08.03.2010

Mr mached Musig i de Schwiiz

Text von Audrey Djouadi
Rapper Bligg wird zum stotternden Schuljungen, DJ Antoine zum beleidigten Lackaffen, den man für Lady Gaga hält, und Yello stehlen der jungen Generation die Show - die Swiss Music Awards 2010 boten Untehaltung auf Pop-Corn-Niveau.
DJ "Aight" Antoine in da House. Fotos: Johannes Dietschi Bushido kam zu spät in da house und war bereits etwas gehässig. Bad Hair Day?: Marc Sway unter Seinesgleichen. Stress um Stress: Jeder will was vom welschen Preisträger. Extrem relaxt: Yello präsentieren ihre Trophäe.

Im Zürcher Schiffbau wurden vor einer Woche zum dritten Mal die Swiss Music Awards verliehen. Moderiert wurde der Anlass von Melanie Winniger und Marco Fritsche, die wirklich ihr bestes gaben und keine Schuld trugen, dass die Sprücheschreiber das humoristische Bewusstsein einer Amöbe hatten. Nur eines der Probleme, das sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog. Der Award als „Best Newcomer National“ wurde von Bligg präsentiert, der seine fünf banalen Sätze scheinbar nicht auswendig lernen konnte. Unuterbrochen musste er auf seine Kärtchen starrren. Doch wahrscheinlich hat auch er mitbekommen, dass Augenkontakt das A und O einer Präsentation sind, also hat er nach jeweils fünf Sekunden inne gehalten, das Publikum angestarrt und den Faden verloren.

Ohne Bushido, dafür mit Dollarzeichen

Stunden zuvor – bevor das ganze Szenario begann, fand eine Begrüssung durch Stadtpräsidentin Corinne Mauch statt. Ohne vorgeschriebene Gags, sondern ehrlich und frisch. Bravo Frau Mauch, das haben sie super gemacht! Die Wiederwahl vom vergangenen Wochenende haben Sie sich spätestens an diesem Anlass verdient. Dieser Lichtblick vermochte nicht wirklich über die unzähligen Patzer der Show hinweg trösten. Weil sich Rapper Bushido scheinbar zu fein war, pünktlich aufzutreten, musste Ke$ha, die als Abschluss-Act vorhergesehen war, für den Aggro-Berliner einspringen. Auch das verlief nicht reibungslos, denn die Frau mit dem Dollarzeichen in der Mitte musste noch ihre Tänzer golden anmalen, bevor sie auftreten konnte. Es entstand eine 30-minütige Unterbrechung, welche die Moderatoren verzweifelt zu füllen versuchten. Der Fremdschämfaktor steigerte sich auf ein Höchstmass.

Der inoffizielle Held des Abends, Zürcher Marc Sway, befreite die Moderatoren aus ihrer misslichen Lage, in dem er seine neue Single Keep On Losing Myself spontan interpretierte. Alles was er dazu brauchte war „e Gitarre und es Mikrophon“. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um den Veranstaltern der Show den Stinkefinger zu zeigen: „Mer het mir gseit es gäbi kei Ziit zum mini neu Single präsentiere – jetzt hemer wohl doch schnell Ziit“. In your face, Swiss Music Awards.

Fragwürdige Nomination

Der Abend war ohnehin von Spontan-Auftritten geprägt, so bedankte sich Milow (Ja richtig, der mit einem Lied von 50 Cent mehr Erfolg als 50 Cent selbst hatte) für den Award als «Best Newcomer International-, indem er ein Ständchen auf den Brettern, die die Schweiz bedeuten, vorführte. In dieser Sparte waren unter anderem auch die Kings Of Leon nominiert. Seltsam, ich dachte, man hätte schon vor 2009/2010 etwas von denen gehört. So etwa im Jahr 2003, als die Band ihr erstes Album von durchschlagendem Erfolg veröffentlichte.

Ein weiterer, unfreiwilliger Star des Abends war DJ Antoine, der erstmals Aufmerksamkeit erregte, als er in einem violett-weissen Anzug über den roten Teppich stolzierte und seine neu gelernte Parole „DJ Antoine – Aiiiight“ zum Besten gab. Sein Anzug stach auch Melanie Winniger ins Auge, die glücklich ins Publikum posaunte „Ladies and Gentlemen, Lady Gaga is in the house! Ouu nei, sorry DJ Antoine, bisch ja nur du“. In einem Bruchteil einer Sekunde verzog sich die Miene von DJ Antoine von „ich sitz auf einem hohen Ross“ zu „ihr seid ja alle soo gemein“.

Die Live-Acts Sens Unik, Ke$ha, Dada Ante Portas, Baschi, Bushido und Lunik haben allesamt ihre Aufgabe gut gemeistert. Und gegen Ende der Veranstaltung verzogen sich die Wolken über dem Schiffbau für einmal vollständig und ohne bitteren Nebengeschmack: Das Musikerduo Yello wurde mit dem „Outstanding Achievement Award“ geehrt. Wer schon seit mehr als 30 Jahren so genial in der Welt musiziert und der Schweiz Anerkennung verschafft – der hat so was wohl mehr als verdient. Am Ende dieser Veranstaltungen stellte sich unter underem die Frage: Was kommt nach Yello? Wer erhält im nächsten Jahr einen „Outstanding Achievement Award“? DJ Bobo? – wohl kaum. Mani Matter? – der ist tot. Viele Alternativen gibt es nicht.

Die Übersicht der Gewinner:


Best Newcomer National:

Pegasus

 

Best Newcomer International:

Milow

 

Best Song National:

Stress feat. Karolyn – Tous les mêmes

 

Best Song International:

Lady Gaga – Pokerface

 

Jury Prize:

Big Zis

 

Best Album Pop/Rock International:

P!nk- Funhouse

 

Best Album Dance National:

DJ Antoine – 2009

 

Best Album Urban International:

Black Eyed Peas- The E.N.D

 

Outstanding Achievement Award:

Yello

 

Best Album Pop/Rock National:

Yello – Touch Yello

 

Best Album Urban National:

Stress – Des rois, des pions et des fous

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