Kultur | 22.03.2010

Mit der Vespa ins Atelier

Text von Jessica Hefti | Bilder von Daniel Grunder
Mit 30 Jahren gewann Cyril Gfeller den Hauptpreis bei den Schweizer Jugendfilmtagen. Im Wesen ist er längst erwachsen, im Geist bleibt er jugendlich.
Cyril Gfeller zwischen Karton.
Bild: Daniel Grunder

Mit einem Schild in der linken, mit einem Bier in der rechten Hand steht Cyril Gfeller da und genau so unausgewogen der Sachwert auf den beiden Seiten ist, ist auch seine Gefühlslage. Hier die Freude über den eben gewonnenen Hauptpreis in der Kategorie E an den Schweizer Jugendfilmtagen, da die verblasste Hoffnung, dass der Gewinn eine Filmkamera ist. Nicht undankbar, nur wusste er was ihm zu seinem Glück noch fehlte. Eine Canon EOS 5D oder 7D. Gerade vor zwei Tagen hatte er sich in einem Atelierkurs des Filmfestivals wieder mal erklären lassen, was die so alles kann. Nun sieht er sich die Bilder weiter im “Kameramann” an – eine Fachzeitschrift für alles Filmtechnische.

Auf dem Schild steht, dass er DVDs brennen lassen kann. 500 an der Zahl, mit Aufdruck, professionell. Er braucht es gerade nicht. “Irgendwann bin ich vielleicht mal froh darum.” Wenn er einen grossen, kommerziellen, vertriebstechnisch ausgeklügelten Erfolg feiert oder ein Werbekunde antanzt, der ihm für diese Produktion das Doppelte bezahlt. Oder… weiter übertrieben wird ein andermal. Heute wird noch gefeiert. Der goldene Panther wird herumgereicht. Alle freuen sich, finden die Statue schwer, den Marmor hässlich. Morgen wird wieder gearbeitet.

Kulissen aus Karton

Montag und Dienstag ist Cyril in einem Betrieb, arbeitet als Heizungszeichner. Den Rest der Woche verbringt er in seinem Atelier in Biel und bastelt. Zum Beispiel mit Karton die Kulisse eines Musikvideos oder auf grossen Papierbahnen das Storyboard für das Making-Of eines Kinofilms. Am nächsten Werbekunden-Auftrag, an seiner Homepage. Kürzlich ist ein Showreel mit seinen besten Arbeiten entstanden.

Er scheint zufrieden. Ein 30-jähriger, der darüber lachen kann, dass er einen “Jugend”-Filmpreis gewonnen hat. Und irgendwie ist er ihm auch geblieben, der jugendliche Frohmut, wenn er von seiner WG mit der Vespa zur Arbeit fährt; die jugendliche Unsicherheit, wenn er von nächsten Plänen erzählt. Zurück an eine Schule und lernen, professionelle Werbeclips zu drehen? In London nach neuer Inspiration suchen? Er sagt: “Wie ich auch weiterkomme, zum Karton zurückkehren kann ich immer noch.”

Info


Cyrill Gfeller gewann mit seinem Film "Fragmented Rhythms" an den Schweizer Jugendfilmtagen in der Kategorie E für Studierende an Filmschulen bis 30 Jahre. "Fragmented Rhythms" ist ein kompakter Musikfilm voller Enthusiasmus inspiriert vom Jazz-Punk-Trio von Lucien Dubuis aus Biel.