Gesellschaft | 01.02.2010

Mit rotem Prada-Kussmund

Neues Jahr, neue Mode. Wessen Garderobe noch eine Auffrischung vertragen kann, dem seien hier die wichtigsten Trends des Jahres preisgegeben.
Es darf auch einmal zu viel sein: Roter Lippenstift ist im Jahr 2010 trendy.
Bild: www.pixelio.de/andreab.

Dieses Jahr wollen die Designer uns von hautengen Kleidern geplagten Seelen verwöhnen, und zwar mit alltagstauglichen, sportlichen wie rustikalen Looks. Doch allzu bequem darf es auf dem Fashion Olymp selbstverständlich nicht werden, so werden die Gesundheitsschuhe mit hübschem Pfennigabsatz verschönert (danke dafür, Miss Stella McCartney).

Einer der wichtigsten Trends bleibt nach wie vor Leder. In allen Formen, an allen Teilen des Körpers. Ob nun in Hotpants-Form bei Hérmes oder als Kleid bei Sofia Kokolosaki – die Designer lieben das edle Material. Für die Tierschützer und am Hungertuch nagenden empfiehlt sich die Leder-Imitat-Variante. Damit’s im Sommer nicht zu heiss wird, empfiehlt sich die perforierte Variante. Ja, das heisst, dass es kunstvoll aneinandergereihte Löchlein im Leder hat.

Mit rotem Kussmund

Farbentechnisch verwandelt sich die Frau von heute in eine Femme Fatale, denn Rot ist wieder gross im Kommen. Eindrücklich stellt das Lanvin zur Schau. Doch nicht nur die Roben dürfen Rot sein, auch die Lippen werden wieder im verführerischen Rot angepinselt. Perfektioniert sehen wir den Kussmund bei Prada. „Lippen, die zugleich gefährlich und unschuldig wirken. Das muss man erst mal schaffen!“ frohlockte Pat McGrath über die ansehnlichen Modellippen bei Prada. Doch nicht nur Rot lässt die Modeherzen höher schlagen, denn auch ein aquatisches blau oder Pastelltöne aller Art sind inzwischen durchaus strassentauglich geworden und werden nicht mehr mit Lloret-del-Mar oder Sahnetorten assoziiert. Wem das alles zu farbenfroh ist, der kann auf die Klassiker Weiss oder Grau zurückgreifen, denn auch damit liegt man dieses Jahr nicht falsch.

Was die Muster betrifft, wird das Auge auf eine harte Probe gestellt, denn die schroffen schwarz-weiss Kontraste, die beispielsweise bei Temperley London oder Givenchy by Riccardo Tisci auf dem Laufsteg präsentiert wurden, sind nichts für schwache Hornhaut. Wem das ein bisschen zu wild ist, der verlässt sich lieber auf die weitaus entspannteren, nicht minder schönen Ethno Prints.

Kind, so nicht!

Der Cut-Out Trend bleibt uns weiterhin erhalten, doch dürfen sich unsere Augen dieses Frühjahr über weitaus provokantere Kleidchen freuen. Und zwar ganz nach dem Motto „was drunter kann, darf auch drüber“. Die Boudoirs kommen. Das jedoch ohne Plüsch. Leichtigkeit, gepaart mit einer gewissen sexy-eleganten Luftigkeit. Puder und Schwarz. Mein persönlicher Lieblingstrend ist somit also offiziell für strassentauglich erklärt. Auch wenn man dann auf besagter Strasse mit empörten Blicken von Seiten der Frauen und grossen Augen von Seiten der Männer rechnen muss. Wer dieses Risiko dann doch nicht eingehen will, der kann sich getrost in die immer noch aktuellen Denimkleidchen hüllen. Für den grossen Auftritt am Abend sorgen schwarze Spitze oder die mit Pailletten übersäten Kleider bei Burberry Prorsum oder Lanvin. Klotzen ist hui, kleckern pfui. Dieses Frühjahr/ Sommer ist beinahe alles erlaubt, ob nun geknotet, gewickelt, gelöchert oder geprotzt – Hauptsache eure Mutter würde sagen „Kind, so kannst du doch nicht aus dem Haus!“