Gesellschaft | 15.02.2010

Gutschein für einen Konfetti-Verschuss

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel
Die St. Galler Fasnacht ist ein grausamer Brauch. Jedes Jahr wird ein ehrenwerter Bürger der Stadt verschossen. Mit der Konfetti-Kanone. Dieses Mal hat es den Stadtpräsidenten erwischt, der die Bürger etwas zu grosszügig beschenkt hatte.
Konfetti- statt Geldregen für Dagobert Duck alias Stapi Thomas Scheitlin.
Bild: Julian Stiefel

Auch dieses Jahr wurde wieder ein Ehren-Födlebürger gewählt. Dieser musste sich am Samstag Abend zu seiner Ehrung vor die grosse, gefürchtete, rostige, knarrende und dampfende Konfettikanone stellen. Als Dagobert Duck verkleidet trat der Ehrenföbü auf die Bühne. Seine letzten Minuten als „normaler“ Bürger hatten geschlagen.

Nicht viel änderte sich am alten Brauch. So wurde auch dieses Jahr wieder eine kleine Vorführung gehalten. Bis zum Ende blieb es ungewiss, wer die Ehre hat. Er solle was mit Geld zu tun haben, hiess es. Unter grossem Gejubel trat Onkel Dagobert auf die Bühne.

Gewählt dank Grosszügigkeit

Nach der Laudatio des Ehrenföbü Walter Eggenberger (vor einigen Jahren gewählt), wurde der diesjährige Ehrenföbü bekannt gegeben. Es handelt sich dabei um Thomas Scheitlin, Stadtpräsident und nun 36. Ehrenfödlebürger. Gewählt wurde er vom Kreis der Ehrenfödlebürger aufgrund der St.Galler Gutscheinaktion. Jeder Stadtbewohner erhielt 2009 einen 50 Franken Gutschein, welcher bei verschiedenen St.Galler Ladengeschäften eingelöst oder gespendet werden konnte. Die Idee war, damit die Konjunktur anzukurbeln, was auch gelang.

Walter Eggenberger erwähnte in seiner Rede ironisch, dass man doch als Kind auch immer Geld bekommen hat, wenn die Eltern einen „Seich“ gemacht haben. Bei der Gutscheinaktion hatte es nämlich zahlreiche Kritiker gegeben.

St. Gallen an den See

Vor dem gefürchteten Konfetti-Kanonenschuss, dem Föbü-Verschuss, hatte Scheitlin noch die Möglichkeit, seine letzten Wünsche zu äussern. Dabei war er nicht sparsam. Unter anderem wünschte er sich, dass die Stadt St.Gallen auch bald an einen See reiche. Alle anderen Fasnachtsstädte täten dies ja bereits. Zusätzlich wünschte er sich noch, dass alle St.Galler zuverlässig ihre Steuern zahlen und auch mal was zusätzlich drauflegen mögen.

Schliesslich musste er sich dem Konfettischuss stellen. Denn erst nach dem Abschuss durch die Konfettimasse wurde er zum richtigen Ehren-Födlebürger. Die gefürchtete Kanone wurde von den Teufelchen in Betrieb genommen. Die Födlebürgerfahne, die „wichtigste“, die je über diesem Platz wehte, wurde aufgezogen. Nach einigen kleineren Probeschüssen wurde der Countdown für den mächtigen Konfettischuss auf Stadtpräsident Scheitlin eingeleitet.

Nach der Ehrung wurde in der ganzen Stadt gefeiert. Trotz der bitteren Kälte spielten die Guggen. Das Geschäft mit dem Glühwein blühte auf. Die Kälte war wohl der Grund, wieso der diesjährige Föbüverschuss verhältnismässig kurz ausfiel. In früheren Zeiten wurden noch kiloweise Konfetti durch die mit Objekten versehene Kanone auf dem Blumenbergplatz in die Luft geschleudert. Dieses Jahr leerte er sich doch sehr schnell.