Kultur | 22.03.2010

Liebe, Schweiz und Aloe Vera

Text von Eva Hirschi
Gewusst, dass es im Botanischen Garten Pflanzen gibt, die nur von Luft und Liebe leben? Dass auch an der Nationalratspräsidentin nicht alles schweizerisch ist? Dass es unter der Stadt Bern eine Tropfsteinhöhle gibt? Das und noch mehr entdeckt man an der Museumsnacht.
Wie Motten tummelten sich auf dem Bundesplatz die Besucher um die Lichtquellen. Was "Swissness" ist, darüber diskutierten die Besucher im Käfigturm. Durch die Zeit reisen liess sich im naturhistorischen Museum.

Einmal im Jahr öffnen alle Berner Museen ihre Türen und locken die Besucher mit einem vielfältigen Angebot an Ausstellungen, Führungen und Shows an.

Im Botanischen Garten zum Beispiel lernt man, dass die Aloe Vera Pflanze unter all den Aloe-Arten noch lange nicht die heilvollste ist. Es sei vor allem ihr schön klingender Name, der sie mittlerweile in allerhand Heilmitteln, Kosmetikprodukten und Joghurten wiederfinden lässt. Ausserdem ist zu erfahren, dass es durchaus „Teenager“-Pflanzen gibt, die sich nur durch Luft und Liebe ernähren, genauer: Pflanzen, die nur als Keimlinge Wurzeln bilden und später ohne diese weiterleben.

Typisch schweizerisch

Im Käfigturm führt Radio- und Fernsehmoderator Röbi Koller Gespräche mit illustren Gästen über die Frage: „Typisch Schweiz – was ist das?“. Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer bildet den Auftakt. Doch bevor Koller sich an sie wendet, fragt er das Publikum: „Was ist schweizerisch an Ihnen?“. Eine Frau überlegt: „Was sölli ächt sägä?“. Genau das sei schon schweizerisch, meint Koller lachend.

Bei ihr persönlich, sagt Pascale Bruderer, sei es wohl der freie Sonntag, an dem sie oft in die Berge gehe. Beim Essen und meistens auch bei der Kleidung achte sie so gut es geht auf Schweizer Produkte. „Und Musik mag ich sowieso am liebsten zum Mitsingen – also Schweizer Lieder“,  meint die Politikerin. Eine Kostprobe geben möchte sie dann aber doch nicht.

Pascale Bruderer bleibt beim Politischen und erzählt, was ihr ausländische Parlamentspräsidenten über die Schweiz gesagt haben. Diese würden vor allem die schweizerische Landschaft und das Bankgeheimnis hoch schätzen, aber auch die direkte Demokratie und die Vermittlungsfähigkeit der Schweiz.

Wie aus einem Bierlager eine Tropfsteinhöhle wurde

Kaum ein Berner weiss, dass sich in Bern am Klösterlistutz nahe beim Bärengraben eine richtige Tropfsteinhöhle befindet. Zunächst diente der künstlich geschaffene Gang ab 1865 als Bierlagerkeller und später als Sondierstollen, der jedoch in Vergessenheit geriet, bis sich vor ungefähr zwanzig Jahren eine feuchte Überraschung bot. Einmal pro Jahr  – anlässlich der Museumsnacht – wird die Tropfsteinhöhle für Besucher geöffnet und erlaubt ihnen einen Blick auf Stalaktiten, die von der Decke hängen und gar auf einen kleinen See am Ende des Tunnels.

Die Museumsnacht stösst vorwiegend auf positives Echo. Viele Besucher gehören normalerweise nicht zu den regelmässigen Museengängern und sind umso überraschter, was die Berner Museen alles zu bieten haben. So kann man in der Antikensammlung einen Studenten „mieten“, der durch die Ausstellung führt, in Oldtimern eine Runde durch die Stadt drehen oder sich bei der Bibliothek am Guisanplatz an einem Didgeridoo-Workshop beteiligen.

„Am liebsten die ganze Nacht“

Dank den zahlreichen Angeboten, die es während der regulären Ausstellungszeit nicht gibt, bietet die Museumsnacht auch für die Kenner der Berner Museen viel Neues. Einige Besucher finden allerdings, dass die Veranstaltung besser im Frühling stattfinden sollte. Da es dann länger hell sei draussen, könne man länger draussen sein, ohne zu frösteln – „und überhaupt“, finden sie, „die Museumsnacht soll am liebsten die ganze Nacht lang andauern.“

Ob die Besucher nach der Museumsnacht eher öfter oder seltener in Museen gehen, sei dahingestellt. Einigen ist die Museumsnacht sicher ein Anreiz, einzelne Museen nochmals zu besuchen und Themen zu vertiefen, bei anderen sei „das Bedürfnis für das nächste Jahr gedeckt.“ Die Besucherzahlen und Warteschlangen mindestens, sprechen für sich: Die achte Museumsnacht zog über 114’000 Gäste nach Bern, also gut 21’000 mehr als im Vorjahr.