Kultur | 14.03.2010

Eine Frau als Lizenz zur Einbürgerung

Text von Sonja Nodup | Bilder von PD
«Cash&Marry« feierte am Freitag Schweizer Vorpremiere. Der mazedonische Film ist ein abenteuerliches Einbürgerungsexperiment, gefilmt mit wackeliger Handkamera und begleitet von bittersüss-melancholischer Musik.
Traum in Weiss: Die beiden Freunde auf der Suche nach einer Frau.
Bild: PD

Der junge mazedonische Regisseur Atanas Georgiev aus Skopje geht aufs Ganze. In seinem Film “Cash&Marry” übernimmt er neben der Regie auch die Hauptrolle des Films: Er schlüpft dabei in die Rolle eines Ausländers, der über den Weg der Scheinehe an einen EU-Pass gelangen will.

 

Mithilfe seines bosnischen Freundes Marko, der schon länger in Wien lebt, macht sich Atanas auf die Suche nach einer “Š¾ena za papire” – einer Österreicherin, die bereit ist, ihn zu heiraten. Dies gegen Bezahlung von 5000 Euro. Ein serbischer Bekannter von Marko, dessen amüsante (Schein-)Hochzeit den Beginn des Filmes einleitet, soll für “seine Österreicherin” gar 7000 Euro bezahlt haben.

 

Die Suche auf dem Strich

Die beiden jungen Ausländer sind um Einfälle nicht verlegen. Sie starten zunächst eine Flugblattaktion mit der Überschrift “Willst du mich heiraten?”, die zwar zu lustigen Reaktionen und einigen Diskussionen, nicht aber zu potentiellen Heiratskandidatinnen führt. Die Suche geht weiter: Auf dem Markt, (“wo man ja alles kaufen kann, wieso also nicht auch eine Frau”), im Nachtklub und zuletzt auf dem Wiener Strassenstrich.

 

Fündig werden sie schliesslich an der Wiener Uni: Barbara, Studentin und überzeugtes Mitglied der kommunistischen Partei Österreichs, erklärt sich bereit, Atanas zu heiraten. Doch dies ist erst der Beginn eines mühsamen Hürdenlaufs, in dem es gilt, durch den Dschungel der österreichischen Bürokratie zu finden und nebenbei auch noch die wenig begeisterten Eltern für das waghalsige Vorhaben zu gewinnen.

 

Ernstes Thema, witziger Film

Atanas Georgiev ist mit diesem unkonventionellen Projekt ein interessanter und anregender Dokumentarfilm gelungen, der mit mitreissender Musik, schrägen Hauptdarstellern und viel Situationskomik vollgepackt ist. Die ernsthafte Thematik stimmt einen zuweilen aber auch nachdenklich.

Die Zuschauer werden gezwungen, sich mit dem Thema Scheinehe auseinanderzusetzen. Im Verlauf des Filmes stellt man sich unvermeidlich die Frage, wie man selbst in einer derartigen Situation handeln würde. Und nicht zuletzt wird die teils fast absurde Einwanderungspolitik und -bürokratie Westeuropas vor Augen geführt.

 

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