Kultur | 01.03.2010

„Das ist für uns echte Musik, weisst du?“

Die Belgier von The Black Box Revelation haben nichts anderes im Kopf als Musik - und Schwimmen. Im Gespräch erklären sie, wie es ihnen gelingt, nicht im musikalischen Einheitsbrei zu versinken.
Rocker mit flämischem Blut: Black Box Revelation.
Bild: www.blackboxrevelation.com

„Mach dich auf etwas gefasst. Das sind echte Rockerjungs!“- mit diesen Worten werde ich von der Tourmanagerin in die Garderobe der belgischen Band The Black Box Revelation geführt. Die Vorwarnung bestätigt sich. Doch grossartigen Musikern seien auch zwischenzeitliche Lachanfälle, Bellattacken und Ähnliches vergeben.

Ihr habt als „The Mighty Generators“ angefangen, damals wart ihr zu viert. Was ist inzwischen passiert?

Jan Paternoster: Wir waren damals viel jünger als heute. Inzwischen haben wir uns weiterentwickelt. Wir haben nach unserer eigenen Musik gesucht und sind irgendwann auf diesen blueslastigen und psychedelischen Rock gestossen. Wir merkten, dass wir viel mehr Freiheiten haben, wenn wir als Duo spielen. Die anderen hätten uns nur aufgehalten. Deshalb haben wir das Projekt beendet, um mehr Freiheit, Reiz und Abenteuer zu erfahren.


In Belgien ist diese Art von psychedelischem Rock recht stark vertreten. Oder täuscht der Eindruck?

Dries Van Dijk: Wir haben schon ein paar gute, berühmte Bands, wie dEUS, 2 Many DJ’s oder Soulwax – schau dort drüben! (zeigt auf ein Soulwax-Poster an der Wand). Oh, und Vive La Fête sind auch aus Belgien. Doch ansonsten gibt es in Belgien nicht wirklich eine grosse Musikszene.

Auch keine Untergrundszene?

Jan: Nicht wirklich.

Weshalb klingen nördliche Bands meistens dunkler und kantiger als die aus dem Süden? Eure Musik ist ja auch etwas tiefgreifender als der übliche Happy Go Lucky Sound von der Südhalbkugel.

Jan: Ich weiss nicht, ob wir dafür eine Erklärung haben. Wenn wir Musik machen, wollen wir möglichst ehrliche Musik machen und uns nicht aufgesetzt fröhlich verhalten. Bei uns funktioniert das Musizieren folgendermassen: Wir greifen zur Gitarre und den Drumsticks und schauen einfach mal was dabei herauskommt. Das ist für uns Musik, weisst du?

Dries: Wir waren die letzten zwei Jahre auf Tour und haben viele Shows gespielt. Wir haben angefangen, die alten Songs etwas länger zu spielen, Solos einzufügen und mehr experimentelle Sachen hineinzupacken. Wir haben den Sound, den wir jetzt haben, auf natürliche Weise selbst kreiert.


In dem Lied „Street Fighting Man“ von den Stones singt Mick Jagger „What can a poor boy do exept to sing for a rock’n’roll band“. Habt ihr noch andere Leidenschaften als Musik?

Dries: Schwimmen!

Jan: Stimmt, wir wären olympische Schwimmer!

Habt ihr mitgekriegt, dass ein Rodler bei den olympischen Spielen aus der Bahn gefallen und ums Leben gekommen ist?

Jan: Oh Gott, ja. Wir hätten es in den Nachrichten anschauen können, aber wir getrauten uns nicht.

Dries: Hast du es gesehen?

Ja, es war fürchterlich! Der Rodler sah aus wie eine Puppe. Die Nachrichten spielten das Video immer und immer wieder  – sogar in Zeitlupe. Aber noch mal zu meiner Frage nach anderen Leidenschaften…

Jan: Früher habe ich grafisches Design studiert. Doch mittlerweile habe ich keine Zeit mehr dafür. Meine Kunst ist jetzt die Musik. Wir sind so oft auf Tour, und wenn wir nicht auf Tour sind, arbeiten wir an neuen Songs.

Wer hat euch musikalisch am meisten beeinflusst?

Dries: JACK WHITE! (lacht) Nein nein, just kidding!

Jan: Wir mögen die Stones!

Dries: Ja klar, die Rolling Stones selbstverständlich. Aber auch…

Jan: …Rammstein (beide lachen). Nein, die finden wir fürchterlich!

Dries: The Raveonettes haben uns zwar nicht wirklich beeinflusst, wir mögen ihre Musik einfach sehr.

Jan: Wir waren letzte Woche mit ihnen auf Tour und das war schon ziemlich cool. Es ist immer interessant und spassig für uns, eine andere Band zu begleiten. Man sieht das Ganze dann von einem ganz anderen Blickwinkel.

Dries: Du stellst immer so musikalische Fragen, hast du keine albernen Fragen?

Oh, wenn ihr das gerne wollt – natürlich. Also, wenn ihr ein Tier wärt, was für eines wärt ihr?

Jan: Ein Löwe!

Dries: I would be a crazy dog.


Ein grosser oder ein kleiner Löwe?

Dries: Ein riesiger.

Jan: Crazy Frog! Rämm rämm räämm (beide lachen; Anm. d. Red: der Crazy Frog ist animierter Frosch ohne Hose dafür mit Pilotenmütze, der einen nervigen Song „sang“.)

Dries: Nein, ich bleibe beim Hund. Ein wunderschöner Hund.

Und du, warum Löwe?

Jan: Ein Löwe ist der König des Dschungels! Und er ist faul, er rennt nur, um etwas zu essen.

Dries: Nein, er lässt das Weibchen jagen!

Jan: Umso besser. Ich entscheide mich definitiv für Löwe.

Und warum wärst du ein Hund?

Dries: Ich bin einfach wahnsinnig.

Jan: Er bellt gerne.

Dries: (bellt wie ein Chihuahua)

Jan: So klingt aber kein grosser, wunderschöner Hund.

Dries: Ich weiss nicht warum ich ein Hund wäre. Ich liebe Hunde und ich hab selbst einen. Hast du auch einen Hund?


Ja, aber manchmal vergesse ich ihn zu füttern und der hasst mich bestimmt ziemlich…

Jan: Eines Tages isst er dich!

Dries: (bellt)

Nein, er ist ein lieber Hund, der würde so was nicht machen!

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