Kultur | 22.02.2010

Texas als jährliches Mekka für die Musik

Text von Martin Sigrist | Bilder von SXSW
Mitte März findet im texanischen Austin das grösste Musikfestival der Welt statt. Ein Festival nicht im üblichen Sinne, trotzdem - oder gerade deswegen ein Blick wert.
Die Konzerte des SXSW finden nicht nur unter freiem Himmel statt.
Bild: SXSW

Das „South by Southwest“-Festival, kurz SXSW, wird von amerikanischen Zeitschriften treffend als Medien-Biest bezeichnet. Bestehend aus den drei Teilen „Music and Media“, „Film“ und „Interactive“ lockt es Tausende von Menschen vom 12. bis 21. März ins ansonsten beschauliche Austin in den USA. Die „Music and Media“-Convention vom 17. bis 21. März beendet das Festival und soll in dieser Form das grösste Musikfestival der Welt sein.

Die Grösse ist ja bekannterweise immer im Auge des Betrachters und dabei nicht immer ganz eindeutig. Ein paar Zahlen zum Festival können denn die Gedanken etwas schärfen. Den Musik-Teil des Festivals bestreiten knapp 2’000 Bands aus 42 Nationen, welche auf 86 Bühnen während fünf Tagen über 80’000 Besucher beglücken werden. Die Konzerte verteilen sich auf zahlreiche Clubs in Austin, der Stadt, welche nicht nur die Hauptstadt von Texas sondern eine der Musikhauptstädte Nordamerikas ist. An jeder Ecke ein Club, zu jeder Zeit irgendwo ein Konzert. So erstaunt es nicht, dass das Festival bereits zum 24. Mal stattfindet und jedes Jahr noch zuzulegen vermag.

Austin ist zwar in Texas, und sogar dessen Hauptstadt, wo George W. Bush vor seiner Präsidentschaft die Geschicke des Öl-Staates lenkte. Doch die Stadt ist alternativ, hip und grün und die Geburtsstadt der Bio-Kette „Whole Foods“. Es gibt Seen und Flüsse und sogar zahlreiche Fahrräder, welche sich auf Fahrradstreifen bewegen. Daneben werden die Strassen durch ein ausgebautes Bus- und Nachtbussystem entlastet.

Kein herkömmliches Festival

Das SXSW ist nicht ein Festival im herkömmlichen Sinne. Seit dem „Burning Man“-Festival in Nevada – einem Kunstfestival mitten in der Wüste, auf dessen Gelände ausser Eis und Kaffee bei Ticketpreisen von 300 Dollar überhaupt nichts verkauft wird – zeigen die Nordamerikaner, dass dies durchaus nicht immer so sein soll. Die Konzerte finden mehrheitlich nicht unter freiem Himmel und nicht auf einem einzigen Gelände statt, sondern verteilen sich auf viele beteiligte Clubs in der ganzen Stadt. Die Stadt, welche fast eine Million Einwohner zählt, wird damit sozusagen zu einem einzigen Festival. Dazu kommt, dass die Besuchenden nicht in Zelten wohnen; ein Zeltplatz fehlt gänzlich. Trotz südlichem Klima wäre das im März keine gute Idee. Logiert wird in Motels, auf Couches, auf dem Campus. Sogar die teuersten Luxus-Hotels sind während des Festivals ausgebucht. Dies zeigt, dass es bei dem Festival nicht nur um Musik, sondern auch um das grosse Geschäft und damit um viel Geld geht. Plattenfirmen, Magazine, Vermittlungsagenturen, Festivals und so weiter sind vertreten. Neben eigentlichen Konzerten finden viele Parties, Barbecues und Messen statt,wo sich die Welt der Musikschaffenden begegnen kann. Zusätzlich sollen gemeinsame Sportspiele die richtigen der Musikbranche zusammen bringen.

Das Festival soll trotz der Business-Atmosphäre allen Menschen offen stehen. Zahlreiche Konzerte sind gratis, ein Dauerpass für alle Veranstaltungen im Bereich Musik für alle fünf Tage kostet hingegen gute 700 Franken.

Ob das Festival ein Genuss ist oder ob’s vor allem um viel Geld geht und die Musik in der schieren Masse untergeht, wird Tink.ch vor Ort zu ergründen versuchen.

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