Gesellschaft | 01.03.2010

Malte trifft auf die Möhre

Text von Malte Vogt | Bilder von Malte Vogt
Der Besuch eines taiwanesischen Marktes ermöglicht neue Perspektiven und bringt Wissenswertes über die Landwirtschaft in Taiwan zu Tage.
Bild: Malte Vogt

Ich schlendere Sonntagmorgens unter einem zerfransten Zeltdach, vorbei an getrockneten Fischen und irgendwelcher übelst riechender chinesischer Medizin, auf der Suche nach dem Stand, an dem meine Kollegin die Möhren verkauft. Nachdem ich das andere Ende des Marktes fast erreicht habe, komme ich endlich an einen Klapptisch, auf dem Kartoffeln, irgendwelche tropischen Wurzeln und natürlich Möhren liegen.

Trotz schönsten Sommerwetters (auch hier ist eigentlich Winter) hängen hell leuchtende Lampen über den Klapptischen und machen auf die Ware aufmerksam. Ich bezweifle zwar, dass es funktioniert, da jeder so eine hat, aber so ist es nun mal Tradition und das ist ja auch manchmal etwas Schönes. Mich allerdings hindern die Lampen eher, versperren sie mir doch immer mal wieder die Sicht, aber für meine Grösse ist der Markt auch nicht gedacht. N achdem ich wohl den ersten Möhrensaft meines Lebens zu Ende getrunken habe, lasse ich mir erklären, wie ich die Saftpresse zu bedienen habe und was ich rufen muss, um potentielle Kunden auf mich aufmerksam zu machen, was mit Hilfe meiner – dank neuem Haarschnitt wieder sichtbar- blauen Augen nicht sonderlich schwer ist. Und während die Saftpresse vor sich hin rattert und ich immer mal wieder, wohl noch etwas zurückhaltend, die vorbeigehenden Leute darauf hinweise, dass es nur hier den besten Möhrensaft gibt, erzählt mir meine Kollegin ein wenig über die Landwirtschaft in Taiwan.

Säen und Ernten kann man in Taiwan, dank der geographischen Lage, das ganze Jahr über, der genaue Tag jedoch, an dem gesät wird, ist streng vom Mondkalender vorgegeben und daran halten sich auch die meisten. Doch so ganz will man sich auch in Taiwan nicht auf den Mond verlassen und so kamen Düngemittel vor allem in der jüngeren Vergangenheit, aber auch heute noch reichlich zum Einsatz. Häufig sind die Böden auf Grund jahrelanger Überdüngung stark zerstört. Biologische Landwirtschaft ist daher kaum möglich und auch nur wenigen ein Begriff. Dennoch scheinen die Landwirtschaftlichen Produkte aus Taiwan, wie so vieles, nicht die schlechtesten in Asien zu sein, denn wie mir meine Kollegin verrät, exportieren sie die Möhren in viele andere Länder des östlichen Kontinents und das, was hier auf dem Markt landet, wird auch nur hier verkauft, weil die Regierung die lokalen Märkte unterstützt. Zum Glück, denn ein Taiwan, ohne die kleinen Ständen, an denen man Enteneier, Fischbällchen und Hühnerfüsse bekommt, wäre einfach kein Taiwan.

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