Gesellschaft | 01.03.2010

Durchschnittskauf in der Alltagshektik

Text von Diana Berdnik | Bilder von Gabriel Signer
18.00 Uhr. Es bleibt nur eine Stunde um Migros, Coop und Aldi einen Besuch abzustatten. Auf dem Einkaufszettel stehen Cola, Chips, Hüttenkäse, Milch, Joghurt, Energy-Drink, Schokolade und eine Gurke. Alles, was man für einen gemütlichen Fernsehabend braucht.
Die Warenkörbe aus Aldi... ...Coop... ...und Migros. Die Frage bleibt: Zweifel oder einfach Paprika Chips?
Bild: Gabriel Signer

Acht Artikel sollen in jedem der zu prüfenden Geschäfte über den Ladentisch sausen. Dabei legen die Tester ein besonderes Augenmerk auf die Geschwindigkeit des Kassenpersonals und auf den Betrag, welcher am Ende auf der Quittung steht. In diesem Versuch geht es nicht darum, 100 Gramm Migros-Hüttenkäse mit der gleichen Menge aus dem Coop zu vergleichen, sondern vielmehr um die realen Mehrausgaben und Zeitverluste, die im Alltag des Durchschnittskäufers zustande kommen.

Migros

Die Tester eilen durch die riesige Migrosfiliale. Zwischen Schokolade und Chips liegen gefühlte Kilometer. Sie nehmen wenn möglich das Preiswerteste, so wie es oft getan wird. Einen Liter Biomilch packen sie ein, so dass auch die Fair-traide-Moral im Kopf der Käufer gestillt ist. Cola, das neue Markenprodukt in der Migros, gibt es zum Zeitpunkt des Versuches noch nicht. Also muss eine handliche Halbliter-Pepsiflasche den Lückenbüsser spielen. Zum Abschluss noch etwas Gesundes in der Form einer Gurke und der Einkaufskorb ist voll. An der Kasse lächelt uns eine nette Maturandin im Zwischenjahr entgegen. Sie braucht fast 18 Sekunden, um die acht Gegenstände über den Scanner zu ziehen und weitere 15.2 Sekunden dauert es, bis die Quittung in den Händen des Käufers ist. 10.80 Franken stehen darauf. Das gilt es anschliessend in Coop und Aldi zu toppen.

Coop

Gemüse, Getränke und Milchprodukte sind schnell gefunden. Aus der riesigen Auswahl an Energy-Drinks wird der günstigste ausgewählt. Die Chipspackung scheint ein Duplikat von jener aus der Migros zu sein. Doch wo zum Teufel findet man hier eine Schokolade? „Diä verchaufemer nur dobe i de Schoggiabteilig!“ Doch etwas Süsses darf beim Fernsehabend nicht fehlen, also muss ein Kägi-Fret Schokoladenanaloga spielen. Es ist zwar rund einen Franken teurer als eine günstige Tafel Schokolade, doch wie die Testkäufer gleich feststellen werden, ist Coop auch sonst teurer als die Migros. Denn auf dem Kassenbon stehen 13.30 Franken. Dafür schafft es die Verkäuferin, trotz der manuellen Bedienung der Kasse aufgrund eines technischen Defekts, in 26.1 Sekunden alles abzuwickeln.

Aldi

Zwanzig Minuten später erreichen die strengen Prüfer ausserhalb der Stadt das letzte Geschäft. Die Zeit drängt. In der übersichtlichen Halle befinden sich nur noch ein Kassier und ein Durcheinander an Produkten. Doch unsere acht Dinge sind schnell zusammengetragen. Die Chips und das Cola gibt es hier nur in grossen Formaten. Aber auch das widerspiegelt lediglich die Realität des Alltags. Erstaunlich ist, dass eineinhalb Liter dieses überall beliebten Getränks im Aldi 31 Rappen weniger kostet als ein halber Liter in der Migros. Über den Geschmack lässt sich streiten. 9.37 Franken stehen auf dem Zettel. Die zwei Rappen, welche als Überbleibsel aus Aldis Ursprungsland importiert wurden, werden abgerundet. Ein Preisresultat, das man vom Billigproduktanbieter durchaus erwartet hat. Doch dann kommt die Enttäuschung. Ganze 37.3 Sekunden benötigt der Kassierer, um die Waren einzuscannen und das Geld retour zu geben. Der Ruf ist dahin. Doch woran könnte das liegen? Vielleicht ist der Kassier mit offensichtlich femininer Seite zu sehr angetan vom Auftritt unseres Testers, der im Anzug durch die Läden rast. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Laden seit fünf Minuten geschlossen hat. Die Objektivität des Versuchs sei dahingestellt.

Fazit

Die Rangierung in Sache Preis ist klar: Aldi (9.35 Fr.) vor Migros (10.80 Fr.) und Coop (13.30 Fr.). Wenn es um die verbrauchte Zeit des Kassenpersonals geht, sieht die Rangliste folgendermassen aus: Coop (26.1 s) schlägt Aldi (37.3 s) und Migros (41.6 s). Der Testkäufer verrät, dass er trotz allem ein Migroskind bleiben wird. Seine Begleitung bevorzugt auch mal Aldieinkäufe. Eine Hochrechnung lassen die beiden bleiben, denn sie stellen fest, dass Einkaufen nicht nur Geld- und Zeitsache ist. Sie weisen auf den unliebsamen Geschmack der ausländischen Schoggi hin und sind erstaunt ab der ganz ähnlichen Optik der Produkte aus den traditionellen Schweizer Läden. Einkaufen ist und bleibt eine Gefühls- und Geschmackssache.