und Mando Diao stellten die Veranstalter heute zwei Bands vor, die sich bereits früher auf Schweizer Festivals bewährt haben. Auch dabei sind mit Faithless, The XX, Maximo Park, Booka Shade, Adam Green, Get Well Soon, Johnossi, Shout Out Louds oder Saybia (vollständige Liste am Ende des Artikels).

“Zürcher sind eben keine Camper”

Am Dienstag Mittag stellte sich das Zürich Openair den Medienschaffenden vor: Direkt beim Flughafen Zürich findet es unter dem Motto “festival excess, city access” statt. “City access” betont die kurze Fahrt (27 Minuten) vom Hauptbahnhof Zürich zum Festivalgelände. Weshalb muss man eine solch selbstverständliche Serviceleistung derart herausstellen? Luigi Notarfrancesco von den Zürcher Verkehrsbetrieben: “Zürcher sind eben keine Camper. Die kommen an einem Abend und feiern dann irgendwo sonst in der Stadt weiter.” Den Auswärtigen, die am Zürich Openair übernachten werden, wird es wohl mehr als egal sein, wenn es nur wenig “züridütschi” Helga-Rufe gibt.

Zwei Festivalbühnen stehen für die Bands bereit, eine dritte Bühne ist das Herzstück einer 7’000 Quadratmeter grossen Outdoor Party-Area, in der internationale und nationale DJs und Live-Acts für Stimmung sorgen werden. Laut wird’s also am Openair mit ziemlicher Sicherheit, aber das störe die wenigen Anwohner nicht, sagt der Rümlanger Gemeindepräsident Heinz Lusti: “Die sind sich den Lärm von den Fliegern gewohnt.” Ob auch Heinz Lusti ans Openair geht? “Wahrscheinlich ist’s nicht so mein Musikgeschmack. Wenn Joe Cocker käme, wäre ich sicher dabei.”

Band-Spekulationen

Die Ticketpreise sind für Zürcher Verhältnisse schon fast günstig: 160 Franken kostet ein Dreitagespass, der Zugang zum Zeltplatz (Platz für 5’000 Zelte) kostet 30 Franken inklusive Müllpfand.

27 Bands sind bereits bekannt, 45 werden es am Ende sein. Die Festivalleitung wollte auf Anfrage keine weiteren Acts Preis geben. Auf die Frage, ob The Strokes oder Kasabian kommen könnten, grinst Remo Brunner, Medienverantwortlicher des Openairs, und meint: “In diese Richtung könnte es gehen.” Fest steht schon jetzt: Nebst der guten Verkehrsanbindung hat das neue Zürcher Openair noch viel mehr zu bieten!


Audiobeiträge:

Hier klicken für Interviews mit Remo Brunner (Kommunikation/Medienverantwortlicher Zurich Openair) und Pascal Hunkeler (Booking-Agentur).

Das hammermässige Line-up (27 von 45 Bands) im Überblick:

Placebo, Mando Diao, Underworld, Faithless, Deus, Maximo Park, The XX, Booka Shade, Saybia, Adam Green, Local Natives, Get Well Soon, Shout Out Louds, Vive La Fete, The Soundtrack Of Our Lives, Johnossi, Fanfarlo, 7 Dollar Taxi, Friska Viljor, Christopher Christopher, Kitty Daisy & Lewis, Stevans, My Name Is George, Sinner DC, Gemma Ray, Wallis Bird, Sleepy Sun

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Das pralle Leben und der süsse Tod

Sowieso, die fetzige Mischung Gypsy-Balkan-Brass-Folklore kennt das Publikum vor allem durch die Interpretation von Goran; ihm und seiner Band ist zu verdanken, dass die Lieder zeitgenössisch aufgeführt werden, Herzen berühren und teils auch an die Herkunft des Liedes erinnern . So ist “Ederlezi”;, eine wunderschöne Ballade, vor allem durch Goran B. bekannt. (Zurechnen muss man ihm auch die serbischsprachige Version “Djurdjevdan”, welche noch zu Zeiten seiner Rockband Bijeo Dugme komponiert wurde!)

Neues aus Bekanntem

Gypsymusik ist deshalb so innovativ, weil sie sich aus dem Fundus des Bekannten bedient und damit etwas Neues kreiert. Gerade dies begeistert die schon längst Angefressenen ebenso wie die werdenden Balkanesen. Aus all diesen Gründen tummelt sich das Publikum ins “Tollhaus” Volkshaus, um die Legendenbildung anzukurbeln. Den Auftakt macht die Band überraschenderweise nicht auf der Bühne, sondern mitten im Gewühl der Menge mit einem Bläser Instrumental. Nach und nach erklimmen die Bandmitglieder die Bühne. Das nächste Stück “Maki, Maki” ist etwas ruhiger, aber allen bekannt. Das Publikum quittiert jedes Stück mit Beifall und Pfiffen, singt ganze Strophen mit und zollt Tribut, wo es nur kann. Derweil pumpt die Band mit Bässen frisch aus dem Blech und die zwei in Troddeln und Spitzen gewandten Chanteusen zeigen ihr Talent. Neben Goran als Vokalisten trällert Goldkehle Alen Ademovic ein superbes “Yeremija”.

Ein Muss für jede Hochzeit

Auch Goran und seine Band sind nur Menschen und punktuell merkt man ihnen die lange Hinreise von Madrid an, welche sie in zwei Minibussen absolviert haben (Eyjafjallajökull sei Dank). Neu im Repertoire sind neben den Liedern des neuen Albums “Alkohol” auch die drei Lieder, welche Goran für die Vorauswahl des serbischen Beitrags für die Eurovision komponiert hat: Leider etwas seichter und weniger kompakt – toll für die Eurovision, aber doch zu schade fürs Volkshaus. Das Publikum liebt es trotzdem. Ein absolutes Highlight ist “Na zadnjem Sjedistu moga Auta”, und es wird uns nun mit fetziger Untermalung erklärt, was denn nun genau so Spannendes auf dem Rücksitz eines Autos passieren kann. “Kalashnikov” darf auch nicht fehlen – seit dem Soundtrack zum Film “Underground” ein Klassiker, der an keiner serbischen Hochzeit fehlen darf (und vielleicht auch der ein oder anderen Beerdigung).

Insgesamt ist die ganze Combo “the living and breathing proof”, dass man einen ganzen Saal ganz ohne Verstärker und Subwoofer zum Kochen bringen kann. Es geht um die kunstvolle Hypnose der Massen; um die Beschwörung des Schönen, Bittersüssen und Traurigen im Mensch. Das gelingt.

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Begegnung beim Kampf um den Ball

Den Anpfiff macht Gilbert Gress, Fussballexperte und Botschafter von Insieme. Dann rollt der Ball. Auf dem Feld: vier gegen vier. Darüber ein Netz und rundherum Banden, an denen sich Zuschauer drücken. Spektakel auf dem Bundesplatz. Es spielt der FC Insieme Zürich gegen ein Team von vier Jugendlichen der transkulturellen Strassenfussballliga Bunt kickt gut. Damit ist Infoklick.ch als Partner von Insieme im Jubiläumsjahr von Beginn weg ganz vorne mit dabei.

Manche der Spieler, die da rennen, haben eine geistige Behinderung, andere einen Migrationshintergrund. Nur spielt das im Grunde gar keine Rolle. Nicht hier. Nicht jetzt. Denn sowieso wollen alle das gleiche: Spass haben und Tore schiessen. Das verbindet. Und auch für jene, die aussen herumstehen, verwischen je länger je mehr die Grenzen, die sie sonst ziehen. Was heisst schon normal? Und wer ist normal?


Schraube locker? – macht nichts

Provozierende Fragen stellen auch die Protagonistinnen und Protagonisten auf den Plakaten von Insieme, die ab Anfang dieser Woche in 28 grossen Schweizer Städten zu sehen sind. “Sprung in der Schüssel?” steht da zum Beispiel. Oder: “Schraube locker?” Und als Antwort: “Für mich keine Behinderung.” Realisiert wurde die Sensibilisierungs-Kampagne von der Zürcher Werbeagentur Sulzer, Sutter zusammen mit dem Porträtfotografen Jos Schmid und Mitgliedern des Theater Hora. Wirken soll sie, so Insieme, als Einladung, sich über vorgefasste Meinungen hinweg auch auf Menschen mit einer geistigen Behinderung einzulassen.

Doch zurück auf den Bundesplatz, wo noch immer hart aber fair um den Ball gekämpft wird. Jeweils nach zwei Toren wechseln die Teams. Der Verlierer geht, eine neue Mannschaft kommt. Am Spielfeldrand steht Rebecca Müller, Projektleiterin von bunt kickt gut, und sagt: “Das ist der Beginn. So bringen wir normale Kids den Behinderten näher. Sie spielen zusammen Fussball und merken dabei, dass sie so verschieden eigentlich gar nicht sind.” Integration sei es aber erst, bemerkt sie kritisch, wenn langfristige Beziehungen gepflegt würden.

Grosses Fest im Stade de Suisse
Raum dafür soll das Jubiläumsjahr von Insieme geben, insbesondere ein grosses Fest am 11. September im Stade de Suisse in Bern. Die Vorbereitungen für diesen Event sind längst angerollt, wie die Projektleiterin Nina Studer sagt: “Der Weg ist das Ziel. Begegnung findet jetzt schon statt. Behinderte sitzen mit am runden Tisch und reden aktiv mit.” So habe beispielsweise einer darauf hingewiesen, wegen epileptischen Anfällen auf keinen Fall Cyberlicht einzusetzen.

Am meisten freut sich Nina Studer aber auf die einzelnen Programmpunkte: Unter anderem eine Disco mit Sir Colin und einem Team von Insieme Aargau, ein Chorauftritt des Zürcher Vereins Rührwerk, der singend Wünsche, Bedürfnisse und Beschwerden von Menschen mit geistiger Behinderung ausdrücken will, ein Hiphop-Projekt des Rappers Greis in Zusammenarbeit mit Behinderten, und ein Fussballcup mit 32 Teams, bestehend aus Jugendlichen und Erwachsenen mit und ohne Behinderung. Die Anmeldung läuft auf www.insieme50.ch. Nochmals Nina Studer: “Mit Freizeitangeboten ist Integration am einfachsten. Da könnte man noch sehr viel erreichen.”

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Vom Riesenvorsprung zum Kopf-an-Kopf-Rennen

“YB gewinnt beim FC Basel!”: Mancher YB-Fan würde sich eine solche Schlagzeile wünschen nach beendeter Meisterschaft. Und dann etwa: “Ein Tor von Christian Schneuwly entschied das Spiel in der Nachspielzeit (91.). Frei hatte den FC Basel bereits kurz nach dem Anpfiff in Führung gebracht (7.), Doumbia gelang der Ausgleich per Hechtkopfball (74.).”

Guter Start, harzige Rückrunde

“Das kommt mir bekannt vor”, wird sich jetzt mancher YB-Fan denken – die Zeilen sind auf der Internetseite des BSC YB nachzulesen. Es handelt sich um eine Kurzversion des Berichtes über das Basel-Spiel vom vergangenen Herbst. Die Berner gewannen damals auswärts im “Joggeli” zwar knapp, aber verdient. Es war jene Phase der Meisterschaft, in der YB eine Liga höher spielte als die restlichen Schweizer Vereine. Die Young Boys starteten ausgezeichnet in die Meisterschaft und als YB in der Tabelle dreizehn Punkte Vorsprung erspielte, glaubten nicht mehr nur die YB-Fans an den Meistertitel.

Erstaunlicherweise fiel YB der Start in die Rückrunde jedoch schwer. Die Basler demütigten die Young Boys zu Hause im St. Jakobspark gleich mit vier zu null. Und in der Rückrunde kamen jene verhängnisvollen Partien gegen Xamax Neuchâtel und den Grasshoppers Club Zürich, welche beide verloren gingen.

Der Vorsprung vor dem Spiel in Sion betrug noch drei Punkte, was bedeutete, dass Basel wieder aus eigener Kraft Meister werden konnte. Die erhoffte Reaktion blieb jedoch aus. Zwar starteten die Berner ausgezeichnet in die Partie und besassen in den ersten Minuten einige hochkarätige Chancen. Sion war jedoch effizienter und schoss die Tore. Das Verdikt von vier zu eins mag etwas hart erscheinen, aber wie eine alte Fussballerregel besagt: Wer die Tore vorne nicht macht, kassiert sie hinten. Hätten die Berner ihre Tore zu Beginn erzielt, wäre das Spiel vielleicht anders ausgegangen. Hätte. Wäre. Den Konjunktiv bemühen Verlierer.

Zum Sieg braucht es Tore

Klar ist: Der Plan von YB-Trainer Vladimir Petkovic, die Meisterschaft früh zu entscheiden, ist in weite Ferne gerückt und Thorsten Fink, der Trainer des FC Basel sieht nun alle psychologischen Vorteile auf der Seite der Basler. Petkovic hingegen breitet seine schützende Hand aus und redet die Leistung seiner Mannschaft vor den Fernsehkameras schön: “Wir haben gut gespielt, aber Sion hat die Tore gemacht.”

Nur: Ohne Tore gewinnt man keine Meisterschaft. Nach den Spielen hört man vor dem Stadion Aussagen, wie: “Wenn wir es dieses Jahr nicht schaffen, dann nie mehr.” Diese Anspielung auf die prominenten Abgänge von Gilles Yapi (zu Basel) und Seydou Doumbia (zu Moskau) sind durchaus Ernst zu nehmen. Die Young Boys haben momentan eine teure Mannschaft mit einigen hochkarätigen Einzelspielern, die im Sommer zu anderen Vereinen wechseln werden. Auch sie konnten ihr Potential zuletzt nicht ausschöpfen. Yapi wurde von Petkovic auf die Ersatzbank verbannt – angeblich aufgrund mangelnder Fitness, Doumbia vermochte ebenfalls nicht zu überzeugen.

Die Behauptung, die Young Boys würden nicht eher Meister, als dass der FC Aarau absteige, droht Wirklichkeit zu werden, die Analogie ist frappant. Die “Unabsteigbaren vom Brügglifeld”, wie sich die Aarauer gerne nennen, spielen seit 1981 ununterbrochen in der Nationalliga A, rangierten praktisch die ganze Saison über klar auf dem Abstiegsplatz, liegen jedoch fünf Runden vor Schluss nur noch einen Punkt hinter der AC Bellinzona. Den Bernern fehlt der letzte Siegeswille, der Wille, auch die weniger schönen, “dreckigen” Tore zu markieren. Im Berner Fussballlokal “Mr. Pickwick” fachsimpeln die Fans, dass der BSC YB das schwierigere Restprogramm zu absolvieren habe als der FC Basel.

Endlich ein Meistertitel nach 24 Jahren?

Und trotzdem: Seit 24 Jahren wartet Fussball-Bern auf einen Meistertitel. In dieser Zeit hat der BSC YB alle Höhen und Tiefen des Sports durchlebt. Die Berner stiegen ab, die Zuschauerzahlen sanken um die Jahrtausendwende auf einige Hundert pro Spiel, der Verein war nahe am Konkurs.

Diese Zeiten sind vorbei, die Berner mischen seit einigen Jahren wieder ganz vorne mit im Schweizer Fussballzirkus. YB ist wieder Publikumsmagnet und reif für den Meistertitel. Sie verfügen mit dem pfeilschnellen und dribbelstarken Ivorer Seydou Doumbia über einen Ausnahmefussballer, wie ihn die Schweiz nur selten zu Gesicht bekommt. Im Mittelfeld verteilt Gilles Yapi die Bälle immer noch in Gelbschwarz und im Tor steht ein Marco Wölfli in der Form seines Lebens. Ausserdem haben die Berner Anfang Saison gezeigt, dass sie in der Schweiz keinen Gegner fürchten müssen. Das YB-Motto kann also nur lauten: Jetzt erst recht!

Von der Kanti auf den jüdischen Friedhof

Jubiläum
Jüdischer Friedhof irgendwo am Rhein. Tote Juden erzählen von ihrem Leben und wie es zu ihrem Tod gekommen ist. Beispielsweise Lotte, die Frau eines Musikers: während sie in der Telefonkabine ein Gespräch führt, verklemmt sich die Türe, es dringt Wasser hinein und sie stirbt an einem bizarren Ertrinkungstod.  Unter den toten Juden, gibt es auch noch Otto, einen homosexuellen Coiffeur, die körperbehinderte Nichte und den Vater des Musikers. Die einzigen untoten Geschöpfe des Stückes sind ein Nazi und ein Totengräber, die ab und zu den Gottesacker aufsuchen.
George Tabori, selber ein Jude, schrieb das Stück zum 50-jährigen Jubiläum der Machtergreifung Hitlers. Es erschien 1983 und soll gegen das Vergessen der getöteten Juden wirken.

Die Spielbaren

Die Theatergruppe die Spielbaren besteht aus acht Kantonsschülerinnen und -schüler, alle jünger als 21 Jahre. Sie besuchten gemeinsam das Freifach Theater an der Schule, als dieser Kurs nach einem Jahr beendet wurde, gründeten sie schnurstracks ihre eigene Theaterkompanie. Seit einem halben Jahr proben sie regelmässig, so gut es neben der Schule geht, an ihrer Inszenierung. Fürs “Jubiläum” haben sie sich vor allem deshalb entschieden, weil das Drehbuch genügend Rollen vorsieht und es in einer witzigen, skurrilen Sprache gehalten ist.

Während der Probezeit mussten sie feststellen, dass sie ein heikles Stück gewählt hatten. “Oft stellten wir uns die Frage, wo die Grenze zum Geschmacklosen liege?”, so Sebastian Ryser, ein Mitglied der Kompanie. “Manche Szenen waren in unserer Ansicht zu heikel und krass, so kürzten wir ein paar Stellen.” Aufgrund zahlreicher gespielter Rückblenden im Stück, ist es eine wahre Herausforderung den Zuschauer nicht zu verwirren, sondern in im Labyrinth der Erinnerungen der Protagonisten zu leiten.

Auf eigene Faust
Die Schauspielerinnen und Schauspieler erarbeiteten die Interpretation und die Inszenierung des Stückes ohne jegliche Hilfe von aussen – eine anspruchsvolle Aufgabe. Jeder einzelne trägt eine Verantwortung, nun gibt es keinen Lehrer oder Regisseur mehr, der genau sagt, was zu tun sei. Vor allem dank einer intensiven  Probewoche während den Frühlingsferien kamen sie mit der Entwicklung des Stückes in grossen Schritten voran, bis zur Premiere wird jetzt noch an den letzen Details geschliffen. Als Aufführungsstätte dient das Figurentheater in St.Gallen. Soviel sei verraten: Für das Bühnenbild, den jüdischen Friedhof, haben sie sich auch so einiges Anspruchsvolles einfallen lassen, natürlich auf eigene Faust.

Aufführungen:
1., 3., 5. Mai
Figurentheater St.Gallen
Eintritt frei (Kollekte)

Kompanie die Spielbaren:
Sophia Bischofberger
Dominique Enz
Corina Haag
Florentin Heuberger
Maurus Leuthold
Franziska Ryser
Sebastian Ryser
Lisa Walder

Rückkehr der Toten

Luzern nennt sich nicht um sonst “Luzern-Rock City”, denn neben der Kapellbrücke und dem Löwendenkmal hat die schöne Stadt am Vierwaldstättersee noch mehr zu bieten. Musik zum Beispiel. Die entsteht nicht nur im Luzerner KKL, sondern vor allem in den verschiedenen Konzert- und Kulturhäusern zwischen Biergläsern und Gitarren. Schon lange wird in Luzern kräftig gerockt und Musik gemacht. Neben den jetzigen aufstrebenden Bands aus Luzern, gibt es noch viele andere, alte Bands, die aber nicht mehr so oft im Radio gespielt werden. Sie sind die Urgesteine des Luzerner Rocks und überdauern die vielen Indiebands, die wie Pilze aus dem feuchten Waldboden spriessen. Viele dieser alten Rockbands gibt es aber so nicht mehr, sie haben sich aufgelöst. Und genau diesen Bands widmete das Luzerner Konzerthaus Schüür, einen ganzen Abend unter dem schönen Namen Return Of The Dead.

Stars auf und neben der Bühne
Neun alte Rockbands aus Luzern, die sich aufgelöst haben und eigentlich keine Musik mehr machen, haben sich nochmals zusammen getan und in 15 Minuten Bühnenpräsenz ihre grössten und tollsten Hits gespielt. Basic Motor Skills, Highfish, Cessna, C7inch, Limousine, Neutones, Supernatural, Red Rain Coat und Valium Speed rockten im ausverkauften Haus und beschertem dem Publikum wunderschöne nostalgische Momente und unvergessliche Auftritte, die es in dieser Form wohl nie wieder geben wird. Die Konzerte waren ein kultureller und musikalischer Leckerbissen. Auch neben der Bühne waren viele Stars zu sehen, der Sänger der Luzerner Rockband Lahar trank gemütlich sein Bier, während der Gitarrist und der Schlagzeuger von Dada Ante Portas zur Musik ihre Hüften bewegten. Kein Wunder kamen dann auch so viele Leute. Das Programm und die Auftritte der Luzerner Rockbands waren grossartig.

Limousine oder Cessna?
Basic Motor Skills eröffnete den Abend mit einer gehörigen Portion Ska und das Publikum tanzte bereits ab dem ersten Song wild mit.
Die fünfköpfige Band Limousine lieferte einen klasse Auftritt mit der extra aus Hamburg angereisten Gitarristin.
Cessna war sozusagen die Schülerband von Dada Ante Portas. Die Mitglieder der grossen Luzerner Band machten ihre ersten musikalischen Versuche mit Cessna, bevor sie die Band verliessen und dann als Dada Ante Portas durchstarteten.
Neutones hatten den verrücktesten Auftritt von allen. Mit schwarzen Hemden, schwarzen Zylindern und weisser Schminke im Gesicht, räucherten sie zuerst das ganze Publikum ein, bevor sie auf der Bühne loslegten.
Highfish war die letzte Band an diesem Abend. Für ihren grossen Hit “Rip Tide” kam sogar der ehemalige Schlagzeuger auf die Bühne und spielte nach über 10 Jahren wieder mit seiner Band zusammen.

Es war ein wirklich gelungener Abend, und ich hoffe auf viele weitere Bands, die sich auflösen werden, um bald wieder einen so tollen Abend mit vielen alten Luzerner Rockbands zu erleben.

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Wenn Kick-Ass mit Big Daddy und Hit Girl Superhero spielt

Gleich vorab: Die Mädels sind entweder “sosolala” und nur zwischendurch im Bild oder minderjährig und oft im Bild. Für den optisch fleischlichen Genuss also nur bedingt tauglich. Die Kostüme sind gewollt trashig  und für die nächste Fasnacht prima nachmachbar. Die Effekte sind, naja, es hat Effekte. Für SFX-Verwöhnte: Keine fliegenden Berge und auch keine blauen Aliens , sorry.

Nachdem diese Dinge geklärt wären, dürfen sich die Filmemacher auch noch etwas Lob abholen. Die Musik ist einfach nur cool. Hier ein wenig “The Prodigy”, da einige Takte “The Dickies” und abgerundet wird das Ganze mit einer Prise Elvis Presley. Dann die Story. Sehr trivial, nur wenig überraschend und doch packend. Regelmässig kommen neue Akteure zur Mainstory hinzu, welche diese mit den Vorahnungen des Zuschauers erfüllen und bereichern.

Noch ein Loser-Held

Doch worum geht es in diesem Film eigentlich? Wieso nennt jemand sein cineastisches Werk “Kick-Ass”? Und kommt das “Comicgschmeuss” auch dieses Mal wieder von Marvel? Von hinten nach vorne beantwortet: Nein, von Marv (die haben auch “Snatch” und “Bube, Dame, König, grAs” produziert). Weil der Comic von Mark Millar and John Romita Jr. auch schon so hiess. Und es geht um einen Loser, der zum Superhelden wird – wie in allen Comics eigentlich.

Doch Dave Lizewski (Aaron Johnson), der besagte Verlierer, ist anders, als all seine Pendants. Diese hatten irgendwelche Superkräfte und konnten zum Beispiel weisses Zeug aus den Handgelenken schiessen oder sie hatten jede Menge Kohle. Dave hatte zwar einen kleinen Unfall und kann wegen den dadurch zerstörten Nervenverbindungen etwas mehr Schläge einstecken, als andere, aber das war’s dann auch. In seinem grünen Pyjama-ähnlichen Kostüm geht er allein auf die Verbrecherjagd (oder manchmal auch auf die Suche nach einer vermissten Katze) und lernt bald andere selbst ernannte Retter der Stadt (zum Beispiel Nicolas Cage alias Big Daddy) kennen. Mit diesen kommen dann auch die Rachegedanken und die bösen und mächtige Gegenspieler ins Spiel.

Das Publikum fiebert mit

Klingt langweilig oder schon da gewesen? Kann sein. Kick-Ass muss man wohl einfach selbst sehen. Um doch schon vorab ein wenig in Kinostimmung zu kommen, hier ein paar akustische Impressionen der Kinobesucher: “Ahhhh. Ewwww. Ahneiii! Hahaaa. Wähhh. Üüüühhhh! Hoppla. Aaaaass!!”.


Kick-Ass läuft ab sofort in den Schweizer-Kinos.

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Rrrrrratsch!

Die Tür fällt ins Schloss. Stille.
Zzzzrrr, zzzzrrr.
Steffi: Ihr Handy surrt.
Frau Ly: Danke. Ich hab es gehört.
Steffi: Ihre Eltern?
Frau Ly: Nein, mein Freund macht sich Sorgen. Dabei weiss er eigentlich, dass die Operation erst am Nachmittag ist.
Steffi: Immerhin. Der, den ich so liebe, hat sich noch gar nicht gemeldet.
Frau Ly: Ist es denn so ernst bei Ihnen?
Steffi: Ich weiss es nicht so genau. Bin notfallmässig hier und werde am Abend operiert.
Frau Ly: Aber Sie hatten bestimmt ein Aufklärungsgespräch?
Steffi: Ja doch. Es sind so viele Informationen. Im schlimmsten Fall werden sie mir die Eierstöcke samt Gebärmutter herausnehmen.
Frau Ly: Wie alt sind Sie?
Steffi: Achtzehn. Sie?
Frau Ly: Siebzehn. Möchtest du einmal Kinder?
Steffi: Ich weiss es nicht. Vielleicht. Später einmal. Ich möchte auf jeden Fall noch die Chance haben.
Kim: Ich werde nach der OP meine Kinder vielleicht nicht stillen können.
Steffi: Glaubst du, es könnte sein, dass du nach der Narkose nicht mehr aufwachst?
Kim: Nein. Ich bin überzeugt, dass alles gut gehen wird. Das Risiko ist winzig.
Steffi: Ich konnte meinen Freunden nicht einmal sagen, dass ich hier bin.
Kim: Sie werden in Gedanken bei dir sein und dich besuchen. Wenn du fest an eure Freundschaft denkst, kannst du ganz viel Kraft daraus schöpfen.
Steffi: Wie machst du das jeweils?
Kim: Ich telefoniere sehr viel.
Steffi: Mit wem denn?
Kim: Vor allem mit meinem Freund. Aber natürlich auch mit meinen Mitschülern und ganz wichtig, meine Freundinnen.
Steffi: Wann darfst du wieder nach Hause?
Kim: Ich bleibe nicht so lange. Noch heute gehe ich nach Hause, wenn alles gut geht. Ich konnte mich auch schon etwas länger auf den Eingriff vorbereiten.
Die Tür geht auf. Steffi sieht nicht, wer herein kommt.
“Frau Ly, wir sind nun bereit. Wir bringen Sie in d…”
rrrratsch. Der Vorhang wird aufgerissen und Steffi sieht noch eine Pflegefachfrau den Eingang zumachen. Kurz darauf wird die Tür wieder vorsichtig aufgeschoben. Zwei Männer treten ein. Zwei bekannte Gesichter. Steffi’s Herz schlägt schneller. “Hallo. Wir haben gehört, was passiert ist und wollten dir etwas Kleines vorbei bringen. Der Spitalfood soll ja umstritten sein.” Steffi kommen die Tränen.
Steffi: Sie hat es gewusst. Nur er hat sich immer noch nicht gemeldet.
Das Telefon klingelt. “Hier Tobias, der Sekretär von der zuversichtlichen Steffi im Spital, wer ist am Apparat?” Steffi muss lachen. Stille. “Es ist deine Schwester, sie wünscht dir alles Gute und denkt an dich!”
“Frau Baumann, wir sind nun bereit. Wir bringen Sie in d…”

Kollabieren neben dem Laufsteg

Im Zürcher Walcheturm gab’s neben Mode auch noch das Reader Magazine, das vorgestellt wurde. Worum es sich bei besagter Zeitschrift handelt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Nie bewegen sich Modemenschen so schnell, wie wenn es eine Neuheit zu bestaunen gibt.

Bier statt Cüpli

Auf dem Weg zu den Plätzen schlängelt man sich elegant an den Gratiscüpli vorbei (bitte, die Frau von heute trinkt Bier und nicht ein “feines Cüpli”. Bier, mit etwas Kampfgeist gewürzt, jawohl) und arbeitet sich mit einem Auftritt, der Chuck Norris die Tränen in die Augen treiben würde, zu den Sitzplätzen vor.

Mit einer vornehmen Verspätung von rund 30 Minuten läuft dann auch das erste Model über den Laufsteg. Und ab da gab’s kein Halten mehr. “Ok, das isch jetzt echt min Lieblingslook….nei de! Oh gott nei de!!” So ging’s dann, bis das vorher eingeflösste Bier entschied, seine Reise zurück in Richtung Freiheit anzutreten. Noch ein Hoch auf das Timing. Also gut, aufstehen (was in Stiefel, die im Notfall auch zum Morgenstern umfunktioniert werden können, gar nicht so einfach ist) und sich auf den Weg zu den Toiletten begeben. Und das durch eine schwitzende Menge von Fashionistas.

Genuss auch im Stehen

Nachdem also auch diese Mission erfolgreich abgeschlossen wurde und man gerade wieder beim Sitzplatz angekommen ist, folgendes: Ein Mädchen sitzt stinkfrech auf meinem Platz. Gut, mental schon darauf vorbereitet zum Morgenstern zu greifen, visiere ich sie an. Doch zum Kampf kam es dann doch nicht, da das Mädchen scheinbar in meiner kurzen Absenz kollabierte und dringend kurz Erholung brauchte. Da hat man selbstverständlich Verständnis und geniesst den Rest der Schau im Stehen.

Die Kreationen von Saga Lova, Kimandra, Ostblock, Fashionslave, Julia Winkler, Yvy, Claudia Zuber, Starstyling und Hairpieces by Mia Bregar raubten mir erfolgreich den Atem. Von wunderschönen 70er Jahren Outfits von Kimandra, bis zu der puristischen Mode von Fashionslave; selbstverständlich, dass da hin und wieder jemand die Contenance verliert. Als ob das nicht genug wäre, waren auch die Haare perfekt gestylt. Von allen Models. Verspielte Zöpfe und ruppige Kurzhaarschnitte, es gibt nichts, was das Team von Hairstylisten (inkl. Der Ritter in der weissen Rüstung) nicht in einen unangestrengten Look verwandeln können.

Nach der Schau wurde den Modewütigen dann auch noch die Möglichkeit geboten, das Tanzbein zu schwingen. Das dann aber ohne meine liebe Freundin, die sich erbarmt und mich begleitet hat.