Politik | 18.01.2010

„Weder Wirtschaft noch Innenpolitik im Hinterkopf“

Bevor im Dezember die "grossen" Politikerinnen und Politiker am Klimapifel in Kopenhagen tagten, diskutierten 164 Jugendliche am Jugendklimapifel über den Klimawandel. Der Berner Hannes Spichiger vertrat als einer von vier Jugendlichen die Schweiz. Im Gespräch erzählt er, was er in Kopenhagen erlebt hat.
Die Schweizer Delegation des Jugendklimagipfels 2009. Hannes Spichiger (ganz rechts) gefiel vor allem der Austausch mit anderen Nationen.
Bild: Daniel Leibundgut / unicef.ch Hannes Spichiger (15) überrascht es nicht, kam nach Kyoto kein neues Protokoll zustande. Samir Malek Madani

Hannes, du warst einer der vier Delegierten, welche die Schweiz an der Jugendklimakonferenz in Kopenhagen vertreten durften. Wie kamst du zu dieser Gelegenheit?

Ich bin seit Langem in der Pfadi aktiv. Dadurch wurde ich auf den Aufruf der UNICEF aufmerksam, dass Jugendliche sich für den Klimagipfel anmelden konnten. Der Aufruf weckte sogleich mein Interesse. Da die Plenumssprache in Kopenhagen Englisch war, musste ich für die Bewerbung einen englischen Motivationstext verfassen.   

Jugendliche aus 44 verschiedenen Nationen nahmen an den Workshops teil. Gab es da Schwierigkeiten in der Verständigung?

Eigentlich nicht. Hauptsächlich wurde in Englisch gesprochen. Einige Länder kamen mit Dolmetschern, welche aber oft nicht einfacher zu verstehen waren (schmunzelt). In der Jugendherberge teilte ich das Zimmer mit Teilnehmern aus Polen und Russland. Abends musizierten wir ab und zu zusammen und auch jetzt halte ich noch den Kontakt zu meinen neuen Bekanntschaften, die in der ganzen Welt verteilt sind. Das ist schon cool.    

Zum Verlauf der Diskussionen: Wie weit gingen die Meinungen der verschiedenen Nationen auseinander?

Alles in allem glaube ich, dass wir im Vergleich zu den grossen Politikern oft viel sachlicher diskutierten. Wir hatten weder die Wirtschaft noch irgendwelche innenpolitischen Probleme im Hinterkopf. Klar hatten die Teilnehmer unterschiedliche Meinungen, aber der Kanon war: Wir müssen etwas ändern und bewegen. Ich fand den Jugendklimagipfel interessant und lehrreich, ich würde jederzeit wieder teilnehmen. Es war motivierend, so viele Jugendliche zu sehen, die die gleiche Richtung einschlagen und sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen. Wir sehen dieses Ziel aus verschiedenen Perspektiven, aber wir ziehen alle am gleichen Strang, es ist unsere Zukunft.  

Gibt es ein Highlight, das du während dem Klimagipfel erlebt hast?

Es gab viele sehr interessante Diskussionen zwischen Vertretern der Entwicklungs- und der Industrieländer. Wir sprachen über die verschiedenen Energietechnologien und verglichen unsere Länder. Diese Erfahrungen und Gespräche werden mir in Erinnerung bleiben. Ein Vertreter aus Afrika war wahnsinnig fasziniert von den vielen Fahrrädern in Dänemark. Er hatte solche noch nie zuvor gesehen und will das Transportmittel nun auch in seine Heimat bringen. Er zeichnete während der Woche wirklich Konstruktionspläne für Fahrräder!    

Stichwort Kopenhagen. In der Dänischen Hauptstadt fanden der Jugendklimagipfel und danach auch der Weltklimagipfel statt. Wie bereitete sich Dänemark auf den Klimagipfel vor?

Wir waren vor dem UNO-Weltklimagipfel in Kopenhagen, die ganze war Stadt im Klimafieber. Wir wohnten in der weltgrössten Jugendherberge, wo uns auch ab und zu ein Greenpeace-Aktivist über den Weg lief.  

Wusstest du, was dich an der Jugendlimakonferenz konkret erwarten würde?

Das eigentliche Ziel war von Anfang an klar: das Erarbeiten einer Endergebnisbroschüre. Schliesslich wollten wir aber auch Lösungsansätze für unser eigenes Land finden, eine Antwort darauf, was wir konkret in unserer Heimat ändern und verbessern können. Die Vertreter der Malediven zum Beispiel vertrauten aber darauf, dass sich vor allem wir anderen uns nun um den Klimawandel kümmern, obwohl die Malediven eines der am stärksten betroffenen Gebiete der Welt sind.  

Warum?

Grosse Teile der Inseln liegen nur wenige Meter über dem Meer. Steigt der Meeresspiegel weiter an, droht der ganze Inselstaat im Indischen Ozean zu versinken. Einer der Delegierten von den Malediven durfte nach der Jugendklimakonferenz noch in Kopenhagen bleiben und sogar am „echten“ Klimagipfel vor all den grossen Politikern sprechen, als Vertreter der Jugend.  

Wie zufrieden bist du mit dem Entschluss, den unsere Weltpolitikerinnen und -politiker gefasst haben, oder eben nicht gefasst haben?

Ich habe ehrlich gesagt nicht erwartet, dass es zu einem Nachfolgermodell des Kyoto-Protokolles kommt. Deshalb bin nicht sauer, aber natürlich wäre es schön gewesen, wenn doch etwas (mehr) entschieden worden wäre.  

Was wünscht du dir in Zukunft für das Klima?

Jetzt sind vor allem Diskussionen wichtig. Nationale aber auch länderübergreifende, man muss miteinander über die Zukunft sprechen. Auch hoffe ich, dass das Thema Klimawandel mehr in den Schulen behandelt wird.  

Zur Person


Hannes Spichiger ist einer der vier Schweizer Jungdelegierten, die im Dezember 2009 an die Jugendklimakonferenz in Kopenhagen reisten. Der 15-jährige wohnt in Zollikofen und besucht die Tertia des Gymnasiums Neufeld in Bern mit Schwerpunkt Physik und Anwendungen der Mathematik. Wenn er nicht die Schulbank drückt, hält sich der begeisterte Pfadfinder in der Natur auf, spielt Hackbrett und liest gerne.

  

Jugendklimakonferenz 2009


Während einer Woche, vom 28. November bis 4. Dezember 2009, trafen sich in Kopenhagen 164 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren aus 44 Nationen zur ersten internationalen Jugendklimakonferenz. Organisiert und finanziert hat den Anlass die UNICEF. In Workshops arbeiteten die Jugendlichen zu verschiedenen Umweltthemen Empfehlungen und Forderungen aus. Am Ende der Konferenz überreichten sie Jugendlichen ihre Ergebnisse in einer Resolutionsbroschüre der Präsidentin des Weltklimagipfels. Was genau die Jugendlichen darin fordern, kannst du hier nachlesen.