Kultur | 22.03.2010

Entdecker der sieben Weltmeere

Die Ozeane bedecken über zwei Drittel unseres Planeten, lernen wir im Geographieunterricht. Aber wie erklären, dass "das Meer" eigentlich eine ganze Welt für sich ist? Im neuen Dokumentarfilm "Unsere Ozeane" wird das Publikum zum Entdecker einer faszinierenden Tierwelt.
Die Tierfilmer reisten bis ans eisige Ende der Welt. Ausgeklügelte Filmtechniken bringen die Zuschauer den Tieren hautnah.
Bild: Kinowelt Filmverleih GmbH

In einer Bucht, wenige Meter vom Ufer entfernt, tanzen Wale ein Wasserballett. Die Säuger werfen sich in die Luft und fallen wieder ins Wasser, dass es nur so spritzt und schäumt. Scheinbar nichts vermag die Wale von ihrem anmutigen Spiel abzulenken.

 

Früher, vor Millionen von Jahren, gehörten die Ozeane “nur den Tieren”, erzählt der französische Dokumentarfilm “Unsere Ozeane” von Jaques Perrin und Jacques Cluzaud. “Die Seefahrer ahnten nicht, dass unter ihnen eine andere Welt begann.” Doch die Menschen haben sich längst aufgemacht, die Ozeane zu erforschen. Das Meer liefert fast zwei Drittel des Sauerstoffs, den wir atmen. All das steht auch auf dem Lehrplan in Geographie.

 

Schwimmende Champignons

Aber wie erklären, dass “das Meer” eigentlich eine ganze Welt für sich ist? In “Unsere Ozeane” wird das Publikum gleich selbst zum Entdecker der Weltmeere. Ohne bestimmte Reiseroute stürzt man sich ins Abenteuer. Da gibt es Quallenschwärme, die aussehen wie eine Horde schwimmender Champignons und “Nemo”-Clownfische, die um gelbe Seeanemonen streichen.

 

Der Film beobachtet Pinguine, Leguane und Robben, Drachenfische, Seeschlangen und Möwen beim Jagen und Faulenzen. Man blickt geradewegs in das Gesicht einer Riesenschildkröte und sieht die winzigen Füsse eines Seesterns über den Meeresboden trippeln: So nah geht die Kamera an die Geheimnisse der Unterwasserwelt.

 

Blubbernde Musik

Die Filmteams filmten die Tiere auf, an und über den sieben Weltmeeren. Wie schon in Jaques Perrins letztem Dokumentarfilm, “Das Geheimnis der Zugvögel”, kamen eindrückliche Unterwasseraufnahmen und Luftbilder zustande. Dem Film ist die Bewunderung der Filmemacher für die Tierwelt anzumerken.

 

Wäre “Unsere Ozeane” ein Fotoalbum, würde der Grossvater beim Durchblättern zum Enkel sagen: “Schau, so sah die Natur aus, als sie noch wild und unentdeckt war.” Im Film denkt sich das Publikum eigene Beschreibungen zu den Bildern aus. Der Erzähler ist eigentlich Beobachter und überlässt der Natur das Wort. Musik intensiviert die Naturbilder, in dem diese blubbert, wie aufsteigende Luftblasen, mitreisst, wie ein Wasserfall, und verschmilzt mit dem Krabbeln und Grunzen, Schnattern und Scharren der Meeresbewohner.

 

Verschwundene Tiere

Natur bedeutet immer auch Gefahr. Man muss nicht eine BBC Naturdokumentation gesehen haben, um zu wissen, dass es in der Tierwelt zuerst ums Überleben geht. Das kann brutal sein. In einer Szene von “Unsere Ozeane” krabbeln herzige Meeresschildkröten über den Sand Richtung Wasser. Man ahnt, dass nur wenige der Schildkrötenbabys den gefährlichen Weg ins sichere Wasser schaffen, denn über ihnen kreisen bereits die Möwen.

 

Die Meeresbewohner passen sich an die Gefahren der Natur an – gegen Eingriffe durch die Menschen sind sie aber machtlos. Wegen Fangnetzen und Wasserverschmutzung gibt es viele Tierarten nicht mehr. “Millionen Jahre der Evolution wurden in wenigen Jahrzehnten ausgelöscht”, appelliert der Erzähler an die Zuschauer, pünktlich zum Jahr 2010 der Artenvielfalt. Wer weiss, wie lange die Wale noch ungestört ihr Wasserballett tanzen können.

 

“Unsere Ozeane” ist eine faszinierende Entdeckungsreise, auf der es auch mal rau zu und her gehen kann. Ein Erzählstrang, an dem man sich orientieren könnte, fehlt leider. Der 100-minütige Film eignet sich deshalb für neugierige Menschen, die eintauchen möchten in die Tierwelt der Ozeane.

 

“Unsere Ozeane” läuft jetzt in den Kinos

Links

  • Diese Filmkritik erschien erstmals bei Leporello , dem Kulturmagazin für Kinder und Jugendliche.