Kultur | 02.02.2010

Zwischen jidischem Gesang und Psycho- Party

Text von Fatlume Halili
Die Basler Museumsnacht fand vorletztes Wochenende zum zehnten Mal statt. Von sechs Uhr abends bis zwei Uhr nachts konnte man über 30 Museen und acht Kulturinstitutionen besuchen. Eine Tink.ch- Reporterin stürzte sich ins Getümmel und erlebte Unerwartetes.
Fotos: Fatlume Halili

Als erstes besuche ich das Museum für Gegenwartskunst. Dort angekommen, schliesse ich mich einer Führung durch die Ausstellung von Francis Alÿs an. Ein Teil der Ausstellung ist der Trickfilm namens Bolero, der einen von einer Frauenhand geputzten Schuh zeigt. Der belgische Künstler Francis Alÿs, der meist beim Spazierengehen auf Ideen für seine Kunstwerke kommt, lebt und arbeitet in Mexiko Stadt. Seine im Museum für Gegenwartskunst gezeigte Ausstellung Politics of Rehearsal, welche unter anderem 384 Zeichnungen und zwei Videos beinhaltet, stellt die Frage: „Was ist Arbeit: ein Endprodukt oder ein Prozess?“.

 

Nach der Führung schaue ich mir in weiteren Ausstellungsräumen Werke verschiedener Künstler an: eine grau bemalte Leinwand oder aus alten Zeitungen hergestellte Pappmaché-Formen, die eigentlich mehr Deformationen sind. Parallel zu den Ausstellungen läuft Clubmusik eines Berliner Künstlers, der gleich selbst am DJ- Pult sitzt und auf mich wie weggetreten wirkt. Da ich mir sicher bin, dass mir das nötige (Kunst-)Wissen fehlt, um diese Werke zu verstehen, mache ich mich auf dem Weg ins nächste Museum. Ein Nachgeschmack der Frage „Was ist Kunst überhaupt?“ bleibt jedoch.

 

Merkwürdiges

Mein nächstes Ziel ist die Basler Plakatsammlung, zu der ich mangels Wegweisern nicht sofort gelange. Auf der Flucht vor der Kälte gehe in das Jüdische Museum, wo ich schon am Eingang von einer etwas seltsam klingenden Musik begrüsst werde. Die Musik wird vom Trio Querbeet gespielt, welches aus einer Geigerin, einer Handorgel spielenden Sängerin und einem Cello spielenden Sänger besteht und auf jiddisch singt. Das Programm ihrer Aufführung heisst „Merkwürdige und Merk- würdige Lieder“, was die Musik nur zu gut beschreibt: sie klingt zwar eigenartig und fremd, gefällt mir aber während des weiteren Hörens immer besser.

 

Mittlerweile habe ich auch die Basler Plakatsammlung gefunden. Bereits die Tatsache, dass man die Schuhe ausziehen muss, um zur Ausstellung zu gelangen, verspricht interessant zu werden. Der Vorraum ist mit einem weissen Teppich ausgelegt und an den Wänden liegen Kissen, worauf man sitzen oder liegen kann. Der DJ spielt psychedelisch angehauchte Musik, an den Wänden werden verschiedene Ecstasy- Logos projiziert, andere „Künstler“ spielen im gleichen Raum Fussball. Das Ganze verwirrt einen nicht mehr so, wenn man weiss, wer ausstellt und was hier ausgestellt wird: der Genfer Künstler Frédéric Post, dessen Arbeit sich um DJ- und Clubkultur dreht, signiert heute sein Buch „Anonymous Engravings on Ecstasy Pills“, welches eine Sammlung von 511 Ecstasy- Logos ist. Aus Angst, dass meine Schuhe geklaut werden könnten, und von der vorherrschenden Partystimmung nicht so mitgerissen, verlasse ich die Basler Plakatsammlung.

 

Als letztes mache ich beim Ausstellungsraum Klingental Halt: Nach einer sage und schreibe 40-minütigen Busfahrt vom Münsterplatz zur Kaserne in einem überfüllten Bus finde ich einen einzigen Raum wieder, in dem ein quer eingearbeitetes Brett steht. Auf den ersten Blick scheint dieses Kunstwerk sehr banal, bei näherer Betrachtung erkennt man den Scharfsinn der Sache: die Muster verwandeln sich beim nötigen Abstand in hervorstehende Würfel. Zwar gefällt mir dieses Kunstwerk, jedoch bin ich von den vielen Leuten, den vollen Bussen und dem Gedränge überall so genervt, dass ich mich auf den Nachhauseweg mache. Die wichtigste Frage des Abends bleibt dennoch: Was ist Kunst?