08.02.2010

Kampf der Stereotypen

Text von Audrey Djouadi
Die Discos in grossen Schweizer Städten werden oft von zwei weiblichen Stiltypen dominiert: Indie-Girls und Nu-Rave Chicks. Woran erkennt man sie und was sind ihre Motive?
Indie-Girl "Fine Frenzy" gegen die gefürchteten Discobitches - ein Kampf mit ungleichen Waffen. Collage: Martin Sturzenegger

Eine Gruppe von Mädchen, uniformiert in neongelben Leggins, einem Zebratop, einer funky Sonnenbrille (Wird bei Tag oder Nacht, Sonne oder Regen getragen. Nur so ist’s richtig cool.) und einem paar Sneaker, die etwa so bunt sind wie das Erbrochene eines Schlumpfes auf LSD. Wer’s bis jetzt noch nicht verstanden hat: wir reden von den Discobitches, oder wie im Volksmund genannt von den Nu-Rave-Chicks.

Entlehnt aus den 80ern

In Zürich stolziert diese äusserst interessante Randgruppe seit etwa 2007, zeitgleich mit der Veröffentlichung des ersten Klaxons-Albums, denn die „Gründer des Nu-Raves“ dienen den Discobitches als Inspirationsquelle Nummer eins. Des Weiteren holt man sich seine Stylingideen gerne aus alten Duran Duran Musikvideos.

Wurde dann erst mal genug aufgehübscht, so begibt sich die Discobitch, oder häufig auch die gesamte Discobitches-Gruppe, in einen Club ihrer Wahl. Getanzt wird zu schwitzigen Electro-, oder im besten Fall auch zu Nu-Rave-Beats, getrunken wird ein Drink, der zur flippigen Farbe der Leuchtstäbli um das Handgelenk passt. Die Königin/Oberbossin der Discobitches erkennt man an der Anzahl von Spielzeug, das an die Halskette montiert wurde. Beliebte Objekte sind in diesem Fall die lustigen kleinen Kameras, die man als Kind so geliebt hat. Oder auch eine alte Kassette eignet sich bestens, um zum feschen Halsschmuck umfunktioniert zu werden. Die Männer dieser Art kleiden sich übrigens ebenso bunt, nur dass die engen Röhrenjeans auf Halbmast stehen und die Köpfe mit „Oh my god it’s electro music“-Mützen bedeckt.

Friedlichere Indie-Girls

An der anderen Front kämpfen die weitaus friedlicheren Indiegirls. Sie freuen sich über entspannte Gitarrenmusik à  la Adam Green und träumen alle davon, mit einem „alten VW-Bus durch die Welt reisen“. Typisch für die meist 13-16 jährigen Indiegirls sind Taillenröcke von American Apparel in allen Farben des Regenbogens. Finanziert werden die natürlich von den gutgläubigen Eltern, die nicht ahnen, dass ihre süssen Wonneproppen wochenends rumhängen und Bier trinken. Wenn die Temperaturen das auch zulassen, ist der beliebteste Rumhäng-und-Biertrink-Ort die Zürcher Rentenanstalt. Ein weiterer Zeitvertreib ist es für die Indiegirls, Bilder von sich zu machen, diese stundenlang am heimischen Computer zu bearbeiten und danach auf das Netlog-Profil zu laden. Wo man schon 200 Freunde hat und jeden Tag 13 Kommentare kriegt, imfall! Die Zeit des Jahres ist natürlich, wie für jeden Musikliebhaber, die Festivalzeit. Doch besuchen unsere Indiegirls diese Festivals nur zu 50% wegen der Musik, denn ebenso wichtig ist es, eines der coolen Armbändeli zu ergattern, welche man dann auch noch sechs Monate nach dem Festival trägt. Egal ob es nun vor Dreck steht, man muss schliesslich sehen, dass Indiegirl an diesem Festival war.

Wer die Sieger dieses Kampfes sind, ob es überhaupt ein Kampf ist oder doch eher ein friedliches Nebeneinanderleben und -lebenlassen? Wenn wir auf unsere Vergangenheit zurückblicken, gehörten wir bestimmt schon alle der einen oder anderen Randgruppe an. Ich persönlich hab mich eine Zeit lang als Skaterin versucht, was aber aufgrund meiner Unfähigkeit bei allem was Kraft oder Gleichgewichtssinn erfordert, gescheitert ist.

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