Kultur | 08.03.2010

Intimität, die unter die Haut geht

Text von Martin Sigrist | Bilder von PD
Kritiker vergleichen den britischen Songwriter Tom McRae mit Bob Dylan oder Nick Drake. Ob er ihnen wirklich das Wasser reichen kann, wird sein Auftritt in Zürich zeigen.
Tom McRaes Musik erfordert beim Zuschauer viel Aufmerksamkeit.
Bild: PD

Der Singer und Songwriter Tom McRae hat zum Frühlingsanfang mit „The Alphabet of Hurricanes“ sein fünftes Studioalbum veröffentlicht. Der 40-jährige Brite ist ein Musiker, der in der Deutschschweiz auch nach zehn Jahren fast gänzlich unbekannt ist. In Grossbritannien, Frankreich oder auch der Romandie ist er eine gestandene Grösse mit Auftritten am Jazz Festival Montreux und Paléo Festival Nyon.

Einfluss aus dem Wilden Westen

Zweifellos wäre mehr Erfolg verdient. Bereits für den Grammy und den Britaward nominiert, hat McRae mit seinem aktuellen Album ein Werk geschaffen, das einerseits oberflächlich schön erscheint, jedoch auch viel musikalische und textliche Tiefe in sich trägt. Als musikalische Unterstützung zog McRae bewährte Kräfte herbei: Oli Kraus am Cello sowie Olli Cunningham am Keyboard. Das Album erschien auf einem neuen Label in New York. Die musikalische Übersiedelung in die Staaten hört man dem neuen Werk an, klingt die Musik doch etwas mehr nach Wildem Westen, ohne dabei die Wärme und die Melancholie der früheren Alben wegzulassen.

Die Musik eignet sich genau so perfekt für einen sonntäglichen Nachmittag, zum Beeindrucken seiner neuen Flamme oder beim Selbstmitleid-Suhlen mit frisch gebrochenem Herzen. Tom McRaes Konzerte sind intime und intensive Begegnungen, ohne dass er auf der Bühne in eine – bei seiner Musik möglicherweise zu erwartenden Depression – verfällt. Gerne verleiht er den Songs zusätzliche Intensität, in dem er sie ganz ohne Verstärker in Mitten des Publikums spielt. Dabei geht den Besuchern gerne vergessen, dass sie den Abend nicht ganz alleine mit diesem Ausnahmetalent verbringen. Tom McRae schafft Intimität, die unter die Haut geht.

Tom McRae Live:


  • Freitag 26. März 2010 im ewz-Unterwerk Selnau (Zürich) ab 20 Uhr
  • Vorband: Lee Everton feat. Fiona Daniel

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