Kultur | 22.03.2010

„Wir müssen viel schlucken.“

Text von Audrey Djouadi | Bilder von PD
Shoppingtouren auf der Bahnhofstrasse, eifersüchtige Journalisten und wieso sie sich lieber vor Bush statt Obama einen Joint anzünden würden - das erläuterten Benjamin Grubin und Jeremy Reynolds von der Band "Hockey" im Gespräch mit Tink.ch.
Über sie äusserte sich der NME nicht immer positiv: Hockey.
Bild: PD

Hi, wie war die Reise?

Benjamin: Sie war gut, wir sind letzte Nacht angekommen, glaube ich. Nein, nein, das war gestern Morgen. Wir hatten einen Tag frei.

Was habt ihr gemacht?

Benjamin: Wir sind rumgelaufen. Diese Strasse, die zum See runterführt, wie heisst die noch mal?

Die Bahnhofstrasse?

Jeremy: Ja, genau!

Wart ihr einkaufen?

Benjamin: Wir haben ein paar Dinge angeschaut. Aber ich denke, ich könnte mir hier nichts leisten…

Jeremy: Keine Juwelen, keine Anzüge.

Zum Ernst der Sache: Bevor ihr euer erstes Album veröffentlicht habt, gab es eine EP, die „Smoking Weed In the President’s Face“.

Beide: Wow! Du weisst davon? (brechen in heller Freude aus)

Ich hab meine Hausaufgaben gemacht. Was hat es damit auf sich? Warum habt ihr sie so genannt?

Benjamin: Wir haben uns einfach gedacht, das sei irre witzig. Ich glaube Jeremy kam eines Tages in unser Zimmer und sagte das.

Jeremy: Yep, das war ich.

Benjamin: Ich rauch nicht mal soooo viel Gras. Wobei – damals schon, oder?

Jeremy: Würde schon sagen, ja.

Benjamin: Weisst du, wir haben uns das so als Rap vorgestellt! Aber mehr als Witz. Wir mögen einfach das Bild davon, dem Präsidenten tatsächlich Rauch ins Gesicht zu blasen.

Jeremy: Stell dir mal vor, wenn du das könntest! (beide lachen)

Benjamin: Das wär ganz schön lustig.

Jeremy: Aber damals war’s ja auch noch ein anderer Präsident. Bei Obama wärs nur halb so spassig.

Also mögt ihr den neuen Präsidenten?

Benjamin: Wir sind wirklich froh darüber, dass er es geschafft hat.

Jeremy: Ja, er ist definitiv ein riesen Fortschritt.

Zurück zur Platte: War das eine EP?

Jeremy: Es waren sieben Songs drauf, soweit ich mich erinnere.

Benjamin: Richtig, es war eine EP, wir haben da einfach ganz verrückte Sachen aus unsrer Schulzeit raufgepackt. Wir gingen ja alle zusammen zur Schule. Dort haben wir angefangen, zusammen zu spielen. Eigentlich waren die nicht für eine Veröffentlichung gedacht.

Jeremy: Wir hatten noch zwei oder drei andere solche EPs, eine davon hiess „Animal“. Für die erste hatten wir nicht mal einen Namen.

Euer Album habt ihr „Mind Chaos“ genannt, das ist wieder ein sehr spezieller Namen. Wart ihr etwa verwirrt während den Aufnahmen?

Benjamin: In gewisser Weise ja!

Jeremy: (lacht) Vielleicht.

Benjamin: There was chaos in our minds!

Jeremy: Mind Chaos!

Benjamin: Eigentlich hat der Titel zwei Bedeutungen…(jemand stellt in der Duschkabine die Dusche an und duscht sich)

Beide: (brechen in einem Kicheranfall aus. Auf Grund der Duschaktion verlieren wir total den Faden. Nächste Frage)

Ihr wurdet mit den Strokes und LCD Soundsystem verglichen, seht ihr das auch so?

Benjamin: Hm.

Jeremy: Ja, vielleicht in einigen Punkten, aber ich würde nicht sagen, dass es eine hundertprozentige Übereinstimmung zwischen ihnen und uns gibt. Ich glaube, wir sind viel mehr Pop als sie. Nicht, dass wir diese Bands nicht mögen.

Benjamin: Ich glaube, das ist mehr eine Art Produktion mit einem tieferen Sinn, die Texte, die Inhalte, der Songwriting-Stil. Wir machen einfach geradeaus, mehr Pop.

Jeremy: Wahrscheinlich denkt man sich beim ersten Reinhören schon so ein bisschen „Oh, die klingen ja wie die und die!“ Wir gehen in eine Soul-Richtung, in eine Disco-Richtung, sogar in eine Rap-Richtung. Ich glaube nicht, dass diese Bands das auch machen. Auf jeden Fall nicht die Strokes, die sind nicht Soul, die rappen nicht.

Beim Recherchieren bin ich auf einen sehr fiesen Artikel über euch gestossen. Entweder man kann euch nicht ausstehen, oder man vergöttert euch. Warum polarisiert ihr so?

Benjamin: Ich weiss nicht, ich glaube, das liegt daran, wie man unsere Musik auffasst. Doch das Polarisieren hat gute und schlechte Aspekte, ich glaube es hat unser Leben ein bisschen einfacher gemacht.

Jeremy: Das ist wie mit dem Albumcover – (er will diese Gedanken ausführen, doch Benjamin fällt ihm ins Wort)

Benjamin: Auf dem Album kann jeder seinen Lieblingssong haben. Du denkst dir dabei vielleicht „Ok, whatever“, doch die Leute haben einen offensichtlichen Draht zu diesem bestimmten Song.

Jeremy: Ich find’s ziemlich cool, dass sich bei uns die Geister so teilen, das ist kontrovers, das ist spannend.

Benjamin: Wer war eigentlich dieser Hassertyp? War es einer, der fürs NME schreibt? (Anm.d.Red.: Das NME ist ein wichtiges, britisches Musikmagazin)

Jeremy: Oh ja, hast du das NME gelesen? Das war wahnsinnig!

Nein, hab ich nicht. Was haben sie denn geschrieben?

Benjamin: Ja, also eigentlich haben sie geschrieben, dass wir ein Witz wären.

Ganz schön hart.

Jeremy: Ja total, sie haben gesagt, dass wir nicht mal nah dran sind, Musiker zu sein. Unsere Musik sei keine Kunst.

Benjamin: Sie hassen unser Musikvideo, sie hassen unser Albumcover, sie hassen das Licht bei den Shows – sie hassen uns!

Jeremy: Es ist schon viel, was wir schlucken müssen. Aber die positiven Reaktionen machen das wieder wett.

Benjamin: Aber wer war das, der uns so gehasst hat?

Ich weiss nicht mehr genau, ein deutscher Journalist der für ein kleines Onlinemagazin schreibt.

Benjamin: Oh, really?

Jeremy: War das erst neulich, von letzter Woche oder so?

Nein, das war vor einigen Monaten. Vielleicht ist er selbst ein verkannter Musiker, der euch den Erfolg nicht gönnt!

Benjamin: (lacht) Ja, das wird’s wahrscheinlich sein!

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