Kultur | 22.02.2010

Narrentreiben in den Gassen

Text von Eva Hirschi | Bilder von luzern.ch
Guggenmusik, kreative Umzüge und Kostüme prägen einmal im Jahr das Bild der Schweiz. Es gilt, vor der Fastenzeit noch einmal ausgiebig zu feiern und mit Masken vorübergehend in eine andere Identität zu schlüpfen. Ansonsten sind die Fasnachtstraditionen jedoch - wie für die föderalistische Schweiz typisch - ziemlich unterschiedlich.
In Luzern vertreiben Vollmasken den Winter.
Bild: luzern.ch

Luzern mit Riesenquallen

In Luzern beginnt die Fasnacht am Schmutzigen Donnerstag um fünf Uhr morgens mit der Ankunft von Bruder Fritschi, dem Oberhaupt der grössten Zunft Luzerns, und einem „Urknall“, dem ohrenbetäubendem Startschuss der Fasnacht. Die Guggenmusiker ziehen durch die Stadt und Fritschi und die Wöschwyber treiben in den Gassen ihr Unwesen. Die Rathaustreppe beziehungsweise der Platz „onder de Egg“ wird während einer Woche zum Mittelpunkt des Fasnachtstreibens. Die vielen kreativen Vollmasken prägen das Bild der Stadt, so sind zum Beispiel auch Starbucks-Sessel und Riesenquallen zu sehen.
Als Luzerner gehöre es einfach dazu, mindestens einmal unter der Egg zu hüpfen und zu schreien, meint der begeisterte Fasnächtler Marcel Ottiger. Ausserdem sei die Fasnacht eine super Kontaktbörse. „Alle sind (feucht)fröhlich und man lernt schnell Leute kennen. Man trifft aber auch alte Schulfreunde oder Nachbarn von früher oder nimmt mal einen Kaffee ‚Zwätschge‘ mit der Mutter eines fernen Bekannten.“

Solothurn wird zu Honolulu

Auch in Solothurn beginnt am Schmutzigen Donnerstag die Fasnacht, und zwar mit der „Chesslete“. Solothurn heisst während dieser Zeit nicht mehr Solothurn sondern Honolulu und die Rathausgasse wird zur Eselsgasse. Um fünf Uhr früh sind alle Solothurner in den Gassen und feiern lautstark. Selbst der Chef sei am nächsten Tag nicht böse, wenn man erst gegen 10 Uhr ins Büro komme, meint Florian Stüdeli aus Solothurn. Am Fasnachtssonntag symbolisiert ein Kanonenschuss um exakt 14.31 Uhr den offiziellen Start des Umzuges. Im Anschluss findet auf der St. Ursen Treppe die Monster-Guggete statt. Auch hier findet man viele kreative Kostüme. Manuel Adatte und seine Freunde suchen sich jedes Jahr ein gemeinsames Motto, so waren sie schon als Bösewichte der Batman Filme oder als Ghostbusters unterwegs. Bis Fasnachtsdienstag wird durchgefeiert und erst wenn die Solothurner zum Zapfenstreich das traditionelle Lied „I ma nümm, i ma nümm“ anstimmen und der Böögg verbrennt wird, verwandelt sich Honolulu wieder in Solothurn.

In Bern ist der Fasnachtsbär los

Während in verschiedenen Städten die Fasnacht mit dem Aschermittwoch zu Ende geht, beginnt sie in Bern erst am darauffolgenden Donnerstag. Beim Käfigturm wird um 20 Uhr der Fasnachtsbär aus dem Winterschlaf geweckt und feiert anschliessend mit den Bernerinnen und Berner bis zum frühen Sonntagmorgen in der schönen Berner Altstadt. „Die Fasnacht bedeutet für mich, einmal wieder so richtig die Sau rauszulassen und sehr viel Spass zu haben“, meint Sarah De Piano aus Bern. Ausserdem sei sie immer wieder überrascht, wie viele Leute doch eigentlich im kleinen Bern feiern können. Michelle Stirnimann ging schon als kleines Mädchen Jahr für Jahr an die Fasnacht. „Für mich ist Fasnacht eine kleine Familientradition“, sagt sie.

Basel und seine Schnitzelbänke

In der Stadt am Rheinknie, dem Ursprung der Guggenmusik, findet die Fasnachtszeit der Schweiz ihren Schluss- und für die meisten ganz klar auch den Höhepunkt. Mit dem Morgenstreich am 22. Februar beginnt in Basel die Fasnacht. Um vier Uhr früh wird in der Stadt die öffentliche Beleuchtung ausgeschaltet, Licht bilden nun traditionelle Laternen. Es finden mehrere Umzüge durch die ganze Stadt statt. Zu den Hauptakteuren gehören die Trommler, die Pfeiffer und die Schnitzelbänkler, die kunstvollen Masken („Larven“) und nicht zu vergessen sind natürlich auch die grossen Laternen und Wagen, auf denen die Fasnachtsgruppen jedes Jahr regionale und nationale Themen aus unterschiedlichen Bereichen präsentieren.
Am Mittwoch geht dann auch hier die sogenannte fünfte Jahreszeit zu Ende, der Alltag pendelt sich wieder ein und nichtsdestotrotz beginnen die eingefleischtesten Fasnächtler schon bald mit dem Ideensammeln für das Kostüm im nächsten Jahr.