Politik | 28.02.2010

„Mischung aus Alt und Jung ist das Beste“

Text von David Naef | Bilder von jevp.ch
Kaum 18 Jahre alt und schon will sie in der Politik mitreden. Nadine Löffel kandidiert für die junge EVP als jüngste Kandidatin für die Berner Grossratswahlen vom 27. März.
Ihr Vater Ruedi Löffel (EVP) ist dort, wo sie hinwill: Nadine Löffel, 18, kandidiert für den Grossen Rat.
Bild: jevp.ch

Mit 18 Jahren bist du die jüngste Grossratskandidatin. Wie fühlt sich das an?

Jüngste Grossratskandidatin zu sein ist ein besonderes Gefühl. Man kann das wahrscheinlich nur einmal im Leben. Ich hoffe mit meiner Kandidatur auch andere junge Leute für die Politik zu motivieren.  

Gibt es nicht einfachere Wege, Jugendliche für ein politisches Engagement zu begeistern?

Natürlich gäbe es andere Wege. Meine Freude beginnen aber genau aufgrund meiner Kandidatur nachzudenken und in ihnen kommt Neugierde auf, was Politik betrifft. Zudem werde ich auf diesem Weg von den Medien am besten wahrgenommen.    

Du besitzt doch zu wenig Lebenserfahrung, um bei wichtigen politischen Themen mit zu entscheiden?  

Natürlich habe ich nicht gleich viel Erfahrung wie ältere Politiker. Es braucht aber auch junge Menschen, die sich engagieren und ihre Lebenserfahrung aus der noch nahen Kindheit und Jugend einsetzen. Viele politische Entscheidungen behandeln  schliesslich die Zukunft der Jugend.    

Was möchtest du in der Politik erreichen?  

Ich möchte, dass sich mehr Junge für Politik interessieren und selber mitbestimmen. Man sollte auch sorgfältiger mit der Umwelt umgehen und zum Beispiel öfter den öV benutzen. Deshalb wäre es sehr wichtig, dass die Billettpreise nicht weiter steigen. Dass immer wieder über Steuersenkungen diskutiert wird, macht mich nachdenklich. Ich hoffe doch, dass der Kanton Bern auch in 30 Jahren nicht total verschuldet sein wird.    

Dein Vater, Ruedi Löffel, hat bereits ein Grossratsmandat inne. Sollte er seinen Platz für junge Politikerinnen und Politiker wie dich räumen?  

Ich glaube, dass eine Mischung zwischen Alt und Jung das Beste ist. So können die Generationen voneinander lernen. Natürlich würde er mir den Sitz gerne freigeben, wenn ich mehr Stimmen bekäme.    

Wie reagieren deine Freunde auf deine Kandidatur?  

Einigen ist es egal. Viele unterstützen mich aber und finden meine Kandidatur eine super Sache. Zum Beispiel hat ein Kollege für mich eine Facebook-Unterstützungsgruppe gebildet, die heute schon über 400 Personen zählt. Andere sagen mir, dass sie an ihrem Wohnort Werbung machen werden oder sie helfen mir beim Strassenwahlkampf.    

Meinst du, junge Leute besitzen mit Facebook heute mehr Chancen, gewählt zu werden als früher?

Ich glaube nicht, dass Facebook entscheidend ist. Aber durch Facebook kann ich einige Leute ansprechen, die ich sonst nicht erreichen würde.  

Wirst du „blöd angemacht“ wegen deiner Kandidatur?  

Natürlich fiel auch schon ein-, zweimal eine blöde Bemerkung. Aber die sind heute ja „normal“. Die positiven Rückmeldungen überwiegen bei weitem.    

Was machst du ausser Politik sonst noch?  

Ich tanze gerne, spiele E-Gitarre und singe ab und zu. Eine Jungschargruppe leite ich auch noch. Es bereitet mir sehr viel Freude, mit jüngeren Menschen zusammen zu sein und ihnen auch von Gott zu erzählen. Meine Kollegen und Kolleginnen sind mir natürlich ebenfalls sehr wichtig.    

Du sprichst von Gott. Möchtest du im Grossrat missionieren?

Nein, das habe ich nicht vor. Aber ich lebe meinen Glauben und möchte so nicht nur in der Politik ein Zeichen setzen für Gott. Ich hoffe, dass mein Glaube mein Reden und Handeln spürbar beeinflusst.

    

Was tust du als erstes, wenn du tatsächlich in den Grossen Rat gewählt wirst?  

Ich glaube, zuerst werde ich es gar nicht realisieren oder nicht für wahr halten. Dann werde ich wohl alle Leute umarmen, die gerade um mich sind.  

Hast du konkrete Ziele für deine politische Karriere?  

Es wäre natürlich schön, wenn ich in den Grossen Rat gewählt würde. Wenn nicht, werde ich das Gymnasium wie vorgesehen weiter besuchen und danach studieren. Ich werde mich aber immer da einsetzen, wo es möglich oder hilfreich ist. Und wer weiss, vielleicht klappt es mit dem Grossen Rat auch zu einem späteren Zeitpunkt.