Politik | 02.02.2010

Video killed the Radiostar

Wie sieht es aus mit dem Medienangebot für Jugendliche in der Schweiz? Werden sie aktiv ins Programm mit eingebracht? Wie viel Schulden hat die SRG? Jugendliche setzten sich an der Jugendsession Sommer mit diesen Fragen auseinander und forderten eine Jugendsendung im Schweizer Fernsehen.
Astrid Fretz (links) nahm im Plenum Stellung zur Petition, welche die Gruppe zuvor ausgearbeitet hatte. Diese Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten über die nationale Medienlandschaft. Barbara Büttner, Präsidentin der Mediengewerkschaft SSM, erläuterte die Finanzprobleme der SRG. Tink.ch-Redaktorin Michelle Stirnimann bei der Arbeit. Fotos: Kevin Frank

Zeitungen nehmen die Meinungen Jugendlicher zu wenig ernst und drucken diese auch zu wenig ab. Dies kristallisierte sich in der Gruppe „Medienlandschaft Schweiz“ zu Beginn der Diskussion heraus. So war eine erste Projektidee schnell gefunden: Eine Jugendzeitung à  la Tink.ch soll her, in der sich ausschliesslich Jungendliche zu politischen und kulturellen Themen äussern können. Parteiübergreifend und finanziert von den verschiedenen Jungparteien. Die Idee wurde aber verworfen. Stattdessen kreiste die Diskussion in der Gruppe nun um das Medium Fernsehen, da dieses mehr Jugendliche ansprechen würde.

Im Verlauf des Vormittags schauten Luzia Tschirky vom alternativen Radio Stadtfilter und Barbara Büttner, Präsidentin der Mediengewerkschaft SSM, vorbei. Büttner referierte kurz über die SRG und deren Verpflichtungen und Gesetze. Sie nannte auch einige rote Zahlen und wie diese Schulden zu begleichen sein könnten. Beide Expertinnen standen anschliessend Red und Antwort. Auf die Frage, ob Medien allgemein links seien, antwortete Büttner mit einem Schmunzeln: „Ich warte auf Beispiele: Wo sind wir so furchtbar links?“

Statement landet in der Schublade

Nach der Mittagspause ging es in der Diskussionsgruppe weiter. Nun hiess es für die Jugendlichen, sich zu entscheiden. „Was wollen wir fordern?“, fragten sie sich. Ein Statement, eine Petition oder eine Projektidee? Schnell wurde man sich einig: Eine Petition sollte formuliert werden. Eine solche würde am ehesten ernst genommen, während ein Statement allzu rasch in einer Schublade verschwinde.  

Wie könnten junge Leute dazu motiviert werden, auch politische oder wirtschaftliche „Erwachsenensendungen“ zu schauen? Durch eine neue Sendung vielleicht, für, von und zusammen mit Jugendlichen produziert? Im Fernsehen? Im Radio? In beiden Medien? Die Teilnehmenden diskutierten und und kamen zum Schluss: Im Fernsehen soll das Programm stattfinden. Denn TV würde mehr Jugendliche angesprechen als eine Radiosendung.  

„Jugendwoche“ im Schweizer Fernsehen

Zurück im eigenen Diskussionsraum wurde weiter an der Petition gefeilt. Im Stil der im Schweizer Fernsehen schon einmal durchgeführten „Kinderwoche“, in welcher Kinder aktiv mithelfen konnten hinter den Kulissen, aber auch vor der Kamera, fordern die Jugendlichen nun eine „Jugendwoche“. So würden die Jugendlichen einerseits Erfahrungen im Medienbusiness sammeln und sich andererseits direkt mit Politik auseinandersetzen. Die Medienarbeit könnte Jugendliche motivieren, Polit-, Wirtschaft- und Kultursendungen zu schauen und auch zu verstehen. Auch für den Zuschauer wäre eine Jugendwoche eine Abwechslung. Ausserdem seien bei der Kinderwoche die Quoten des Schweizer Fernsehens ja auch in die Höhe geschossen. Dasselbe würde bei der Jugendsendung sicherlich auch passieren, meinte eine Teilnehmerin.  

Um die Petition so genau wie möglich zu formulieren, wurde die Gruppe dreigeteilt. Die erste Gruppe befasste sich mit dem Zeitraum: Wie oft soll eine solche Jugendwoche ausgestrahlt werden? Die zweite Gruppe setzte sich mit der Frage der Sprache auseinander: Was macht sich besser? Im deutschsprachigem Raum mit der Ausstrahlung Jugendwoche beginnen und später weiterführen, oder schon von Beginn an in die drei Grosssprachregionen senden? „Wir könnten ja im deutschen Sprachraum beginnen, im Teletext Untertitel anzeigen“, so ein Votum.

Petition scheitert im Plenum

Gruppe drei hatte die schwierigste Aufgabe, ein Sendeformat zu wählen. In welchen heute schon existierenden Sendungen im Schweizer Fernsehen wäre es angebracht, die Moderation Jugendlichen zu überlassen und zusätzlich junge Studiogäste einzuladen? Als Beispiele fielen Politsendungen, wie „Arena“, oder „Club“ sowie Informationssendungen, wie „10 vor 10“ oder die Tagesschau. Schliesslich kam heraus: Einmal pro Quartal soll die SRG auf den drei Sendern SF, TSI und TSR eine Jugendwoche einführen. Während dieser Zeit übernähmen Jugendliche die Moderation von Sendungen in den Bereichen Politik, Kultur, Info und Unterhaltung. Jugendliche hälfen aber auch aktiv mit bei den Vorbereitungen der Sendewoche.

Obgleich sich die Teilnehmer in der Gruppe selbst bei der Erarbeitung der Petition einig waren, stiess die Forderung im Plenum auf grossen Widerstand. Die Jugendlichen zu motivieren, mehr fern zu sehen, sei ein falscher Weg, lautete ein Gegenargument. Zudem sei die Umsetzung dieser Idee unrealistisch und viel zu teuer. Trotz enthusiastischer Argumentation für die Petition waren die Zweifel des Plenums zu hoch: Die Petition wurde mit 16 zu 17 Stimmen abgeschmettert.  

Schweizer Medienlandschaft


Die fertig formulierte Petition der Gruppe "Medienlandschaft Schweiz" kannst du hier nachlesen. Was denkst du über die Petition? Kommentiere gleich anschliessend an diesen Artikel oder diskutiere weiter auf der Politplattform www.politnetz.ch.