Politik | 26.01.2010

Was macht eine Kinderlobbyistin?

Text von Michelle Stirnimann | Bilder von Marigona Isufi
Die Bernerin Marigona Isufi ist die neue Kinderlobbyistin. Nebst Schule, Freunden und Ausgang lobbyiert die 17-Jährige im Bundeshaus. Ihre Aufgabe: Die Stimme der Kinder in die Politik bringen.
Die 17-jährige Marigona Isufi besucht die Berner Wirtschaftsmittelschule und präsidiert den Jugendrat.
Bild: Marigona Isufi

Musik hören, mit Freunden in den Ausgang gehen, Lesen. Alles ganz normale Hobbies einer Jugendlichen. Doch die aktive Bernerin hat zusätzlich einen speziellen Job: Sie ist Kinderlobbyistin. Als Vertreterin der Kinder darf sie im Bundeshaus lobbyieren, an Sessionen zuhören und in der Wandelhalle mit den Parlamentarierinnen und Parlamentarier sprechen und auf sich aufmerksam machen.

 

„Erstaunlich, wie Kinder die Politik sehen“

Politik ist für die gutgelaunte Wirtschaftsmittelschülerin mit kosovarischer Abstammung etwas Wichtiges, denn „ohne Politik läuft überhaupt nichts“. Nebst dem Lobbyistinnen-Job ist die politisch Interessierte zudem Präsidentin des Jugendrates der Stadt Bern und nimmt an vielen politischen Veranstaltungen, wie der Jugendsession und dem Berner Jugend-Grossrat-Tag teil. Doch muss sie zwischen ihrem Lobbyjob und ihrem Vorsitz im Jugendrat differenzieren, denn im Bundeshaus vertritt sie die Stimme der Kleinsten, nicht die der Jugendlichen.

 

Viele Erwachsene können sich nicht vorstellen, dass bereits Kinder politisch interessiert sein können und im Bundeshaus vertreten sein müssen, doch Marigona sieht das anders:  „Es ist wirklich erstaunlich, mit welchen Augen die Kinder unsere Politik sehen“, sagt sie. Durch ihre unkomplizierte Sichtweise sehen sie viele Dinge viel einfacher. Und genau das ist das Ziel und die Aufgabe der Organisation Kinderlobby Schweiz: die Wahrnehmung der Rechte, Anliegen und Bedürfnisse der Kleinsten und die Einführung, Bekanntmachung und Umsetzung der UNO-Kinderrechte in der Schweiz.

 

Kein Dilemma zwischen Schule und Lobbyjob

Mit dem Vorstand der Kinderlobby bespricht und bestimmt Marigona Isufi, an welche Sessionsdaten und zu welchen Themen sie ins Bundeshaus geht, denn nicht alle Diskussionen sind für die Kinderlobby von gleicher Priorität. „Und nebenbei gehe ich ja noch zur Schule“, erläutert die Wirtschaftsmittelschülerin. Dilemmas zwischen Schule und Lobbyjob seien aber noch keine aufgetreten, die Schule unterstütze sie so weit wie möglich.

 

Ein aktuelles Anliegen der Organisation Kinderlobby ist zurzeit das neue Kinder- und Jugendförderungsgesetz, das momentan in der Veranlassung ist und wahrscheinlich an der Frühlingsession in die Wissenschafts- und Bildungskommission des National- und Ständerates kommt. Mit diesem Gesetz sollen zum Beispiel den Gemeinden und Kantonen mehr Geld zur Verfügung stehen, um ihre Kinderbüros, Kinderparlamente und Kinderbeauftragte zu unterstützen.

Vor Ort im Parlament ist es Marigona Isufis Aufgabe, diese Vorlage den Politikerinnen und Politiker zu empfehlen.

 

„Ich habe diese Frage langsam satt!“

Während der Wintersession war sie das erste Mal mit ihrem Lobbyistenpass, welcher ihr der Aargauer Nationalrat Gerry Müller zur Verfügung gestellt hat, im Bundeshaus. Dabei machte sie auf sich aufmerksam und bereits mit einigen Parlamentarierinnen und Parlamentariern bekannt.

 

Die Kinderlobbyistin freut sich auf das kommende Jahr und auf ihre Aufgabe, doch auf eines könnte sie gerne verzichten: Die Standartfrage ‚Willst du einmal in die Politik?‘. Marigona Isufi sagt: „Ich habe diese Frage langsam satt! Ich besitze einen Lobbyistenpass für ins Bundeshaus. Obwohl ich parteilos bin, bin ich schon mittendrin in der Politik!“

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