Kultur | 05.01.2010

Wo blieb der grosse Knall?

Text von Tabea Sadok | Bilder von PD
Der grosse Knall liess auf sich warten. Der Besuch einer gross angekündigten Silvesterparty hat sich dennoch gelohnt.
Musiker wie Fatman brachten bei der Big Bang jedes Bein zum Schwingen.
Bild: PD

Überall hört man diesen Namen, seit Wochen gibt es nichts Wichtigeres als das. Hier geht es nämlich um die bombastischste, aufwändigste und teuerste Party der Schweiz. „In welcher Stadt geht Jahr für Jahr solch‘ eine Party über die Bühne?“ Viele denken jetzt an Zürich; aber nein, dieses Mal handelt es sich um eine viel unscheinbarere Stadt im Norden der Schweiz. Den Namen kennt man zwar aber man ist selten dort. Die Organisation dieser Riesenparty hat sich dieses Mal auf ein kleineres Städtchen geeinigt und dieses heisst: Basel.

Wollte man an diese Party, musste man schnell sein mit dem Ticket-Kauf, denn diese waren sehr beliebt, trotz des hohen Preises. Beim Kauf dieses doch so wertvollen Papierfetzens leerte sich das Portemonnaie um durchschnittlich 50 Franken. Spontane Leute wie ich mussten wirklich Glück haben, um in letzter Minute noch ein Ticket abstauben zu können. Mit klopfendem Herzen standen meine Kollegin und ich vor dem Ticketshop und warteten ungeduldig auf die Antwort, ob es nun noch Tickets gibt oder nicht. Die Antwort fiel dann zum Glück positiv aus. Mit zufriedener Miene verliessen wir den Ticketshop und warteten mit grosser Vorfreude auf den unvergesslichen Abend.

Endlich war es so weit, überall haben sich kleinere und grössere Gruppen verteilt, top-gestylt und ausgelassen am „Vorfeiern“ bis die Strassenbahn endlich kam. So weit ich mich erinnern kann, war ich noch nie in ein so überfülltes Tram eingestiegen. Wenn man mich fragt, war (unter Berücksichtigung der Uhrzeit) in der Strassenbahn mehr „Party“ als auf der folgenden „ach so grossen«“Party Big Bang, aber dazu gleich mehr.

Angekommen bei der St. Jakob Halle, ging die Suche nach einer Garderobe los. Wie man beobachten konnte, waren wir nicht die einzigen, welche genervt eine dieser angeschriebenen Garderoben suchten, denn das Gebäude war ähnlich einem Labyrinth. Eine Ewigkeit später und nach unzähligem Durchqueren der unteren Gänge wurden wir endlich fündig. Billig war auch hier etwas anderes, mussten wir doch pro Kleidungsstück sieben Franken bezahlen.

So schnell wie möglich begaben wir uns auf die Tanzfläche, doch davor ging die Suche nach dem richtigen „Dance-Floor“ los, denn das Spezielle an dieser Party waren die angekündigten vier verschiedenen „Dance-Floors“ mit unterschiedlichen Musikrichtungen: Hip-Hop, House, R&B, Charts, Rock, Pop, Electro, Remember und Hardstyle. Doch es brauchte einige Zeit, um den richtigen Dance-Floor zu finden, denn die Location war unglaublich gross. Da wir hauptsächlich Hip-Hop und R&B hören, suchten wir natürlich diesen Dance-Floor auf. Erhofft hatten wir uns hierbei einen gut gefüllten Raum mit laufender Party und somit nicht mit einer halbgefüllten Halle gerechnet. Aber wir machten das beste daraus und genossen die Musik; zusammengestellt von Live-DJs und SängerInnen. Ich muss sagen, dass hier dann auch wirklich Könner am Werk waren, denn die Remixes aus Hip-Hop und R&B brachten jeden zum Tanzen.

Nach einigen Stunden verliessen wir die besagte Halle und entdeckten eher zufällig das Zentrum der Party: eine riesengrosse Halle komplett gefüllt mit tanzenden Leuten. Ohne zu überlegen steuerten wir geradewegs auf die riesige Menge zu, mit dem Ziel einen Platz direkt vor der Bühne zu erlangen. Dies stellte sich jedoch als äusserst schwer heraus, denn die Halle war bis zum letzten Zentimeter gefüllt. Einige Minuten vor dem Jahreswechsel startete dann auch der Countdown und gemeinsam wurde mitgezählt: 10-9-8-7-6-5-4- (es wurde immer lauter) 3-2- (die Freude war allen ins Gesicht geschrieben) 1 (ein ohrenbetäubendes Jubeln brach aus). Wie kleine Kinder sprangen alle vor Freude auf und ab, umarmten sich und wünschten allen viel Glück fürs neue Jahr. Das Highlight des Jahreswechsels war eine Kanone, mit welcher eine grosse Menge silbriger und goldiger Pailletten geschossen wurde, welche wie durch Zauberhand in der Nähe der Hallendecke schweben blieben. Auf der Bühne konnte man danach einige Darbietungen bestaunen, darunter Feuerkunststücke und Lasershows.

Betrachtet man die vergangenen Erlebnisse, war der Besuch dieser Silvester- Party schon etwas Besonderes und bot mehr als eine normale Party. Doch im Grossen und Ganzen haben wir uns für die bezahlten 50 Franken doch etwas mehr erhofft. Auch die Organisation der Getränke-Ausgabe liess zu wünschen übrig, musste man für jede gewünschte Konsumation erstmal einen 20-Franken-Bon kaufen, denn ohne diesen ging gar nichts.

Ich bereue es nicht, an dieser Party teilgenommen zu haben, war es doch eine neue Erfahrung, und doch war es für mich vermutlich das letzte mal, dass ich soviel Geld für so etwas ausgegeben habe.