Gesellschaft | 15.02.2010

Betelnüsse haben es in sich

Text von Malte Vogt | Bilder von Malte Vogt
Betelnüsse sind schädlich und ungesund, Betelnuss kauende Männer sehen unattraktiv aus. Heisst es. Doch das kann den ICYE-Volunteer nicht davon abhalten, es zu probieren.
Mit einem Hauch von Erotik werden die Betelnüsse an den Mann gebracht.
Bild: Malte Vogt

Es gibt gewisse Dinge im Leben, die muss man einfach selber ausprobieren, wie zum Beispiel das Betelnusskauen. Nichts konnte mich aufhalten, mich heute auf den Weg zu begeben und diese Erfahrung zu machen, an diesem Stück taiwanesischer Kultur teil zu haben. Immer wieder habe ich gehört, wie schädlich und ungesund diese Nüsse sind und wie unattraktiv Betelnuss kauende Männer aussehen. Doch nichts hat geholfen.

Dass ich es früher oder später einmal ausprobieren würde, war vorhersehbar, werde ich doch täglich mit dieser Angewohnheit vieler Taiwanesen konfrontiert. Überall auf der Strasse liegen die ausgespuckten Reste der Betelnüsse, deren rote Farbe nicht zu übersehen ist und nicht selten strahlt mich ein mit leuchtend rotbraunen Zähnen geschmückter Mund an.

Meist sind es einfache Männer, wie Bauarbeiter, oder Lastwagenfahrer, die die Betelnüsse nicht nur wegen ihrer aufweckenden Wirkung kauen, sondern auch, weil sie das Hungergefühl unterdrücken und man in einen leichten Rauschzustand versetzt wird. B ei Frauen stösst das Betelnusskauen auf nur wenig Begeisterung und kommt daher auch nur hie und da auf dem Land vor. Dennoch sind es meistens junge, knapp bekleidete Schönheiten in kleinen, fast gläsernen Buden, welche die Betelnüsse mit einem Hauch Erotik verkaufen. Häufig stehen gleich mehrere dieser Buden hintereinander und machen mit wild blinkender Beleuchtung auf sich aufmerksam.

Mit meinem Gast-Vater, der die Gelegenheit ergriffen hat, endlich mal wieder Betelnüsse zu kaufen, obwohl seine Frau das nicht so gerne sieht, mache ich mich auf den Weg zu einer dieser Schönheiten, die hier, Sommer wie Winter, im luftigem Outfit häufig bis spät in die Nacht Betelnüsse verkaufen. Nach einem kurzen Gespräch bekommen wir, was wir wollen und fachmännisch erklärt mein Gast-Vater mir, wie ich die Betelnüsse zu kauen habe. Zuerst passiert gar nichts, ausser dass es bitter schmeckt und ich das Gefühl habe, in einen Tannenzapfen oder eine Eichel zu beissen. Doch nachdem ich ein wenig darauf herum gekaut habe, wird mir plötzlich ganz warm und ich bekomme sichtlich Farbe im Gesicht. Doch nicht nur mein Gesicht verändert sich, sondern auch meine Zähne und mein Mund färben sich in ein leuchtendes braun-rot. Ich probiere noch ein paar weitere Betelnüsse, nachdem ich die Reste, wie das so üblich ist, an den Strassenrand gespuckt habe, mache ich mich um eine Erfahrung reicher auf den Weg nach Hause.

Und während ich, aufgeweckt von den Betelnüssen, die Strasse entlang schlendere und mich frage, ob ich die rote Farbe und den Geschmack wohl je wieder los werde, beginnt sich auf einmal alles um mich herum zu drehen und im Magen macht sich ein leicht flaues Gefühl bemerkbar. Doch noch bevor ich das Gefühl richtig geniessen kann, ist es auch schon wieder verschwunden und was bleibt sind ein roter Mund, ein bitterer Geschmack und die Erkenntnis, dass ich auch ganz gut ohne Betelnüsse leben kann.

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Der ICYE (Internationaler Jugend- und Kulturaustausch) bietet Sozialeinsätze in über 30 Ländern auf der ganzen Welt an. Mehr Informationen auf www.icye.ch.

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