Kultur | 22.02.2010

Eine Offenbarung

Text von David Weber | Bilder von PD
The Black Box Revelation, das sind Jan Paternoster und Dries Van Dijck aus Belgien. Sie haben keine Zeit für Kompromisse und spielen deshalb wuchtigen, schnörkellosen Garage-Rock. Am 17. Februar machten sie Halt in der Grabenhalle.
Schlagzeug, Gitarre und eine dreckige Stimme: Belgischer Rock'n'Roll by The Black Box Revelation.
Bild: PD

Die Anhänger des dreckigen Garage-Rock versammelten sich deshalb an jenem Abend in der Grabenhalle, um auf die Ankunft der beiden Belgier zu warten. Restlos gefüllt war der Saal aber nicht: es hätten noch mehrere Duzend Personen zusätzlich Platz gehabt. Das ist Pech für all jene, die zu Hause geblieben sind, denn was The Black Box Revelation in der Folge zeigte, war kein gewöhnliches Konzert sondern ein kleines Lehrstück darin, wie Rock & Roll live funktioniert.

Erstens: Lange, etwas ungepflegte Haare, ein frecher Schnäuzer, eine zu kleine Lederjacke und eine grosse Röhre, die mal an Per Almqvist (The Hives), mal an Björn Dixgård (Mando Diao) erinnert, aber immer genau das Feuer transportiert, das bei den Dreien irgendwo drinnen ganz heftig brennt.

Zweitens: Ein Schlagzeuger mit einem Dauergrinsen und kräftigen Armen. So kräftig, dass die Drums zwischendurch auch mal mit den blossen Händen bearbeitet werden können. Die Mieter können einziehen, der Klangteppich ist ausgelegt.

Anders als auf der Scheibe

Drittens: Genau die Songs, durch die man auf The Black Box Revelation aufmerksam wurde („Set Your Head On Fire“, „High On A Wire“ und „I Think I Like You“), aber nie genau wie auf dem Album. Mal spielen sie einen Song ein ganzes Stück schneller, weil es gerade so gut läuft, mal wird ein Stück fast doppelt so lang, nur weil es da und dort noch Platz hatte für zwei, drei Solos. Im goldenen Schnitt wird es dann mit „Never Alone, Always Together“ etwas gemächlicher, quasi als Tinnitus-Stopper.

Viertens: Kein Bass, aber eine ganze Reihe von Gitarren. Der dritte Mann auf der Bühne macht nichts anderes, als die abgeschrummten Saiten wieder einzukurbeln. Genau, so wuchtig.

Fünftens: Nach einer knappen Stunde bilden sich beim Publikum Schweissperlen auf der Stirne. Die zwei Herren auf der Bühne sind aber noch kein bisschen müde. Die letzten fünfzehn Minuten bringt Jan Paternoster mit einem Solo durch, das technisch Edward Van Halen in nichts nachsteht, aber punkto Improvisation noch einen Schritt weiter geht. Die Zuschauer sind jetzt präsenter als je zuvor und wollen nicht mehr weg. Nach der Zugabe bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, denn der Zauber ist vorbei.

Kurzum: Dunkle Wildheit, die genau dort trifft, wo’s weh tut.