Gesellschaft | 29.03.2010

Die Trendbar

Text von Madeleine Kunz | Bilder von Madeleine Kunz
Mitten in der Stadt Biel, auf dem Guisanplatz, sieht man schon von weitem den frechen, pink-farbenen Schriftzug: PROVISORIUM! Es wird Zeit, sich hier einmal genauer umzusehen und sich auf die Suche nach dem Erfolgsgeheimnis der allseits beliebten Bar zu machen.
Pink auf grün, umrahmt von Baugerüsten: So präsentiert sich das Provisorium von aussen. Das Sortiment an Drinks wird laufend ausgebaut. Sogar für frische Luft ist gesorgt.
Bild: Madeleine Kunz

Draussen steht eine grosse Menschenmenge in der eisigen Kälte und drinnen ist es rammelvoll. Kein Wunder. Das Provisorium ist schliesslich im Moment eine der angesagtesten Bars in Biel. Eigentlich sollte die Bar nur zwei Monate geöffnet bleiben, um danach in eine Lounge umgebaut zu werden. Nun ist sie schon neun Monate offen, noch immer sehr erfolgreich und noch immer provisorisch.

 

Bis um halb drei dabei

Mit Mühe und Not schlängle ich mich zu der Theke, wo Isa fleissig etliche Gläser mit Bier füllt und Cocktails mixt. Isa ist Bar-Chefin im “Provi” und arbeitet gerne an vorderster Front, denn der Kontakt mit den Gästen ist ihr enorm wichtig. Sie öffnet das Provisorium um 15.30 Uhr und ist oftmals die Letzte, die um 02.30 Uhr die Bar schliesst. Nach der abgeschlossenen KV-Lehre und ihrer Ausbildung im Gastro-Gewerbe wurde sie von der “Perron 8 Management AG” als Bar-Chefin eingestellt.

 

Perron 8 wurde 1992 gegründet und hat sich als Unternehmen im Event-Bereich etabliert. Ihre Kernkompetenz besteht darin, kreative und innovative Konzepte zu erstellen. Das Open-Air Kino in Nidau und die UBS-Arenen der Euro 08 gehören zu ihren erfolgreichsten Projekten. Mit dem Provisorium lancierten sie ein weiteres, vom Publikum geliebtes Projekt.

 

Palmen und Tannenbäumchen

Die Zukunft lässt noch vieles offen, da die Baubewilligung für den Umbau des Provisoriums noch nicht erteilt wurde. Kein Problem für die Betreiber, weil die Bar bei den Kunden so gut ankommt. Zum Glück ist das Konzept der Bar provisorisch, denn so kann sie sich immer den Kunden anpassen und kleine Veränderungen vornehmen. Die Zeit und der Raum werden bis zum Umbau optimal genutzt. So wurden bei Wintereinbruch die Stühle draussen mit Schaffellen ausgestattet, und die Palmen wurden durch schön geschmückte Tannenbäumchen ersetzt. Nun ist es auch draussen wieder einigermassen gemütlich. Im Innern der Bar wurde die Theke vergrössert und gestrichen, das Mobiliar wurde komplett mit bequemen Sofas und Sesseln ersetzt und es wurden antike Leuchter an der Decke angebracht. Dieser ständige Wechsel der Dekoration gehört einfach zum gemütlichen “Baustellen-Stil” des Provisoriums. Es ist sozusagen ein Markenzeichen.

 

Heute war ein Eishockeymatch, denn plötzlich fluten die mit rot-gelben Halstüchern ausgestatteten Fans das ohnehin schon volle Provisorium. Die meisten sind schon mehr oder weniger angetrunken. Dem Gesang der Bieler Fans entnehme ich, dass der EHC Biel den Match gewonnen hat.

 

Isa reagiert augenblicklich und ersetzt die Gläser durch Plastikbecher, um die  Scherbenzahl im Mass zu halten. Denn durch randalierende Jugendliche sind auch schon Stühle in Brüche gegangen und die Toiletten demoliert worden. Jetzt gilt es, den Schaden zu begrenzen, bis die Fans weiterziehen.

 

Zu junge Besucher

Probleme gab es aber vor allem auch mit jüngeren Gästen. Die Geschäftsleitung setzte deshalb eine strikte Massnahme durch: Das Provisorium, die Bar der Jungen, war plötzlich nur noch ab 18 Jahren zugänglich. Die Enttäuschung der minderjährigen Gäste war gross. Am Eingang steht nun ein Türsteher und kontrolliert gewissenhaft jeden Besucher. Das Barteam ist froh über die Hilfe des Türstehers. Es gibt ihnen die Gewissheit, dass sie keinen “harten” Alkohol an Minderjährige verkaufen. Sie würden sich sonst strafbar machen.

 

Das “Provi” ist eine Erfolgsgeschichte. Das ganze Team wurde vom Ansturm überrumpelt. Die Infrastruktur und auch die wenigen Mitarbeiter waren rasch am “Anschlag”. Mittlerweile hat man sich der Situation angepasst, mehr Leute eingestellt und die Lüftung verbessert. Trotzdem ist die Situation weiterhin prekär und es wird sehnlichst auf die Baubewilligung gewartet. Das kann aber noch dauern, denn es gibt Einsprachen wegen dem Verkehr, Lärm und Abfall. Die Bauarbeiten sind für nächsten Winter geplant, doch auch das ist nur ein provisorischer Plan. Bis dahin ist noch alles offen für Änderungen und neue Ideen.

Und genau das ist eine Stärke des Provisoriums: die Einrichtung wurde schon drei Mal komplett erneuert und das Sortiment an Drinks wächst ständig. Schliesslich ist die Bar ja provisorisch und muss ihrem Ruf als “Baustelle” gerecht werden. Denn genau dieses Unfertige, Improvisierte ist einmalig in Biel. Und den Leuten scheint es zu gefallen. Ob es den Betreibern gelingen wird, diese besondere Ambiance auch im neuen Provisorium zu kreieren? Nach dem Umbau müsste es dann wohl Definitivum heissen.