Kultur | 12.03.2010

Dein Freund, der Verräter

Tristes Drama mit starken Bildern: Mit «Sin Nombre» wurden die 34. Schweizer Jugendfilmtage eröffnet.
Auf der Flucht: Das Liebespaar flüchtet vor der Gang.

Verbrecher oder Flüchtling? Mörder oder Held? Mit *Sin Nombre* wurden die 34. Schweizer Jugendfilmtage eröffnet. Der Film, der im Rahmen des Festivals als Schweizer Vorpremiere zu sehen war, erzählt die Reise des Bandenverräters Casper und der unschuldigen Sayra über die Grenze zu den Vereinigten Staaten.

Als der Anführer von Caspers Gang – der berüchtigten Mara Salvatrucha – versucht, dessen Freundin zu vergewaltigen und diese dabei stirbt, beginnt Caspers Loyalität zu bröckeln. Während eines Überfalls auf einen Zug mit illegalen Auswanderern hält er den Bandenführer davon ab, sich an Sayra zu vergehen und tötet ihn aus Rache. Damit ist die Jagd auf Casper eröffnet. Es beginnt ein Versteckspiel, wobei das ungleiche Paar sich allmählich näher kommt.

Aufstrebender Fukunaga

Können Mörder Helden sein? Sicherlich können sie Menschen sein, so wie Casper, die Hauptperson in Cary Fukunagas «Sin Nombre». Dieses Debütwerk, ein tristes Drama mit starken Bildern, lässt hoffen und mitfühlen. Hoffnung besteht auch für Fukunaga: Am Sundance Festival 2009 war «Sin Nombre» für den grossen Preis der Jury nominiert und wurde in der Kategorie «Beste Regie» ausgezeichnet. Dass sich mit *Gael García Bernal* und *Diego Luna* zwei Grössen des südamerikanischen Kinos als Produzenten beteiligten, verdeutlicht, in welcher Liga der 32-jährige Fukunaga bereits jetzt spielt.

Die Geschichte mag vereinfacht wirken, wird jedoch mit grosser Schönheit erzählt. Mit einem dem Alltag entnommenen Humor wird der Film aufgelockert, die klare Handlung lässt jedoch wenig Überraschungen offen und steuert unbeirrt dem brutalen Ende entgegen.

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