Gesellschaft | 16.02.2010

Lebt euren Traum und glaubt an euch!

Text von Diana Berdnik | Bilder von www.sf.tv
Nadia Holdener hat vor beinahe sieben Jahren an der Kanti am Burggraben in St. Gallen die Matura gemacht. Danach ist sie dank glücklicher Umstände im Schweizer Fernsehen gelandet und arbeitet dort im Kinderprogramm als Redaktorin und Moderatorin.
"Die Leute um mich waren ziemlich geschockt, als ich ihnen erzählte, dass ich mich beim Fernsehen beworben habe."
Bild: www.sf.tv

War es für dich schon immer klar, dass du einmal beim Fernsehen arbeiten wirst?

Nein, die Leute um mich herum waren ziemlich geschockt, als ich erzählte, dass ich mich da beworben habe. Eigentlich wollte ich Musik machen, oder eben Tontechnik, und habe mich beim Schweizer Fernsehen umgesehen, welche Möglichkeiten es gibt. Da habe ich das Inserat gefunden und mich fürs Kinderprogramm beworben. Das Alter, der Dialekt und der Charakter haben zu den Anforderungen gepasst und ich fühlte mich sehr angesprochen. Auf der Maturareise in Prag habe ich dann erfahren, dass ich den Job habe. Sonst hätte ich wohl ein Zwischenjahr gemacht. Für ein Studium konnte ich mich damals noch nicht entscheiden.

Jetzt studierst du aber doch.

Ja, an der Zürcher Hochschule für Kunst. Es geht im Studium um neue Medien. In Zukunft werden nämlich immer mehr Leute gebraucht, die Experten sind auf vielen Gebieten, solche, die sich im Schreiben, beim Radio und beim Fernsehen auskennen.

Gibt es etwas, was du in der Kanti gelernt hast und heute noch bewusst brauchst?

Dazu gehört vermutlich das breite Allgemeinwissen. Dabei ist es aber vor allem wichtig zu wissen, wo man etwas nachlesen kann. Aber besonders habe ich gelernt, dass man vieles zusammen machen muss. Beim Fernsehen bin ich vor der Kamera auch nur so gut wie mein Team.

Es war also der Job, der dich von St. Gallen weggeholt hat?

Ja. Früher wollte ich nicht nach Zürich ziehen, aber nach zwei Wochen pendeln habe ich mich dann doch dazu entschieden. Jetzt habe ich mich mit dieser Stadt arrangiert und muss sagen, dass es hier durchaus auch ganz liebe Leute gibt.

Was vermisst du an St. Gallen?

Es ist total lieb gemeint, ich vermisse das Kleine, Herzige. Man fühlt sich sofort zu Hause, wenn man aus dem Zug steigt. Da sind die schöne Altstadt, die Weihern, die Kanti und der Park davor. Das gehört zu meiner Heimat und die wird es auch immer bleiben.

Was gefällt dir nicht an St. Gallen?

Dass es so weit weg ist.

Kannst du dir vorstellen, eines Tages wieder zurück zu kommen?

Ich würde nicht nein sagen. Es ist einfach so, dass die Medienlandschaft in der Ostschweiz nicht besonders gross ist. Aber ich fände es toll, dann könnte ich öfters an den FC St. Gallen-Match.

Du schwärmst von Prag, wäre es auch eine Option für dich, dort zu leben?

Eine Option auf jeden Fall. Ich glaube nicht, dass ich auswandern würde, dafür mag ich die Schweiz zu sehr. Ich gehe aber immer wieder gerne dort in die Ferien und könnte mir auch vorstellen, eine Weile dort zu leben. Nur sind meine Tschechischkenntnisse nicht so gut, dass ich dort als Journalistin arbeiten könnte.

Wie ist es, prominent zu sein?

Da stellt sich noch die Frage, ob ich prominent bin. Es gibt ja viel bekanntere Moderatoren, beispielsweise jene vom Abendprogramm. Darum kann ich meistens unerkannt durch die Stadt laufen. Manchmal werde ich doch angesprochen, teilweise von Kindern oder auch von Erwachsenen. Ich habe auch nichts gegen ein kurzes Gespräch oder ein Feedback. Was ich nicht mag ist, wenn man mich permanent anglotzt ohne etwas zu sagen. Das ist mühsam, denn eigentlich bin ich ein ganz normaler Mensch wie jeder andere auch.

Worum geht es in deiner Kindersendung?

Es ist eine Bastelsendung und heisst „Trash-up“. Dort basteln wir aus Recyclingmaterialen allerlei Dinge. Die Idee ist, dass man nach der Sendung gerade loslegen kann und nicht im Bastelladen teure Sachen kaufen muss. Gleichzeitig ist es auch eine Umweltsendung. Zu Beginn gibt es immer einen Einspieler, wo ich unterwegs bin und zeige, wie Dinge recycled werden. Es ist wichtig, dass man der Umwelt Sorge trägt.

Kannst du dir vorstellen, eine neue Sendung zu moderieren?

Ich sage grundsätzlich nicht nein. Es hat mir auch sehr viel Spass gemacht, als ich in anderen Formaten co-moderieren durfte. Die grosse Galashow werde ich wohl nie moderieren, ich sehe mich einfach nicht im Abendkleid und Highheels.

Kinder schauen grundsätzlich zu viel Fernsehen. Was sagst du dazu?

Ich finde, man soll denn Kindern das Fernsehen nicht wegnehmen und verbieten. Früher oder später werden sie damit in Verbindung kommen und wenn sie nicht lernen, ein vernünftiges Mass zu finden, werden sie es auch im Erwachsenenalter viel schwieriger haben. Die Eltern müssen zusammen mit den Kindern ins Internet oder vor den Fernseher und zeigen, welches Programm für die Kids ist. Wenn ich also ein gutes Kinderprogramm mache, können die kleinen Zuschauer bedenkenlos auch mal alleine bleiben und die Eltern haben Zeit für sich. Ausserdem hole ich die Kinder vom Fernseher weg, wenn sie die Dinge dann nachbasteln. Ich denke nicht, dass eine Bastelsendung schädlich ist.

Was würdest du den Jugendlichen heute empfehlen?

Seid ein bisschen verrückt und lebt euren Traum. Macht das, was euch Spass macht und glaubt an euch.