22.02.2010

„I am the singer!“

Text von Seraina Manser | Bilder von Hilde Mesics
Dieses Wochenende fand in St.Gallen zum vierten Mal das Nordklangfestival statt. Musiker aus dem hohen Norden bewiesen ihr Können in fünf verschiedenen Lokalitäten in St.Gallen. Die Retrospektive einer Helferin.
Moddi Knutsen wurde schliesslich doch noch eingelassen und spielte und sang. Sehr schön sogar.
Bild: Hilde Mesics

Pfalzkeller 19.45 Uhr

„Nein, ich habe noch kein Ticket. Wo kann ich denn das kaufen? Aha, in der Kellerbühne. Ja, wo ist denn die?“ Zum hundertsten Mal erkläre ich einem Besucher, wie er vom Pfalzkeller zur Kellerbühne kommt.

Halt, da will sich einer durch den Eingang schmuggeln. „Stopp“, sage ich, „könnte ich deinen Bändel sehen?“ „I am the singer!“, erwidert der kleine, unscheinbare Mann. Stimmt. Dieser blonde Lockenkopf in Norwegerpulli kommt mir bekannt vor. Ich hab ihn im Nordklangprospekt gesehen, er heisst Pål Moddi Knutsen und wird um halb zehn ein Konzert geben. „Oh, I am sorry!“, sag ich. Er schenkt mir ein breites „Michel aus Lönneberga“-Lächeln und schlendert mit einem Akkordeonkasten auf dem Rücken Richtung Backstagebereich.

Pfalzkeller 21.45 Uhr

Pål Moddi Knutsen fasziniert. Es gelingt ihm, einen Bann heraufzubeschwören, man will ihm nur noch zuhören und vergisst alles nebenbei. Mit seiner rauchigen Stimme singt er poetische, verträumte Lieder, begleitet von einer Cellistin, Gitarre oder Akkordeon.

Zwischendurch erzählt er gerne Anekdoten. Er bedankt sich beim „local music store“ für die Instrumente, denn seine eigenen wurden ins falsche Flugzeug verladen und schweben wahrscheinlich jetzt noch irgendwo über dem Atlantik. Was auffällt: Moddi ist barfuss.

Das passt zu diesem Naturburschen. Aufgewachsen auf der norwegischen Insel Senja, begann er 2004 mit dem Schreiben von eigenen Songs.

Grabenhalle 23.20 Uhr

Die Temperaturen passen zum Nordklangfestival, bei gefühlten 30 Grad minus laufe ich schnurstracks zur Grabenhalle. Ein krasser Gegensatz. Im Vergleich zum mystisch leisen Sound im Pfalzkeller erwartet mich hier die einzige Punkband der Färöerinsel: 200. Ihre Songs sind aber nicht einfach lautes Geschrei und Gedröhne sondern sogleich ein Plädoyer und Aufruf zur Unabhängigkeit der Färöerinseln von Dänemark. Die Texte sind auf färöisch, was auf mich sehr interessant wirkt. Zwischen zwei Songs bringt der Leadsänger Niels Arge Galan dem Publikum ein Schimpfwort auf färöisch bei, das hier selbstverständlich nicht veröffentlicht wird. Bevor mir das Trommelfell platzt, wechsle ich ins Palace.

Palace 23.47 Uhr

Es ist kaum ein Durchkommen möglich. Die dänische Band Under Byen scheint zu gefallen. Die Musik der achtköpfigen Band wird von Klavier, Cello, Geige, elektronischer Orgel und Percussion dominiert. Ich gebe mich mit einem Platz an der Bar zufrieden und löse meinen Getränkegutschein ein, den ich als Helferin bekommen habe.

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