Politik | 02.02.2010

Viele Wege führen nach Rom

Text von Luzia Tschirky
Was bewegt junge Leute in der Schweiz noch dazu, einer Partei beizutreten? Man wird schubladisiert, hat nicht immer dieselbe Meinung wie die Mehrheit der Parteibasis und sollte dann trotzdem diese Meinung nach aussen vertreten. Tink.ch hat an der Jugendsession Sommer bei Mitgliedern von Jungparteien nachgehakt.
Diese drei Jungpolitiker haben unterschiedliche Wege in die Politik genommen: Nora Krummen von der Juso Stadt Bern, Tristan Brüderli von der Jungen SVP Solothurn und Celestina Amiet von den Jungen Grünen Zürich. Fotos: Janosch Szabo

Die Jugendsession zieht nur politisch interessierte Menschen an. Deswegen sind überdurchschnittlich viele Teilnehmende Mitglieder einer Partei. Die grössten Parteien sind dabei auch am stärksten mit ihren Jungparteien vertreten. An der Jugendsession Sommer trifft man in den Gruppen meist auf Mitglieder der Jungen SVP und Jungsozialisten (Juso). Wie im Parlament bilden sich in den Diskussionen zwei Blöcke und man politisiert gegeneinander.

Genug Lebenserfahrung?

Celestina Amiet von den Jungen Grünen Zürich, Nora Krummen von der Juso der Stadt Bern und Tristan Brüderli von der Jungen SVP Solothurn sind sich einig: Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker werden weniger ernst genommen, als ihre älteren Parteigenossen. „Man hört uns schon zu, aber manchmal bekommt man von älteren Politikern zu hören, sie hätten doch mehr Lebenserfahrung „, meint Nora.

Dennoch begeistern sich die drei für die Politik, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Für Nora Krummen ist klar, dass sie etwas bewirken möchte: „Ich bin den Juso beigetreten, weil ich die Situation für die Menschen in der Schweiz verbessern will.“ Zumindest sie hat ganz ähnliche Gründe, sich politisch zu engagieren wie ältere Generationen. Für Tristan war es nicht das Interesse an Information, sondern an der Sache selbst. „Mich hat Schweizer Politik schon immer interessiert“, meint er auf die Frage nach den Gründen für sein Engagement.    

Viele Wege zur Partei

Eine der wichtigsten Aufgaben einer Jungpartei ist es, neue Mitglieder begeistern zu können. Nora, Celestin und Tristan sind auf ganz unterschiedlichen Wegen zu den Parteien gestossen. Während Nora mit Politik aufgewachsen ist, mit Eltern, die Mitglied der SP sind und Brüdern, die sich den Linksautonomen angeschlossen haben, ist bei Celestina zu Hause niemand politisch aktiv.

Tristan ist ebenfalls durchs Elternhaus geprägt. „Meine Eltern haben bürgerliche Ansichten, was sicher einen Einfluss auf mich hatte.“ Bei der Entscheidung, welcher Partei sie beitreten sollen, war es nicht für alle von Anfang an klar. „Ich habe zwischen der Juso und den Jungen Grünen abwägen müssen und mich schliesslich für die Jungen Grünen entschieden“, erzählt Celestina. Für Nora stellten sich noch viel grundsätzlichere Fragen. „Ich musste mich entscheiden, ob ich überhaupt den ‚Parteienweg‘ wählen sollte. Oder ob ich mich nicht, wie meine Brüder, den Linksautonomen anschliessen sollte. Schliesslich habe ich mich dann aber für den Parteienweg entschieden, weil ich jetzt etwas verändern wollte.“

Tristan kann sich aus mehreren Gründen am besten mit der Jungen SVP identifizieren. „Für mich gehören die Bauern, wie das Kreuz der Fahne, zur Schweiz“, sagt er. Die SVP ist eine polarisierende Partei. Entweder man kann sich dafür begeistern, oder ist grundsätzlich anderer Meinung. Tristan hat das am eigenen Leib zu spüren bekommen: „Als ich der Partei beitrat, wurde ich in der Schule als Nationalsozialist beschimpft.“ Auch wenn die Jungsozialisten auf dem entgegengesetzten poltischen Spektrum polarisieren, hat Nora keine so heftige Reaktion auf ihren Beitritt erlebt. „Abgesehen von meinen Eltern und meinen Brüdern ist meine Familie bürgerlich. Sie hatten keine Freude, als sie es hörten, aber sie dachten vermutlich: ‚ja nu de halt…‘.“ Während Nora und Tristan schon seit längerer Zeit politisch in einer Partei aktiv sind, ist Celestina erst vor Kurzem den Jungen Grünen beigetreten.

Deine Meinung – meine Meinung?

Viele Parteien der Schweiz klagen ihr Leid, dass es immer schwieriger werde, Leute zu finden, die bereit seien, sich zu engagieren. Macht eine mögliche Karriere politisches Engagement interessant? Für Tristan ist klar, dass er gerne einmal in den Nationalrat möchte. Nora hingegen sagt: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, einmal nebenberuflich in einem Parlament zu arbeiten, aber die Politik soll nicht die Hauptrolle spielen in meinem Leben.“ Den jungen Menschen stehen noch so viele Wege offen, dass es schwer fällt, sich festzulegen. Celestina meint dazu: „In den nächsten Jahren passt ein festes politisches Engagement überhaupt nicht in meine Lebensplanung. Deswegen werde ich vorerst Parteimitglied bleiben.“

Egal ob man sich stark engagiert in der Partei oder nicht: Die Partei vertritt nach aussen Positionen, denen man vermutlich nicht immer gleich stark zustimmen kann. Oder wie sieht das den bei den drei Jungpolitisierenden aus? „Also bei der Juso ist es noch nie vorgekommen, dass ich grundsätzlich eine andere Meinung gehabt hätte“, meint Nora. Bei der SP sehe es schon ein wenig anders aus: „Der Idee von Roland Näf, Killergames in der Schweiz zu verbieten, kann ich gar nichts abgewinnen.“ „Ich fühle mich dem Parteiprogramm ehrlich gesagt nicht sehr stark verpflichtet“, meint Celestina.

Auch wenn nicht viele Gleichaltrige denselben Weg gehen wie Nora, Celestina und Tristan, hat sich von den Dreien noch niemand überlegt, wieder aus der Partei auszutreten.