Kultur | 01.03.2010

„Wir sind französisch und stolz darauf“

Text von Martin Sigrist
Verrückte Franzosen mit verrücktem Namen: Pony Pony Run Run klären auf über musikalische Vorurteile und erläutern den Unterschied zwischen Arroganz und Schüchternheit.
Haben es gerne unkonventionell: Pony Pony Run Run. Fotos: Martin Sigrist. Unser Reporter Martin Sigrist konnte sich unauffällig unter die Prominenz schmuggeln.

Tink.ch traf die Ponies vor ihrem Konzert in der Alten Börse in Zürich und sprach mit ihnen über die Techno-Ecke, fehlende Schlagzeuger und entspannte Schweizer.

Habt ihr es gut über die Grenze geschafft?

Gaëtan: Ich bin ein wenig müde und krank, denn ich bin heute früh aufgewacht.

Antonin: Wir waren zehn Stunden im Bus unterwegs, das war etwas langweilig. Aber es ist schön, zurück in der Schweiz zu sein.

Gaëtan: Ja, wir haben hier schon fünf oder sechs Mal gespielt.

Warum mögen wir euch denn so?

Gaëtan: Das wissen wir auch nicht. Aber wir mögen die Schweiz sehr. Das ist der Grund, weshalb wir hier immer gerne spielen.

Ihr habt euch in einer Kunstschule kennengelernt.

Antonin: Gegen Ende der Ausbildung habe ich die Brüder Gaëtan und Amaël dort kennen gelernt. Unser Abschluss liegt nun schon etwas weiter zurück. In England entstehen eher Bands an den Kunstschulen als in Frankreich. Doch an unserer Schule in Nantes sind einige Bands entstanden. Nur sind die wenigsten bekannt geworden. Viele der Künstler machen Musik, das ist wohl einfacher, als Kunst im herkömmlichen Sinne zu betreiben.

Eure Konzerte sind hierzulande meist kostenlos, wie zum Beispiel am Jazz Festival Montreux oder auch hier in Zürich.

Gaëtan: Ja, gratis ist gut. Wir sind aber nicht gratis hier.

Antonin: Es sind auch gute Erinnerungen, die wir an die Schweiz haben. Unser erstes Konzert war am Rock Oz’Arènes in Avenches, das war eine gute Show und eine tolle, lange Nacht.

Gaëtan: Jeder Gig endet mal, aber hier ist danach immer Party.

Antonin: Ja, und es ist ruhig, mit den Seen. Man kann schwimmen und vieles ist gemütlich. Die Nächte rocken und sind meistens recht lange.

Amaël: Die Festivals sind immer gross und toll, die Leute immer nett und umgänglich, ganz entspannt, dabei sind sie trotzdem professionell.

Gaëtan: Ja, die machen alles richtig, in Frankreich sind immer alle so gestresst.

Auch in der Schweiz herrschen gewisse Vorurteile gegenüber den Franzosen.

Antonin: Welche? Ja, wir trinken zu viel nach den Konzerten, das wissen wir schon. Gibt es sonst noch welche?

Manche empfinden Franzosen als arrogant.

Gaëtan: Das ist interessant, wie ihr uns Franzosen wahrnehmt. Wir sind eigentlich scheu, aber das kann natürlich als arrogant rüber kommen. Wir haben Angst, in einer Fremdsprache zu sprechen. Diese Unsicherheit mag uns arrogant erscheinen.

Seid ihr eine typische französische Elektro-Band?

Gaëtan: Wir kommen aus einer grossen Familie von französischen Elektro-Bands. Wir sind aber auch eine Independent-Band in Frankreich. Und ja, wir kommen aus Frankreich, sind also französisch, und stolz darauf.

Antonin: Wir machen aber nicht Elektro-Musik. Als wir unser Album und unsere erste Single „Hey You“ veröffentlichten, wurden wir mit diesem Elektro-Zeugs in Verbindung gebracht. In Wahrheit sind wir eine Pop-Band, wir machen nicht Elektro oder Techno.

Man liest überall, ihr seid eine Elektro-Band.

Gaëtan: Es gibt schon jene Elemente bei Pop und auch Rock. Es geht uns aber einfach darum, Songs zu machen und diese zu spielen. Ein Beat gehört da natürlich immer dazu, damit wirkt es manchmal zu elektronisch. Aber in erster Linie machen wir unsere Musik immer noch selbst.

Antonin: Wenn in Frankreich über uns gesprochen wird, dann werden wir mit French-Touch oder New French-Touch in Verbindung gebracht. Dann folgte noch French-Touch V.2, deshalb denken wohl viele, wir machen Elektro, mit Bumm Bumm, also sogar Techno.

Gaëtan: Das gleiche gilt für Phoenix. Die wurden mit Daft Punk und Cassius in Verbindung gebracht, alles Bands Ende der 90er. Aber eigentlich ist Phoenix eine Rock ’n‘ Roll Band, oder vielleicht Pop-Rock, aber nicht French-Touch. Das gilt auch für uns.

Ihr habt keinen Drummer, das lässt Elektro erwarten.

Antonin: Bis vor sechs Monaten hatten wir noch einen. Seitdem arbeiten wir zu dritt und es funktionierte gut. Wir haben zwar für die Tour einen Drummer, der vielleicht auch länger bei uns bleibt.

Eure Musik wurde schon als völlig betrunkener Pop und ähnliches beschrieben.

Antonin: In einer älteren Biographie wurden wir so beschrieben, vielleicht waren wir tatsächlich mal verrückt.

Gaëtan: Ja, das passiert schon mal. In Montreux war das Publikum gegen Ende des Konzertes bei uns auf der Bühne. Etwas verrückt geht es bei uns schon zu und her.

Antonin: Wir machen aber einfach Pop-Musik, nicht verrückten Crazy-Pop. Vielleicht waren wir vor ein paar Jahren eher verrückt. Aber jetzt mit dem Album wollen wir wirklich, dass die Songs funktionieren und wir wollen weiterhin an ihnen arbeiten. Drei Jahre lang haben wir alles mögliche ausprobiert: Einmal war es Techno, mal Rock und dann wieder Pop. Die Songs hatten zwar eine Struktur, aber nicht wirklich eine klare Linie. Das war eine verrückte Zeit. Aber wir haben uns nun für Pop entschieden, das macht alles etwas einfacher.


Ihr habt fürs Internet ein kleines Konzert in einem Auto gespielt.

Gaëtan: Ja, das war lustig, wir haben ein „Stardust – Music Sounds better with you“-Cover gespielt. Der Song ist als Nebenprojekt von Daft Punk entstanden. Daft Punk ist immer gut, denn alle mögen sie. Für die Generation der Elektro-Musik sind sie Götter. Und wenn du sie nicht magst, dürftest du das nie sagen.

Euer Album heisst „You need Pony Pony Run Run“, warum brauchen wir euch denn?

Gaëtan: Der erste Titel war „Maybe you need Pony Pony Run“, nur war das fürs Cover zu lange. Darum haben wir das „maybe“ (auf dt. „möglicherweise“) gestrichen.

Antonin: Schon der Bandname ist eigentlich zu lange, aber er macht Spass.


Gibt es dahinter eine gute Geschichte?

Gaëtan: Na, das werden wir oft gefragt, Der Name ist eigentlich schlecht gewählt, denn er ist viel zu lange und kompliziert. Dass wir auch noch in Englisch singen, macht es uns in Frankreich nicht einfacher. Zwei Gründe, nicht bekannt zu werden, doch es hat irgendwie geklappt. Den Namen habe ich mal im Bad erfunden, das ist alles, was ich noch weiss. Und die Wiederholung der beiden Worte im Titel klingt, wie wenn Musik auf Wiederholung geschaltet wird.

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