Kultur | 12.03.2010

“Filme für die Masse – Theater für die geistige Elite-

Anhand der modernen Verfilmung von Romeo und Julia diskutierten Regisseure, Schauspieler und Fachleute über das Verhältnis zwischen Theater und Film.
Die Diskussionsteilnehmer (v.l.n.r.): Samuel Schwarz, Moderator Dieter Berner, Till Brockmann, Samir und Mani Wintsch. Fotos: Johannes Dietschi Samuel Schwarz: "Der einzige Unterschied zwischen Leinwand und Theater ist die Technik." Regisseur Samir: "Die Theatersprache ist und längst fremd geworden."

Wer kennt sie nicht, Baz Luhrmanns Verfilmung von Romeo und Julia, in der Leonardo Di Caprio zwischen Cabrios und Kugelhagel um seine Claire Danes buhlt. Der Film spielt mit Theaterelementen, bedient sich ihrer Sprache und ihrer Mimik – und hat gleichzeitig eine Technik zur Verfügung, die dem Theater niemals offen stehen wird: «Der Zuschauer wird mithilfe der Kamera gezwungen, sich auf bestimmte Dinge zu fixieren-, erklärte Till Brockmann, Theaterfachmann von der ZhDK an am Symposium während der Jugendfilmtage. Die Perspektive kann sich innert Sekunden ändern oder erstaunliche Blickwinkel offenbaren.- Niemals wird man auf der Bühne den Zuschauer aus einem Kühlschrank oder einem Feuer heraus auf die Szenerie blicken lassen können.

Provozierende Vorurteile

Das Symposium widmete sich am Donnerstagabend den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Film und Theater – und förderte allerhand Meinungsunterschiede zutage: Schauspieler und Regisseur Dieter Berner, der heute an der Hochschule für Film in Potsdam doziert, provozierte etwa mit der Aussage, dass Filme die breite Masse, das Theater hingegen nur die geistige Elite ansprechen würden. Diese Ansicht stützte auch der aus dem Irak stammende Regisseur und Filmproduzent Samir: «Die Theatersprache ist uns längst fremd geworden-, sagte er. Theaterregisseur Samuel Schwarz hielt dem entgegen, dass der einzige Unterschied zwischen Bühne und Leinwand die Technik sei. Beide Formen würden einander Elemente leihen: „Der Film nutzt beispielsweise die Kraft der theatralen Effekte, um Leute anzuziehen und eine direkte Konfrontation mit der Gesellschaft anzuregen.“

Obwohl Theaterstücke und Filme beide mit ähnlichen Zeitrahmen arbeiten, kann der Film – so waren sich die Fachleute einig – durch seine Zeitsprünge, schnellen Orts- und Perspektivenwechsel Geschichten mit einer viel grösseren Geschwindigkeit erzählen. So auch Luhrmanns Verfilmung von Romeo und Julia: «Der Film ist viel dynamischer und verkürzter als die Bühnenaufführung-, fand Till Brockmann. Vielleicht ist es diese Geschwindigkeit und Nähe, die Brockmann zum Urteil bewegt, dass die Schauspielerei im Film viel näher an der Realität dran ist als im Theater. Was nicht bedeutet, dass dies die Bühnenleistungen der Schauspieler schmälern würde. Im Gegenteil: Im Theater wartet auf die Künstler immerhin die direkte Konfrontation mit dem Publikum.

Links