Kultur | 15.02.2010

Literarischer Erfolg im Viererpack

Text von Tink.ch | Bilder von Tink.ch
Wofür stehen eigentlich die vier Buchstaben, die den Namen unseres Magazins bilden? Ein Vorschlag: Talent Ist Nicht Käuflich. Denn reich wird man bei Tink.ch bekanntermassen nicht, für Ruhm und Ehre reichts aber allemal.
Im Uhrzeigersinn: Tian Hartmann, Melanie Pfändler, Nils Pfändler und Jessica Hefti.
Bild: Tink.ch

So oft ist Kutti MC’s Gesicht wohl noch nie in der Presse auftgetaucht. Über Wochen hinweg blickte der Wortvirtuose den müden Pendlern entgegen, versprach Ruhm und Ehre und – im Fall der Fälle – 15-˜000 Franken Gage, gesponsert von Blick am Abend und den Thalia-Buchhandlungen. 3400 Leser versuchten ihr Glück, 82 wurden von der Jury für die nächste Runde auserkoren. Wir dürfen mit Stolz verkünden, dass sich darunter auch vier Tink-Autoren befinden. Herzliche Gratulation!

Die Autoren im Überblick:

Ein Teil des Quartetts ist Tian Hartmann, Mitglied der Zürcher Redaktion. Im Hinblick auf seinen Schreiberfolg erhält der folgende Auszug aus Tians Tink-Profil fast schon einen prophetischen Beigeschmack: „Das Schreiben ist eine grosse Leidenschaft, meist aber nicht mehr als ein innerer Druck, der mich drängt, um mich dann im Stich zu lassen. Aber wenn ich erst einmal gross bin, dann will ich schreiben, schreiben und so gut es geht vom Schreiben leben.“ Mit „Damenschuh“ – einer ironischen, feinfühligen Geschichte über das Fluch-oder-Segen-Potential verlorener Frauenschuhe ist er diesem Ziel einen Schritt näher gekommen.

Die erste Hürde gemeistert hat auch Jessica Hefti. Als Reporterin für Tink.ch überzeugte Jessica unter anderem mit Texten über Flughafenfische und einen waghalsigen Filmdreh im Baltikum. Den Thalia-Experten Daniel Erni und Blick am Abend-Textchef Peter Exinger verführte sie frei nach dem Motto „Sex sells„: Die Hauptfigur ihrer Shortstory ist eine Pornodarstellerin, die auch in ihrem 53. Film spitzensportmässig unterwegs ist und die Hoffnung auf einen Hauch Rock’n’Roll noch nicht verloren hat. Jessicas Text bewegt sich hautnah am Geschehen: „Es war ein Entschluss für dieses Scheinwerferlicht zu leben. Strahlt es mich an, bin ich noch nackter. Manchmal spüre ich die Hitze nahe der Lampe von weitem, wie es die letzte Intimität verbrennt.“

Der jüngste unserer Tink-Autoren hat schon vor dem Wettbwerb beeindruckende Resultate seines literarischen Könnens abgeliefert: Im zarten Alter von 18 Jahren schrieb Nils Pfändler die Novelle „Ein Häftling“, die auf Tink.ch als neun-teilige Serie veröffentlich wurde – man erinnere sich an das transparente Fliegenungeziefer, das über Wochen auf unserer Frontseite prangte. Genau ein Jahr ist seit der Veröffentlichung des ersten Kapitels vergangen und Nils-˜ Schreibwut ist noch nicht gestillt. Im Gegenteil: Dass die eingereichten Geschichten das Thema „Sehnsucht“ behandeln sollten, schienen den Zürcher Oberländer gerade recht zu kommen. Sein Text trägt den Titel „Leben“ und verschmilzt den unbändigen Hunger nach eben diesem mit einer Melancholie, die bereits in seiner Novelle durchschimmerte. Der innere Monolog eines Kindes, das kurz nach seiner Geburt stirbt, geht zu Herzen: „Mein Name wäre Fabian“ – schon der erste Satz lässt Gutes erahnen.

Die vierte im Bunde ist nicht nur Tink-Mitglied der ersten Stunde, sondern auch Nils ältere Schwester. Melanie Pfändler, die für Tink als ÖV-Wanze, Reisekolumnistin und Gitarrenfieber-Interviewerin unterwegs ist, bewegt sich mit ihrem Text im Zwielicht eines anonymen Rotlichtviertels: „Ein Mädchen ging vorbei, mit wehendem Mantel, eine ganze Welt in die Ohren gestöpselt. Den Blick auf den Boden gerichtet wich sie einer Pfütze aus. Streifte seinen Arm. Einen Moment lang dachte er daran ihr nachzusehen.“ Der Protagonist in „Beischlaf“ sucht nicht das Mit- sondern das Beieinanderschlafen, nicht den Lustexzess, sondern die Flucht aus der Einsamkeit – und den Duft hausgemachter Gerstensuppe.

Vier ganz verschiedene Texte, die eines gemeinsam haben: Man kann für sie abstimmen. Bis zum 23. Februar sind die Leitungen für Voting-SMS offen. Die 40 beliebtesten Autoren schaffen es in die nächste Runde: Anfang März finden in vier Schweizer Städten öffentliche Lesungen statt, bei welchen die Schreiberlinge um die Gunst des Publikums und Jury-Direktors Kutti MC buhlen. Wer auch dann besteht, darf am 23. März am grossen Finale in der Zürcher „Seefeld Razzia“ teilnehmen.

Toi toi toi, liebe Tinks und Tinkerbelles!

Die Geschichten im Überblick und SMS-Voting (-.90/SMS):

Tian Hartmann: „Damenschuhe

(sende SEHNSUCHT61 an 920)

Jessica Hefti: „Noch Sex, keine Drugs & Hoffnung auf Rock’n’Roll“

(sende SEHNSUCHT39 an 920)

Nils Pfändler: „Leben“

(sende SEHNSUCHT04 an 920)

Melanie Pfändler: „Beischlaf“

(sende SEHNSUCHT34 an 920)

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