Kultur | 29.03.2010

„Ich bleibe nicht länger unsichtbar“

Text von Corina Fuhrer | Bilder von Annette Boutellier
«Co-Starring" des holländischen Autors Theo Fransz ist ein humorvolles Jugendstück zum Thema Erwachsenwerden. Zurzeit läuft es in den Berner Vidmarhallen.
Den Plüschhasen nagelt Jonathan Loosli als Co Starring flugs an die Wand und sagt damit der Kindheit Ade.
Bild: Annette Boutellier

Im schummrigen Licht stehen zwei Gestalten auf einer kleinen Bühne. Zuerst leise, dann immer lauter, lassen sich einzelne Töne vernehmen, aus denen sich langsam eine Melodie bildet. Die Scheinwerfer gehen an, und der junge Akteur beginnt, von rockigen Gitarrenklängen begleitet, zu erzählen.  

Er erzählt von Co Starring, einem Jungen mit grossen Träumen, der eines Morgens aufwacht und feststellt, dass nichts mehr ist, wie es mal war: In seinem Gesicht spriessen plötzlich Pickel, ihm wachsen an den unmöglichsten Körperstellen Haare, und schliesslich hat sich auch noch seine Stimme um zwei Oktaven erhöht.  

Da tackert Co Starring seinen geliebten Plüschhasen an die Wand, und begräbt damit seine Kindheit. „Ein Mann ist auferstanden“, ruft er voller Euphorie ins Publikum. Als er dann auch noch mit grossen, erwartungsvollen Glubschaugen Bestätigung vom Publikum fordert, kann sich dieses vor Lachen kaum mehr halten. Cos Mission lautet: Von nun an endlich auffallen, und vor allem: niemals so spiessig enden, wie die Eltern.    

Nur die Nebenrolle spielen

Der Schauspieler Jonathan Loosli bietet „Co-Starring“ dar und agiert gleichzeitig als Erzähler wie auch als Protagonist. Spielerisch wechselt Loosli zwischen Schriftdeutsch und Dialekt. Ein Musiker (Michael Frei) untermalt die Handlung akustisch.  

Der Titel des Stücks ist zweideutig. Einerseits hört die Hauptfigur auf diesen Namen, andererseits lässt es uns schon vor Beginn der Aufführung erahnen, welche Rolle Co eigentlich spielt: Die Nebenrolle, und zwar in seinem eigenen Leben.    

Der blaue Engel  

Co hat eigentlich schon genug damit zu tun, herauszufinden, was mit ihm los ist, und woher all die Veränderungen an seinem Körper kommen. Da begegnet er im Bus auf dem Weg zur Schule prompt seiner ersten, grossen Liebe: Einer Stewardess im himmelblauen Deux-Piece, die er von da an liebevoll „Prinzässin Himublau“ nennt. Als Co ihr blindlings auf die Strasse folgt, wird er beinahe von einem Auto überrollt. Durch diesen unglücklichen Zwischenfall verliert er seine Angebetete aus den Augen. Nun setzt Co alles daran, sie wiederzufinden.

Co Starring lernt an diesem ereignisreichen Tag nicht nur, was eine Ejakulation ist, sondern muss sich auch anderen Erfahrungen stellen. So verzweifelt er kurzfristig ab seinem Zustand, und will dem ein Ende bereiten. Co probiert sich die Schlagadern aufzuschlitzen oder unter einem Plastiksack zu ersticken. Nachdem dies fehlschlägt, belässt er es dann doch beim Versuch.  

Hemmungsloses Schauspiel  

Alle Probleme, welche sich Co in die Quere stellen, werden offen und ungezwungen angesprochen, und entlocken den Zuschauern herzhafte Lacher. Das Stück verliert nie die Ironie und so wird das Publikum am Ende mit einem Lächeln auf den Lippen aus der Geschichte entlassen.  

Das Thema Suizid, welches eine kurze Szene in Anspruch nimmt, wird jedoch etwas nahe an der Grenze zur Verharmlosung behandelt. So begründet Co zum Beispiel seinen Entschluss weiterzuleben, er wolle kein „Höseler“ sein.  

Nebenfiguren wie ein mürrischer Busfahrer sind zum Teil überspitzt dargestellt. Einige Vorfälle sind leicht realitätsfremd: Co tritt an einem einzigen Tag in jedes sich bietende Fettnäpfchen. Aber Jonathan Loosli geht in seiner Rolle auf. Requisiten und Bühnenbild werden nur spärlich eingesetzt, und doch haucht Loosli dem Stück unglaublich viel Leben ein. Hemmungslos tobt er als Co auf der Bühne herum, schreit, lacht, und singt sogar. An Kraftausdrücken spart er dabei nicht.  

„Ich bleibe nicht länger unsichtbar“, ruft Co ins Publikum. Dieses Vorhaben wird für ihn zu einer verwirrenden, aber auch interessanten Reise in sein Inneres. Co Starring lernt das Leben, und damit die Pubertät, anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuschauer gebührt Jonathan Loosli und Michael Frei ohnehin.

Info


"Co-Starring" von Theo Fransz läuft in den Vidmarhallen des Stadttheaters Bern noch bis zum 8. Juni. Die genauen Daten und Infos zu Billets findest du auf www.stadttheater.ch.