Kultur | 02.02.2010

Abenteuer der Sinne

Text von Elia Blülle
Sie machen den Körper zum Instrument und stampfen fürs Leben gerne auf den Boden. Der Dokumentarfilm von Gitta Gsell begeistert das Publikum mit leidenschaftlichen Tänzern und brillanter Tontechnik.
Ania, die mit den Stäben tanzt. Lockenperücken sind beim Irishdance Pflicht. Fotos: PD

Am letzten Tag der 45. Solothurner Filmtage war vom anfänglichen Elan nicht mehr viel zu spüren. Das Personal wirkte merklich erschöpft, die sehenswerten Vorführungen waren Geschichte und das Wetter hüllte die Stadt in ein tristes grau-weiss. Das entlockte so manchem Besucher ein Gähnen. Doch für einen Muntermacher war gesorgt, denn der mit dem „Prix du Public“ ausgezeichnete Dokumentarfilm „Bödälä – Dance the Rhythm“ konnte es kaum erwarten, auf die Leinwand zu tanzen. Wer jetzt noch Müdigkeit verspürte, sollte dringend einen Arzt aufsuchen.

Auf den Spuren des perkussiven Tanzes

In einem schier unmöglichen Tempo stampfen die Tänzer und Tänzerinnen auf den Boden. Der perkussive Tanz kennt keine Grenzen. Feurig, traurig oder lustig – hier wird mit den Füssen gesprochen. Eine Reise durch die faszinierende Welt der Bodenklopfer, ausgehend vom Innerschweizer Tanz Bödälä.

Zugegeben, Bödälä kann sehr schräg wirken und es ist eine willkommene Abwechslung zu anderem Volkstümlichen. Der Bödälär tänzelt um seinen Partner herum und tritt dabei rhythmisch auf den Boden. Tönt öde – ist es aber nicht. Denn wer auffallen will, muss aus seiner Haut fahren und dabei kommen nicht selten urkomische Zwischeneinlagen zustande. Mit den Toggenburgern Claudia Lüthi und Elias Roth bekommt man einen Einblick in diese eigene und urchige Szene.

Die Aargauer Irishdancerin Sabrina Wüst begleitet man an die Weltmeisterschaft in Belfast. Dort wird sie mit der Irischen Kultur konfrontiert und muss aus unergründlichen Umständen eine Lockenperücke tragen, dazu kommt noch ein umso hässlicheres Kleid. Am Ende muss sie feststellen, dass ihr das Pech wortwörtlich an den Füssen hängt.

Der Flamenco ist feurig wie Tabasco Sauce und wenn die temperamentvollen Spanierinnen ihre Klapperschuhe hervorholen, brennt das Parkett. Die Bernerin Ania Losinger konnte sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. Darum änderte sie den klassischen Flamenco ab und tanzte mit zwei riesigen Stäben auf einem ebenso überdimensionalen Xylophon. Daraus geht ein Schauspiel der besonderen Art hervor, mit einem Hauch von Mystik.

Begeisternd

Dass der Schweizer Dokumentarfilm stark ist, weiss man mittlerweile. Mit dem Werk der Stadtzürcher Regisseurin Gitta Gsell hat er einen weiteren Beweis geliefert. Frisch, natürlich und mit Witz hat er das Publikum der 45. Solothurner Filmtage begeistert. Mit der hervorragenden Tontechnik wird das gewöhnliche Kinoerlebnis zu einem lebensnahen und leidenschaftlichen Abenteuer der Sinne.     An den 45. Solothurner Filmtage wurden zwei wichtige Preise verleihen. Der mit 30 000 Franken dotierte Publikumspreis „Prix du Public“ und der „Prix de Soleure“, der zweit höchst dotierte Schweizer Filmpreis mit 60 000 Franken. Der Gewinner dieses Jurypreises ist der Dokumentarfilm „Nel giardino dei suoni“ von Nicola Bellucci.    


„Bödälä – Dance The Rhythm“ ist ab 25. Februar 2010 in den Deutschschweizer Kinos.